Dortmund - Eine Stunde nach Spielende verlor Thomas Müller kurz die Orientierung. Flotten Schrittes begab sich der Held des Abends zum Mannschaftsbus und wurde in letzter Sekunde von einem aufmerksamen Helfer vom Einstieg abgehalten. Der 24-Jährige wäre um ein Haar in das Gefährt der schottischen Nationalmannschaft eingestiegen. Kein Wunder, denn auf dem Bus stand in großen Lettern „Reisebüro Müller“.

"Es kann nicht alles klappen", scherzte Müller, der dann doch noch zum richtigen Bus geleitet wurde, der ihn und seine Kollegen von Bayern München zum Flughafen chauffierte. Zuvor hatte es bei Müller aber mal wieder sehr gut geklappt. Mit seinen beiden Treffern (18., 70.) hatte der torgefährliche Mittelfeldspieler Weltmeister Deutschland beim hart umkämpften 2:1 (1:0) gegen Schottland vor einem Fehlstart in die WM-Qualifikation bewahrt.

Pfosten verhindern den Dreierpack

Mit seinen Länderspieltreffern 23 und 24 im 58. Länderspiel unterstrich Müller einmal mehr seinen Stellenwert für die Nationalmannschaft. "Verblüffen kann der Thomas Müller mich nicht mehr. Mit ihm habe ich schon sehr viel erlebt", sagte Bundestrainer Joachim Löw anschließend über seinen Matchwinner, der in der Endphase noch Pech mit einem Pfostenschuss hatte.

Was Müller, dem sein vierter Doppelpack im DFB-Dress gelang, auszeichnet, wusste Löw auch nicht genau zu skizzieren: "Am Anfang hat mich vielleicht seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor überrascht, sein Hunger nach Toren. Der Thomas ist immer da, wo es brennt und wo man sein muss als Spieler."

Strachan: "Müller springt 2,50 Meter hoch"

Löws Kollegen Gordon Strachan zeigte sich ebenfalls angetan von den Qualitäten Müllers, der in Abwesenheit eines echten Mittelstürmers immer wieder den Weg in den Strafraum gesucht hatte. "Wenn du einen Spieler hast wie Thomas Müller, der 2,50 Meter hoch springen kann, kannst du die Tore nicht vermeiden. Er ist einfach eine Maschine", sagte der schottische Teammanager hochachtungsvoll über Bayern-Star. Bereits vor seinem Kopfballtreffer zum 1:0 hatte sich Müller gegen die baumlangen Kerle in der schottischen Abwehr zweimal in der Luft durchgesetzt.

Sechs Tage vor seinem 25. Geburtstag wollte Müller seinen Doppelpack nicht überbewerten und kommentierte stattdessen lieber die Mannschaftsleistung des Weltmeisters: "Ich habe nicht aus Spaß gesagt, dass es eng werden würde. Wir waren in der zweiten Halbzeit nicht ganz so souverän, wie wir uns das vorgestellt haben. Da wurde es halt etwas eng." Und weil die deutsche Mannschaft am Ende die ersten drei Punkte auf dem Weg zur EURO 2016 in Frankreich eingefahren habe, könne er mit dem Ergebnis "sehr gut leben".