München - Vier Punkte und ein Torverhältnis von 2:1 - mit Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Nürnberg teilen sich aktuell zwei Vereine den 7. Tabellenplatz. Doch es gibt noch weitere Gemeinsamkeiten. Hans Meyer, seit Juni 2011 Präsidiumsmitglied bei den Gladbachern, saß sowohl für die "Fohlen" als auch für den "Club" auf der Trainerbank.

Im Gespräch mit bundesliga.de blickt der 69-Jährige auf das bevorstehende Duell beider Teams am Samstag.

bundesliga.de: Herr Meyer, die neue Bundesligasaison hat für Gladbach und Nürnberg ordentlich begonnen. Können beide ein Stück weit befreit aufspielen?

Hans Meyer: Wer kann nach zwei Spielen eigentlich befreit aufspielen? Wir in Gladbach haben aufgrund der Qualifikationsspiele für die Champions League zwei Partien mehr absolviert, aber im Grunde genommen muss jeder Club in dieser Phase seine feste Formation noch finden. Befreit aufspielen würde ja bedeuten, dass beide Mannschaften einen optimistischen und offensiven Fußball spielen würden, nachdem alle Zuschauer jubelnd nach Hause gehen.

bundesliga.de: Aber Sie würden mir Recht geben, dass der Saisonstart beider Teams geglückt ist?

Meyer: Was ich bisher von uns gesehen habe, war nicht optimal, es war aber grundsolide. Die Leistung vom "Club" im Heimspiel gegen Borussia Dortmund hat mir richtig imponiert. Imponiert auch unter dem Gesichtspunkt, was der Verein unter der Leitung von Dieter Hecking seit zwei Jahren aufgebaut hat.

bundesliga.de: Beide Teams haben nach zwei Spieltagen vier Punkte und 2:1 Tore auf dem Konto. Sehen Sie die Mannschaften insoweit auf Augenhöhe vor dem Spiel am Samstag?

Meyer: Das auf jeden Fall. Aber das war auch schon vorheriges Jahr so. Wenn Clubs wie Gladbach und Nürnberg aufeinandertreffen, entscheidet auch einfach ein Stück weit die Tagesform. Die beiden Spiele in der vergangenen Saison gingen jeweils mit 1:0 an die Heimmannschaft, wobei wir zuhause ein richtig gutes Spiel gemacht haben und dann auswärts in der Schlussphase verloren. Beide Duelle waren aber vollkommen auf Augenhöhe.

bundesliga.de: Sowohl Dieter Hecking als auch Lucien Favre setzen in ihren Mannschaften auf eine Mischung aus jungen und talentierten Spielern sowie erfahrenen Routiniers. Beide Vereine haben Erfolg mit dieser Variante. Ist dies eine Komponente, die die beiden Teams vergleichbar macht?

Meyer: Da müssten wir jetzt in eine Detailanalyse rein. Die Nürnberger gehen ihren Weg, auf ausgeliehene junge Spieler zu setzen, seit zweieinhalb Jahren sowas von erfolgreich, obwohl man jedes Jahr gute Spieler abgeben muss. Beim "Club" hat man in den letzten Jahren ein paar wirklich gute Transfers getätigt, die gerade nach den Abgängen der Leistungsträger wie Ilkay Gündogan, Mehmet Ekici, Julian Schieber und Philipp Wollscheid voll eingeschlagen haben.

bundesliga.de: Die Säulen der Mannschaft sind aber erhalten geblieben. Ist dies die Grundvoraussetzung dafür, dass dieses System funktioniert?

Meyer: Dass mit Hanno Balitsch, Timmy Simons, Javier Pinola und Raphael Schäfer auch ein paar erfahrene Spieler in der Mannschaft stehen, die für die Jüngeren als Lenker und Leiter da sind, ist auch bei uns in Gladbach so. Die jüngeren Spieler werden durch die Erfahrung von Filip Daems, Martin Stranzl, Mike Hanke und Juan Arango ebenfalls auf dem Feld geführt. Dass eine gute Mischung der Altersstruktur wichtig ist, sollte klar sein. Aber das spricht dann halt auch für gute Trainer, wenn diese gegeben ist.

bundesliga.de: Was trauen Sie beiden Vereinen in dieser Saison zu, wenn man die Eindrücke der ersten beiden Spieltage berücksichtigt?

Meyer: Das kann ich nur für Borussia Mönchengladbach beantworten. Ich denke, dass wir mit dieser neu zusammengestellten Mannschaft in dieser Anfangsphase, die nicht nur aus den ersten beiden Spieltagen besteht, auch Probleme bekommen müssen, weil uns einfach wichtige Spieler verlassen haben. Trotzdem haben wir aus meiner Sicht gute Transfers gemacht, die man aber nicht gleichsetzen kann mit den Abgängen. Aber da müssen auch die erfahrenen Spieler wieder an ihre überragenden Leistungen der letzten Spielzeit anknüpfen.

bundesliga.de: Ein konkretes Ziel gibt es also nicht?

Meyer: Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns - nach welchen Resultaten auch immer - hinter den Mannschaften, die man automatisch auf den internationalen Plätzen erwarten kann, in einer Gruppe einpendeln, die nach bestimmten Verläufen auch oben anklopfen kann.

Das Gespräch führte Steffen Hoss