Köln - Claudio Pizarro macht es, Marco Reus macht es, Thomas Bröker und Maximilian Beister genauso, auch Axel Bellinghausen, Julian Koch, Adam Matuschyk oder Sascha Rösler. Alle diese Spieler und noch mehr kehren zur neuen Saison zu Vereinen zurück, bei denen sie bereits vorher einmal gespielt haben. Und das meistens auch erfolgreich.

Damit setzen sie eine Tradition fort, die es zu allen Zeiten in der Bundesliga gegeben hat. Prominente Beispiele der Vergangenheit gibt es zuhauf. Sei es nun ein Jupp Heynckes, der vor über 40 Jahren nach einem dreijährigen Gastspiel in Hannover zu seinen Gladbacher "Fohlen" zurückkehrte oder ein Paul Breitner, der in den siebziger Jahren über die Stationen Real Madrid und Eintracht Braunschweig zurück zu den Bayern fand.

Andreas Möller und Stefan Effenberg kehrten gleich mehrfach zu ihren Ex-Vereinen zurück, Möller ein Mal nach Dortmund und zwei Mal nach Frankfurt, "Effe" je ein Mal nach Mönchengladbach und zu den Bayern. In der jüngeren Vergangenheit zog es Lukas Podolski vor drei Jahren zurück zum 1. FC Köln, den er ab dem Sommer Richtung Arsenal London wieder verlässt. Wer weiß, vielleicht kehrt "Prinz Poldi" irgendwann noch einmal zu seinem FC zurück.

Claudio Pizarro will Mario Gomez Konkurrenz machen



In dieser Saison haben erneut eine Reihe von Topspielern bei ihren alten Vereinen unterschrieben. Oder sie kehren nach einer Ausleihe zurück zu ihren Stammvereinen, bei denen sie im zweiten Anlauf den Durchbruch schaffen wollen.

Die prominentesten Heimkehrer dürften sicherlich Claudio Pizarro und Marco Reus sein. Der zuletzt für Werder Bremen erfolgreich stürmende Peruaner Pizarro wechselt zum FC Bayern, bei dem er zwischen 2001 und 2007 drei Mal das Double gewinnen und dabei 71 Tore erzielen konnte.

Für seinen ehemaligen Mitspieler Mehmet Scholl war Pizarro der technisch beste Fußballer, mit dem der je zusammengespielt hat. Der 33-jährige Vollblutstürmer wird Bayern-Torjäger Mario Gomez sicherlich einen heißen Tanz im Kampf um den begehrten Platz im Sturm liefern.

Kann sich Marco Reus diesmal beim BVB durchsetzen?



Marco Reus freut sich auf die Rückkehr zu seinem alten Stammverein, bei dem er einst den Sprung zu den Profis nicht schaffte. Über den Umweg beim Zweitligisten Rot-Weiss Ahlen und vor allem drei überragende Jahre bei Borussia Mönchengladbach empfahl sich der 23-jährige gebürtige Dortmunder für den BVB.

Bei der "Elf vom Niederrhein" war Marco Reus zum entscheidenden Spieler der vergangenen beiden Jahre geworden. Erst retteten seine Tore, auch in der Relegation, die Borussia vor dem bitteren Gang in die 2. Bundesliga. Dann trug er maßgeblich zum sensationellen 4. Platz und der damit verbundenen Qualifikation zur Champions League bei.

36 Tore, davon alleine 18 in der vergangenen Spielzeit, erzielte Reus für die Borussia. Er wurde Nationalspieler und steht im EM-Kader. Jetzt will er sich auch beim Deutschen Meister durchsetzen, der nun für seinen ehemaligen Spieler, der vor sechs Jahren als noch nicht bundesliga-tauglich ausgemustert wurde, zähneknirrschend eine hohe Ablöse berappen muss.

Düsseldorf muss Quartett ziehen lassen



Zum Hamburger SV kehrt Maximilian Beister zurück. Nach zwei erfolgreichen Jahren beim Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf wechselt der Topspieler der vergangenen Zweitliga-Saison mit der Empfehlung von 11 Toren zurück an die Elbe.

Die Düsseldorfer mussten neben Maxilian Beister auch mit Thomas Bröker, Adam Matuschyk und Sascha Rösler gleich drei weitere Akteure zu ihren Ex-Clubs ziehen lassen. Während der polnische EM-Teilnehmer Matuschyk vom 1. FC Köln nur ausgeliehen war und zurück über den Rhein wechseln muss, entschied sich Thomas Bröker aus freien Stücken ebenfalls beim rheinischen Rivalen anzuheuern.

Thomas Bröker geht freiwillig in die 2. Bundesliga



Damit bleibt der Torjäger (acht Treffer) freiwillig zweitklassig, obwohl er nun in seiner Karriere gerade zum zweiten Mal in die Bundesliga aufgestiegen ist und die Fortuna ihn gerne behalten hätte. Doch Bröker zog die Offerte der Domstädter vor, bei denen er in der Saison 2004/05 sein Debüt als Profi gegeben hatte.

Sein Fortuna-Sturmkollege Sascha Rösler hatte eigentlich seine Karriere schon beendet, bevor ihm ein Angebot seines früheren Vereins Alemannia Aachen auf den Tisch flatterte. Der 34-Jährige vertagte seinen Rücktritt und heuerte beim Zweitliga-Absteiger an, um mit dem Traditionsverein den Wiederasufstieg in Angriff zu nehmen. Zwischen 2005 und 2007 kickte Rösler bereits erfolgreich für die Alemannia, außerdem liegt sein langjähriger Wohnort in unmittelbarer Nähe Aachens.

Die Fortuna muss nun auf ihr komplettes Angriffstrio Bröker-Beister-Rösler verzichten, das im Aufstiegsjahr mit 32 Treffern exakt für die Hälfte der 64 Tore gesorgt hatte. Dafür freuen sich die Rheinländer über das Wiedersehen mit dem Bundesliga-erfahrenen Axel Bellinghausen, der vom FC Augsburg kommt.

Neuanfang für Julian Koch



Im Jahr 2005 war Bellinghausen nach sieben Jahren vom damaligen Regionalligisten Fortuna Düsseldorf in die große Fußballwelt ausgezogen, hatte sich zunächst beim 1. FC Kaiserslautern durchgesetzt und dann drei erfolgreiche Jahre in Augsburg erlebt. Dort feierte er den Aufstieg in die Bundesliga. In der abgelaufenen Saison war der Abwehrspieler mit 25 Einsätzen Stammkraft.

Zum MSV Duisburg geht Dortmunds Toptalent Julian Koch. Und das nun bereits zum zweiten Mal. Wegen seines großen Verletzungspechs konnte sich der 21-Jährige beim BVB nicht durchsetzen, hatte dagegen aber beim ersten Gastspiel in Duisburg vor einem Jahr aufhorchen lassen.

Damals avancierte er sogar zwischenzeitlich trotz seines jungen Alters zum Mannschaftskapitän und Führungsspieler des späteren Pokalfinalisten. Nun unternimmt er einen zweiten Anlauf, um wieder Spielpraxis zu bekommen und zurück zu alter Stärke zu finden. Eine erneute Rückkehr zum BVB scheint dann nicht ausgeschlossen zu sein.

Tobias Gonscherowski