Dortmund - Sebastian Kehl redete nach der 0:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen gar nicht lange herum: "Nach dem guten Start in den anderen Wettbewerben ist das ein Dämpfer gewesen." Der BVB sucht jetzt schnell den Weg zurück in die Erfolgsspur - und spart nicht mit Selbstkritik.

Kein einziges Vorbereitungsspiel hatte die Dortmunder Mannschaft verloren, dabei sogar Manchester City geschlagen, sich im Pokal in Burghausen durchgesetzt und Qarabag in der Europa League demontiert - und dann folgte der misslungene Saisonstart in der Bundesliga.

Selbstkritik bei den Dortmundern

Leverkusen sicherte sich souverän drei Zähler, weil der BVB zurzeit von der Verfassung der Vorsaison noch ein gutes Stück entfernt zu sein scheint. In der Defensive agierte die Mannschaft gegen eine disziplinierte und routinierte Bayer-Elf nicht sicher genug, in der Offensive ließ sie es am nötigen Druck fehlen. "Wir haben uns vorne und hinten nicht wirklich gut verhalten", musste auch Jürgen Klopp einräumen.

Es spricht für Mannschaft und Trainer, dass sie den enttäuschenden Auftakt in den Tagen danach nicht schön reden. "Wir standen nicht kompakt genug und waren nicht torgefährlich genug", analysiert Kapitän Sebastian Kehl, "uns fehlten letztlich auch die klaren Chancen."

"Unsere Leichtigkeit war weg"

Zwar konnte der BVB mehr Ballbesitz als der Gegner verbuchen - ein Ziel, das Jürgen Klopp auch im Interview mit bundesliga.de vor der Saison formuliert hatte: "Das ist mir weit lieber, als wenn wir ständig unserem eigenen Ballbesitz hinterher rennen müssen." Doch noch wissen die Dortmunder aus der vermeintlichen Dominanz offenbar kein Kapital zu schlagen. Im Spiel nach vorne wirkten sie gegen Leverkusen oft ideenlos und wenig zwingend.

Sicherheit, Selbstvertrauen und Spielfreude kamen der jungen Mannschaft zunehmend abhanden. Der frühe Rückstand schon in der ersten Halbzeit tat ein übriges. "Nach dem 0:2 war unsere Leichtigkeit weg" klagte Jürgen Klopp. Dass der Trainer den quirligen und ballsicheren Kagawa aufgeboten hatte, dazu den jungen, aber ebenfalls spielstarken Mario Götze – all das half wenig. Zumal der erst 18-Jährige Götze zwar sein Potenzial andeutete, aber auch etwas überfordert wirkte, während mit Hanal und Lewandowski erfahrene Spieler das Treiben zunächst von der Bank verfolgten.

"Anders in die Zweikämpfe gehen"

Neben der Leichtigkeit vergangener Tage muss der BVB nun auch seine Torgefahr wieder finden. "Da, wo es gefährlich wird, waren wir nicht konsequent genug", kritisierte Klopp. Zugleich nimmt der Coach seine Mannschaft in die Pflicht, notfalls eine etwas rustikalere Spielart an den Tag zu legen: "Gegen Bayer haben wir es später mit der Brechstange versucht - vielleicht sogar noch zu wenig."

Verbessern muss der BVB bis zum nächsten Auftritt aber auch sein Defensivverhalten. Trotz nomineller Überzahl hatte man die entscheidenden Zweikämpfe gegen Leverkusen nicht gewinnen können und "blöde Tore kassiert", wie Sebastian Kehl meint. "Da müssen wir anders in die Zweikämpfe gehen", mahnt Mats Hummels an.

Fokus auf die Europa League

In der Fremde, rund 3500 Kilometer von der Heimat entfernt, kann und will sich die Borussia jetzt Sicherheit und Selbstvertrauen zurückholen. Am Donnerstag steht das Rückspiel der Europa League bei FK Qarabag Agdam in Aserbaidschan (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) auf dem Programm. Mit dem 4:0-Polster aus dem Hinspiel im Rücken kann die Mannschaft sich hier auf die Suche nach der alten Leichtigkeit machen.

Alles in Frage stellen jedenfalls wird man nicht, macht Kapitän Kehl klar: "Die Niederlage gegen Bayer war zwar ein Dämpfer – aber umwerfen wird uns das nicht!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte