Nürnberg - Es ist manchmal nicht sehr nett, was Fußballer über sich lesen müssen, wenn sie in einem entscheidenden Moment ein wenig Pech haben. Der Fürther Edgar Prib beispielsweise wurde von einer Boulevardzeitung "Vollpfosten" genannt, weil er beim Spiel in Frankfurt am Montag vor einer Woche statt des leeren Tors nur den Pfosten getroffen hatte.

Eine Woche und einen Tag später erzielte er für seine Mannschaft den entscheidenden Treffer in einem Spiel, das zumindest für die Fürther Anhänger das wichtigste im Kalenderjahr 2011 sein dürfte.

"Konnte es nicht glauben, dass der Ball drin war"

Dank des Treffers von Prib - nach einem Eckball von Heinrich Schmidtgal verlängerte Christopher Nöthe und der Pechvogel von Frankfurt nickte ein - steht die Spielvereinigung Greuther Fürth nun im Viertelfinale des DFB-Pokals. Sie gewann das Spiel gegen den großen Rivalen 1. FC Nürnberg in dessen Arena mit 1:0.

"Ich konnte es nicht glauben, dass der Ball drin war", sagte Prib, "wie ich in Frankfurt nicht glauben konnte, dass er am Pfosten gelandet ist." Überhaupt war der Mittelfeldmann, der am vergangenen Donnerstag seinen 22. Geburtstag feierte, nach dem Schlusspfiff völlig euphorisiert. "Das ist ein wunderbares Gefühl" freute er sich, "das erlebt man wirklich nicht jeden Tag. Sich in dem ältesten deutschen Derby in die Liste der Legenden einzutragen, ist schon etwas ganz Besonderes."

Fürth zielstrebiger

Fürth, das fand auch der Matchwinner, war besonders in der ersten Halbzeit das bessere, engagiertere und entschlossenere Team, zuweilen hatte man den Eindruck, als seien die Nürnberger Spieler regelrecht überrumpelt von den Aktionen der Spieler aus der kleineren Nachbarstadt. "Wir haben in der ersten Halbzeit gut gespielt, gut kombiniert und haben nach vorne gefährliche Aktionen gehabt."

Das fand auch Trainer Mike Büskens, der in der Pressekonferenz sein Befremden über das Verhalten einiger Nürnberger Fans, die den Platz gestürmt hatten, nicht verbergen konnte. Dennoch war Büskens glücklich über das Weiterkommen seiner Elf. "Wir haben uns heute sehr gut präsentiert und hatten in der Umschaltbewegung einige gute Aktionen."

Büskens: "Wir können stolz sein"

Mit der aggressiven Spielweise der Fürther, die immer den schnellen Weg in die Spitze suchten, kamen die Gastgeber tatsächlich zunächst überhaupt nicht zurecht.

Gegen flinke und leichtfüßige Fürther wirkte der "Club" phasenweise schwerfällig und uninspiriert, die Führung des Zweitligisten war zur Halbzeit hochverdient. In der 65. Minute hatte Nürnbergs Dominic Maroh den Ausgleich auf dem Fuß, doch sein Schuss strich knapp übers Fürther Tor. Nach einem Wiederholungsfoul sah Bernd Nehrig die Gelb-Rote Karte (66.), doch die "Club"-Angreifer taten sich weiter schwer.

In der 74. Minute parierte Fürth-Keeper Max Grün einen Kopfball von Christian Eigler, dann versagte Schiedsrichter Knut Kircher einem Treffer von Daniel Didavi die Anerkennung, der ehemalige Stuttgarter hatte sich zuvor aufgestützt (80.). "Wir können stolz sein", sagte Mike Büskens noch. Und bedankte sich beim Kollegen Hecking für den kollegialen Umgang im Vorfeld des brisanten Derbys.

Christoph Ruf