München - Abstieg 2008, Relegation 2010: Den 1. FC Nürnberg haben viele Kritiker schon vor der Saison zu den Abstiegskandidaten der Bundesliga gezählt. Das Image einer "Fahrstuhlmannschaft" werden die Franken scheinbar einfach nicht los.

Doch der "Club" beweist bislang, dass es in diesem Jahr auch anders gehen kann. Nach sieben Spieltagen hat Nürnberg bereits neun Punkte gesammelt - immerhin einen Punkt mehr als der große bayrische Nachbar FC Bayern München - und steht damit nur drei Zähler hinter einem Europa-League-Platz.

Erst zwei Niederlagen

Die internationalen Plätze sind in Nürnberg aber nicht das Ziel, sondern weiterhin der Klassenerhalt. Dass der "Club" dabei auf einem guten Weg ist, belegen schon die Vergleichszahlen zum Vorjahr.

Nach sieben Spieltagen hatte der FCN in der vergangenen Saison erst fünf Punkte auf dem Konto, dieses Jahr sind es bereits neun. Zudem kassierte man vier Niederlagen, diesmal sind es lediglich zwei. Ein Grund dafür ist auch, dass die "Cluberer" schon sieben Mal ins gegnerische Tor getroffen haben. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr waren es nur vier Treffer.

Sieben Zähler trotz Rückschlag

Die Mannschaft hat an Stabilität gewonnen. "Wir stecken nach einem Gegentor die Köpfe nicht mehr in den Sand, sondern behalten unsere Ordnung bei und machen weiter", beschreibt Kapitän Andreas Wolf den Unterschied zum vergangenen Jahr: "Wir müssen jetzt nur noch daran arbeiten, weniger Rückschläge verkraften zu müssen."

Und der Erfolg gibt dem 28-Jährigen recht. Gegen den holten die Franken noch einen Punkt, obwohl der HSV mit 1:0 in Führung gegangen war. In den Partien gegen und waren es sogar jeweils drei eingefahrene Zähler, und dabei hatten beide Gegner eine 1:0-Führung des "Clubs" spät in der zweiten Halbzeit noch ausgeglichen. Doch Nürnberg behielt die Nerven und kam so jeweils noch zum 2:1-Sieg. Ersatztorhüter Alexander Stephan brachte es nach dem Sieg gegen die "Knappen" auf den Punkt: "Bei uns ist viel im Kopf passiert."

Neuformierter Kader

Dabei waren die Voraussetzungen vor der Saison gar nicht so einfach. Zwar konnte Trainer Dieter Hecking, der erst im Dezember 2009 beim "Club" anheuerte, nun eine gesamte Vorbereitung mit dem Team bestreiten, doch die Nürnberger mussten im Sommer viele Spieler ziehen lassen.

Insbesondere die ausgeliehenen Spieler wie Andreas Ottl, Breno, Eric-Maxim Choupo-Moting, Mickael Tavares oder Marcel Risse kamen in der Vorsaison zu vielen Einsatzzeiten. Dazu ging mit Dennis Diekmeier ein junger und talentierter Abwehrspieler zum HSV. Hinzu kommt auch die Verletzung des Top-Stürmers der vergangenen FCN-Saison, Albert Bunjaku, der mit einer Knieverletzung ein halbes Jahr ausfällt.

Aber die Franken bewiesen auf dem Transfermarkt ein glückliches Händchen: Timmy Simons, Per Nilsson sowie die ausgeliehenen Jens Hegeler, Mehmet Ekici und Julian Schieber sind schnell zu wichtigen Säulen beim FCN geworden und haben fast jedes Saisonspiel bestritten. Vor allem Stürmer Schieber hat mit seinen zwei Toren und zwei Vorlagen einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Stolperstein für Top-Clubs

Nürnberg scheint sich insbesondere gegen die Top-Clubs zum Stolperstein zu mausern. Auswärts holten die Franken jeweils ein Remis beim HSV und Bayer Leverkusen, zuhause schlug die Mannschaft die international spielenden Teams aus Stuttgart und Schalke.

Zwei Heimspiele in Folge hat der "Club" zuletzt gewonnen. Trainer Hecking hofft nun, dass dieser Lauf sich auch nach dem spielfreien Wochenende fortsetzt. "Wir dürfen in der Länderspielpause nicht unter Betriebstemperatur geraten, sondern müssen heiß bleiben", sagte der Coach, der mit seiner Mannschaft nun auf den FC St. Pauli, den VfL Wolfsburg und den SV Werder Bremen trifft.

Auch gegen die drei Nordlichter soll die Punkte-Hamsterei beim "Club" also weitergehen.

Jessica Pulter