Offensiv und spielstark präsentiert sich Bayer Leverkusen in dieser Saison - und vermochte doch in der Rückrunde bislang kaum Punkte zu sammeln. "Unser Tabellenplatz passt nicht zu der Art, wie wir Fußball gespielt habt", sagt Trainer Bruno Labbadia. Vor dem Gastspiel beim Spitzenreiter in Berlin (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) gilt für den Tabellensiebten jetzt die Parole "schön spielen und erfolgreich".

74 Prozent Ballbesitz. 29 Schüsse. Dazu sieben Ecken und 28 Flanken. Und doch kein Sieg. Die letzte Partie gegen den VfL Bochum war ein Musterbeispiel für das aktuelle Bayer-Problem. Die junge Elf spielt schönen Kombinationsfußball, vermag offensiv ein Feuerwerk auf dem Rasen abzubrennen. Aber sie lässt es immer wieder an der Effektivität fehlen.

Fluch Düsseldorf?

Was beim DFB-Pokal-Sieg gegen den FC Bayern noch funktioniert hat, brachte gegen den VfL Bochum nur ein mageres Pünktchen ein. Und verlängerte zugleich die Serie ohne Bundesligasieg im Düsseldorfer Ausweichquartier. Nur ein Zähler aus drei Partien steht 2009 in der LTU-Arena zu Buche.

Fluch Düsseldorf? Für Labbadia kein Argument: "Das lasse ich nicht gelten, auch in der BayArena hatten wir solche Spiele, in denen wir überlegen waren, aber nicht gewonnen haben." Eines davon war in der Hinrunde ausgerechnet die Partie gegen den Gegner, der auch am Samstag wartet. Gegen Hertha BSC dominierte Bayer 04 das Spiel, ging aber fahrlässig mit den Chancen und unterlag am Ende 0:1.

Der Trainer stellt sich in diesen Tagen vor der Revanche an der Spree demonstrativ vor seine Spieler. "Einstellung, Bereitschaft und Power waren absolut top", lässt Labbadia das Bochum-Spiel Revue passieren. "Die spielerische Leistung war beeindruckend und ich bin einfach nur traurig für die Mannschaft."

"Wollen unter die ersten Fünf"

Tatsächlich lässt sich in Sachen Engagement und Spielkultur kaum etwas bemängeln. Gegen Bochum bewegten sich die Spieler gut, arbeiteten viel und agierten dabei nicht unclever. Die Ordnung stimmte, der Ball lief gut und in der Offensive standen allein in der ersten Halbzeit vier so genannte "Hundertprozentige" zu Buche. Nur genutzt wurden diese Chancen im XXL-Format nicht. "Uns fehlt die Kaltschnäuzigkeit", übt Stefan Kießling auch Selbstkritik.

Für den ehrgeizigen Coach ist das Team aber weiter auf dem richtigen Weg: "Wir betreiben zwar einen Riesenaufwand, aber er führt auch nicht ins Leere. Sonst hätten wir nicht so viele klare Möglichkeiten." Dass es momentan in der Liga an den passenden Ergebnissen mangelt, sei "schade für die Entwicklung", meint Labbadia mit Blick auf den jungen Altersschnitt. An der Zielsetzung ändert das nichts. "Wir halten daran fest, dass wir unter die ersten Fünf wollen", bekräftigt Sportdirektor Rudi Völler.

Beste Auswärtsmannschaft

Gerade deshalb gab es vor der Fahrt nach Berlin mehr Lob als Kritik. Aufbauen hieß die Devise, denn die Punktausbeute der letzten Wochen nagt an den Spielern. Fast greifbar war der tiefe Frust zuletzt. Labbadia hat bewusst gegengesteuert: "Ich habe die Jungs bestärkt, genau so weiterzumachen in Berlin."

Weiter konsequent arbeiten, die offensive Ausrichtung beibehalten und sich dann selbst belohnen - so heißt das Ziel ausgerechnet für das Duell beim Tabellenführer. "Wir sind stark genug, um auch dort zu punkten", macht Völler der Mannschaft Mut.

Wenn einem Club nicht bange sein dürfte vor dem Spiel bei Hertha BSC, dann müsste es eigentlich Bayer 04 sein. Die Werkself stellt immer noch das beste Auswärtsteam der Liga. Und kehrte von den letzten drei Gastspielen im Olympiastadion jeweils mit einem Sieg zurück.

Aus Leverkusen berichtet Dietmar Nolte