Mönchengladbach - Zwei Wochen nach der Galavorstellung von Leverkusen ist Borussia Mönchengladbach wieder unsanft auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet. Dem 6:3-Triumph im rheinischen Derby folgte eine 0:4-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt.

So ganz unbekannt ist den Borussen das Szenario ihrer Leistungsschwankungen der ersten drei Bundesliga-Spieltage nicht. Schon in der vergangenen Saison wechselten sich grandiose Spiele und herbe Enttäuschungen in schöner Regelmäßigkeit ab.

Eberl: "Die Mitte finden"

Bereits damals schlugen die Schützlinge von Trainer Michael Frontzeck Topteams wie Schalke, Bremen oder den HSV in packenden Partien, um sich dann gegen Wolfsburg, Hoffenheim oder Hannover Niederlagen mit vier und mehr Gegentoren einzufangen.

Das setzt sich in dieser Saison fort. Dem mäßigen Auftritt gegen Nürnberg (1:1) folgte die Torparty von Leverkusen und nun die Pleite gegen Frankfurt. "Wir dürfen nicht immer zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt sein", mahnt Borussias Sportchef Max Eberl.

"Wir müssen die Mitte finden, irgendwo zwischen den Spielen in Nürnberg und Leverkusen. Das ist die Mitte in der Bundesliga, in der wir uns etablieren müssen. Wir brauchen Stabilität in allen Belangen", sagt Eberl weiter. "Man hat gesehen, dass die Bäume für uns nicht in den Himmel wachsen."

"Welten" zwischen Leverkusen und Frankfurt

Gegen Frankfurt ließen sich die Borussen einen gebrauchten Tag andrehen. Nichts wollte so richtig klappen, einfache Dinge misslangen.

"Zwischen den Spielen in Leverkusen und gegen Frankfurt lagen Welten", bemerkte Borussia-Verteidiger Roel Brouwers selbstkritisch. "Wir haben uns im eigenen Stadion auskontern lassen. Das darf uns nicht passieren."

Idrissou: "Wir haben alle gepatzt"

Über die Gründe für die 0:4-Lektion wurde nicht lange gerätselt. Probleme in der Defensive wollte Stürmer Mohamadou Idrissou nicht gesehen haben: "Wenn man sieht, wie die Tore gefallen sind, brauchen wir über Abwehrprobleme nicht zu reden. Wir haben alle gepatzt."

Dass die "Fohlenelf" nach dem Galaauftritt von Leverkusen ein bisschen die Bodenhaftung verloren hat, mag dagegen unterbewusst vielleicht eine Rolle gespielt haben. "Wir haben zu oft versucht, den tödlichen Ball durch die Mitte zu spielen, anstatt den einfachen Ball nach außen, wo mehr Platz war", monierte Max Eberl zurecht.

Heimspiele müssen souveräner laufen

Die Borussia ist noch lange nicht so weit, einen Gegner wie Eintracht Frankfurt nur mit spielerischen Mitteln spektakulär auseinander zu nehmen. "Wir müssen wissen, dass Leverkusen nicht das Maß unseres Niveaus ist", sagt Eberl. "An perfekten Tagen kann es funktionieren." Aber der Normalfall ist es eben nicht. Es war die Ausnahme.

"Leverkusen hatte uns zur Party eingeladen, jetzt haben wir Frankfurt eingeladen", gestand Idrissou. "Wir müssen jetzt einmal unser wahres Gesicht zeigen. Das haben wir bisher noch gar nicht getan. Vor allem daheim. Gegen die Eintracht haben wir nichts gezeigt, gegen Nürnberg hatten wir Glück."

Nächster Gegner ist Stuttgart

Die nächste Chance, dem Gegner ihr wahres Gesicht zu zeigen, bietet sich der Borussia am kommenden Wochenende in Stuttgart. Der ambitionierte VfB steckt mit dem letzten Tabellenplatz viel tiefer im Schlamassel als die "Elf vom Niederrhein". "Mit vier Punkten aus drei Spielen stehen wir im Mittelfeld", sagt Roel Brouwers. "Diesen Platz wollen wir auch am Ende erreichen. Die Qualität dazu haben wir."

Wie das funktionieren kann, weiß Borussias US-amerikanischer Mittelfeldrackerer Michael Bradley: "Wir müssen uns jetzt wieder aus dem Loch herausbuddeln und richtig kämpfen." Die Zeiten von "Hacke, spitze, eins, zwei, drei" sollen also erst einmal beendet werden. Eigentlich schade, denn der Unterhaltungswert der Borussia-Spiele war bislang hoch. So oder so.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski