Tourrettes - Nach der Ausmusterung von vier Spielern beginnt für Fußball-Bundestrainer Joachim Löw die entscheidende Phase der EM-Vorbereitung. Bei der Generalprobe gegen Israel am Donnerstag in Leipzig will der Coach noch einmal testen.

Der "Ballast" ist abgeworfen, die Königsetappe kann kommen. "Zuletzt hatte ich gesagt, wir haben den Prolog absolviert. Jetzt sind wir in den Bergen, vielleicht vor Alpe d'Huez. Wir müssen hart arbeiten, um die Berge hochzukommen", sagte Fußball-Bundestrainer Joachim Löw nach der Ausmusterung von vier Profis und vor dem Ende des EM-Trainingslagers. Die Generalprobe am Donnerstag in Leipzig gegen Israel (Donnerstag, ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) ist für Löw nicht viel mehr als eine Sprintetappe in Richtung der Endrunde in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli).

"Die Gespräche waren sehr emotional"



"Das Spiel sehe ich als Test, um das ein oder andere zu probieren. Ein gutes Ergebnis wäre wünschenswert, um einen Schub zu geben. Aber richtig wichtig wird es in der nächsten Woche in Polen", sagte Löw einen Tag bevor das Nationalteam am Mittwoch die Zelte im südfranzösischen Tourrettes abbricht. Ab Montag wird sich der 52-Jährige in Danzig mit den 23 übrig gebliebenen Profis intensiv auf das erste EM-Spiel am 9. Juni in Lwiw gegen Portugal vorbereiten. Fehlen werden dabei die aussortierten Marc-Andre ter Stegen, Cacau, Julian Draxler und Sven Bender.

"Die Gespräche mit ihnen waren sehr emotional. Die Spieler waren in diesem Moment unglaublich enttäuscht und niedergeschlagen", beschrieb Löw die Unterredungen mit den Ausgemusterten am Montag. Die Aussortierten dürfen sich laut Löw aber Hoffnungen darauf machen, nach der Endrunde wieder eine Rolle in der deutschen Auswahl zu spielen. "Sie haben die Tür zur Nationalmannschaft aufgestoßen, sie gehören weiter zum Kreis. Sie sind im August vielleicht schon wieder dabei", äußerte der Bundestrainer. Alle vier Profis sollen sich zudem im Fall von verletzungsbedingten Ausfällen weiter bereithalten.

Die Ausgemusterten hoffen auf die Zukunft



Wie Löw bauen auch die Ausgemusterten auf die Zukunft. "Ich hoffe, dass ich bald wieder eine Chance bekommen werde", sagte ter Stegen. Ähnlich äußerte sich Bender. Draxler sieht bereits die Teilnahme an der Vorbereitung als Gewinn an. "Die Einladung war für mich schon ein Riesenerfolg", sagte der Schalker: "Ich werde neu angreifen." Anders sieht es bei Cacau aus. Die Streichung ist für den 31-Jährigen der Anfang vom Ende seiner Karriere in der Nationalelf - auch wenn der Stuttgarter das noch nicht wahrhaben will: "Ich fühle mich weiterhin als Teil der Mannschaft."

Die Ausmusterung der vier Profis überlagert im deutschen Lager derzeit sogar die Diskussion um die schwierige Integration der acht Spieler von Rekordmeister Bayern München. Die mentale Verfassung von Kapitän Philipp Lahm, Mario Gomez, Jerome Boateng, Thomas, Müller, Manuel Neuer, Holger Badstuber, Toni Kroos und dem von einer Wadenprellung geplagten Bastian Schweinsteiger nach der bitteren Niederlage im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea wirft nach wie vor Fragen auf.

"Wir haben eine Jetzt-erst-recht-Stimmung"



Während die meisten Münchner den Frust nach eigener Aussage verdaut haben, sieht es bei Schweinsteiger vor allem wegen seines verschossenen Elfmeters nach wie vor anders aus. "Du versuchst zwar, den Kopf frei zu kriegen, aber du denkst trotzdem immer an dieses Spiel", sagte der Mittelfeldstratege, der nach einer langen Verletzungspause seiner Topform weiter hinterher läuft, der Bild-Zeitung: "Es ist nicht leicht, aber wenn man sich neue Aufgaben sucht, geht es einfacher. Die EM ist ein Neuanfang."

Diesen Neuanfang hat Torhüter Neuer ("Wir bauen den Bastian schon wieder auf") bereits verinnerlicht. "Wir haben eine Jetzt-erst-recht-Stimmung und wollen den Erfolg", sagte der Keeper dem kicker. Selbst die haarsträubenden Fehler in der Defensive bei der Partie ohne die Bayern-Profis in der Schweiz (3:5) bereiten Neuer keine Sorgen: "Wir haben in der Qualifikation wenige Tore zugelassen. Es passt bei uns in der Abwehr."

Schweinsteiger-Einsatz noch unklar



Auch Lahm zeigte sich trotz der kurzen Vorbereitung für die Münchner, die erst am Samstagabend zum Nationaltem gestoßen waren, zuversichtlich. Der Außenverteidiger verwies auf das Jahr 2010, als die Bayern-Spieler auch erst nach dem verlorenen Finale in der Köngisklasse zur deutschen Auswahl gestoßen waren. "Da haben wir es auch geschafft", äußerte Lahm: "Wir kriegen das hin."

Davon ist auch Löw überzeugt. "Das Finale der Champions League interessiert mich nicht mehr. Die Bayern sind gut drauf. Vielleicht brauchen sie noch ein bisschen Zuspruch für den Kopf, dann werden vor allem Lahm und Schweinsteiger ihre Rolle als Führungsspieler wieder übernehmen", sagte der Coach, der über einen Schweinsteiger-Einsatz gegen Israel kurzfristig entscheiden will. Sicher ist dagegen, dass Lahm auf der linken Seite verteidigen wird. Ob das auch bei der EM so sein wird, ist laut Löw noch offen.

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung gegen Israel:
Neuer - Boateng, Badstuber, Hummels, Lahm - Khedira, Schweinsteiger (Kroos) - Reus, Özil, Podolski - Gomez