Hamburg - Da saß er wieder in der Pressekonferenz vor einem Bundesliga-Spiel und antwortete den etlichen Journalisten auf deren Fragen über den bevorstehenden Nord-Süd-Klassiker Bayern München gegen den Hamburger SV am Samstag.

Zum 100. Mal treffen beide Teams in der Bundesliga aufeinander. Eine Statistik, die HSV-Trainer Joe Zinnbauer nur am Rande interessiert. Der 44-Jährige komplettierte beim Heimsieg über Hannover 96 seine persönliche Hinrunde - seit 17 Partien ist er nun schon Coach des Bundesliga-Dinos.

Nur Veh besser als Zinnbauer

22 Punkte holte Zinnbauer in diesen 17 Spielen seit seinem Amtsantritt. Das sind 1,29 Punkte im Schnitt (sechs Siege, vier Remis, sieben Niederlagen). Nicht schlecht, denn das würde in der "Zinnbauer-Tabelle" für Platz 8 reichen und der HSV würde an den Europa-League-Plätzen schnuppern. In der gleichen Zeit holte Trainerkollege Viktor Skripnik vom Erzrivalen Werder Bremen 2,0 Punkte im Schnitt, Huub Stevens beim VfB aber nur 1,13 Punkte.

Die Zwischenbilanz kann sich also sehen lassen, vor allem nach den zwei extrem wichtigen Siegen in den letzten beiden Partien gegen Paderborn und Hannover 96. Nur Armin Veh konnte in jüngerer Vergangenheit einen besseren Schnitt vorweisen. Der Ex-HSV-Trainer holte in seiner acht monatigen Amtszeit an der Elbe in 26 Spielen 37 Punkte. Das sind 1,42 Punkte pro Spiel.

"Nicht mit alle Mann auf der Torlinie stehen“

Mit einem torlosen Remis gegen die Bayern startete Joe Zinnbauer am 20. September das Abenteuer Bundesliga-Trainer. Kein schlechter Start für den gebürtigen Oberpfalzer, denn in der Hinrunde spielte der Rekordmeister nur dreimal remis bei 14 Siegen. Jetzt müssen die Rothosen auswärts bei den Bayern bestehen. Es gibt wirklich leichtere Aufgaben, das weiß auch Zinnbauer: "Man muss schon eine Leistung über das Maß hinaus zeigen, wenn man gegen die beste Mannschaft der Welt etwas holen will. Wir müssen DEN Tag erwischen."

Mit elf Mann in der eigenen Hälfte verbarrikadieren, das soll aber keine Taktik für ihn sein. "Wir werden nicht mit alle Mann auf der Torlinie stehen", flachste Zinnbauer in der Pressekonferenz. Näheres in Sachen Taktik wollte er auch nicht preisgeben, denn "der Pep habe seine Spione überall."

Anknüpfen an das Hannover-Spiel

Sein Team sieht Zinnbauer derzeit auf einer kleinen Euphoriewelle schwimmen. Kein Wunder, hatte der Hamburger SV zuletzt im April 2013 zwei Partien in Folge gewinnen können. "Die Jungs sind im Training sehr motiviert. Wir sind mit dem Stand der Vorbereitung für das Spiel in München zufrieden", erklärte Zinnbauer.

Dass seine Mannschaft derzeit nicht in der Lage ist schönen und attraktiven Fußball zu spielen, gab Zinnbauer aber auch zu. "Wir spielen nicht schön, aber effektiv", so der HSV-Trainer. Besonders in den Fokus stellte der 44-Jährige die Laufleistung seiner Mannschaft. Gegen Hannover 96 waren die Hanseaten insgesamt 128,95 Kilometer gelaufen - Bundesliga-Saisonrekord. "Wir müssen mindestens noch einmal so viel laufen wie gegen Hannover um überhaupt gegen die Bayern eine Chance zu haben", betonte Zinnbauer.

Ex-Bayern Olic freut sich auf Rückkehr

Ein Vorbild an Einsatz ist Stürmer Ivica Olic. Der Wolfsburger Neuzugang spulte gegen 96 sagenhafte 13 Kilometer ab und das als Angreifer. "Im Moment sind wir spielerisch noch nicht so gut und müssen über den Kampf kommen, aber in Zukunft wird das besser werden und dann profitiere ich auch als Stürmer davon." Der 35-Jährige freut sich auf die Rückkehr an alter Wirkungsstätte. Zweieinhalb Jahre spielte der Kroate bei den Bayern und stand mit den Roten 2010 im Champions League-Finale (0:2 gegen Inter Mailand).

Olic weiß, wie den Bayern beizukommen ist. Im Trikot des HSV blieb er gegen die Bayern in drei Aufeinandertreffen unbesiegt (zwei Remis, ein Sieg). "Ich habe großen Respekt vor Guardiolas Team, aber keine Angst. Es wird wichtig sein, lange kein Gegentor zu bekommen. Aber vielleicht ist es jetzt noch der richtige Moment um gegen die Bayern zu spielen. Sie sind noch nicht in ihrer besten Verfassung."

Abschauen, so Olic, könne man sich etwas von den Schalkern, die in München ganz gut ausgesehen haben. Vielleicht gelingt dem Kroaten ausgerechnet gegen die Bayern sein erstes Tor für den HSV. "Wann ich mein erstes Tor schieße, ist nicht so wichtig. Wichtig sind die letzten sechs Punkte. Erst kommt das Team, dann komme ich", so Olic in gewohnt mannschaftsdienlicher Manier.

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage