Köln - Nicht nur Borussia Dortmund hat zum Saisonstart mit einer temporeichen Leistung als Team direkt überzeugt. Auch der junge Julian Weigl hat mit seinem Auftritt ein Ausrufezeichen gesetzt! bundesliga.de stellt die perspektivreichsten Jungstars dieser Saison vor und analysiert ihre Stärken und ihre Aussichten auf einen weiterhin erfolgreichen Karriereweg.

"Einfach nur geil! So soll es weitergehen! Vielen Dank für Eure Unterstützung! Ich bin sprachlos", freute sich der 19-jährige BVB-Neuzugang über die sozialen Netzwerke am Abend nach dem souveränen 4:0-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach - immerhin sein Bundesliga-Debüt. Und das soll natürlich erst der Anfang gewesen sein!

Mit großen Schritten voran

Viele Stationen sind bezüglich des Werdegangs von Weigl nicht zu nennen. Genauer genommen sind es vier. Alles hat in der Jugend beim SV Ostermünchen und TSV 1860 Rosenheim angefangen. Dann startete Weigl seine Entwicklungsserie beim TSV 1860 München, wo der in Bad Aibling (Oberbayern) geborene Jungstar von der U17 über die U19 und die zweite Mannschaft des TSV 1860 München einige Stationen bei den Löwen durchlief. Bis in die 2. Bundesliga, wo er im Februar 2014 sein Debüt gab. Zudem hat er bereits historisches geschafft: Weigl ging überraschend als jüngster 1860-Kapitän der Vereinsgeschichte in die letzte Saison, da war er noch 18 Jahre alt. Allerdings musste er die Binde bereits nach zwei Spieltagen wieder abgeben.

Trotzdem kam der Sechser auf 24 Zweitligaspiele in der vergangenen Saison und konnte in den Relegationsspielen gegen Holstein Kiel den Abstieg mit den Löwen verhindern. Dass ihn solche Erfahrungen nicht zurückwerfen, hat er mit seinen Leistungen bestätigt und dadurch das Interesse der Bundesliga-Clubs geweckt. Nun also das Bundesliga-Debüt beim BVB, vor gut 80.000 Zuschauern. Ein Lehrling, der auf der Leiter innerhalb kürzester Zeit von Sprosse zu Sprosse springt und das Dach noch vor sich sieht.

Passsicher und laufstark

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Weigls Fehlerpassquote lag gegen Gladbach lediglich bei fünf Prozent (80 von 84 Pässen kamen beim Mitspieler an). Mit Ilkay Gündogan bildete Weigl ein stabiles und dennoch variables Konstrukt im Mittelfeld. Eine Doppelsechs, welche die Gladbacher Offensivversuche oft schon unterbinden konnte, ehe Josip Drmic und Raffael bis zur Dortmunder Verteidigung durchdringen konnten. Das System von Tuchel sieht vor, nicht überhastet in die Spitze zu spielen, sondern den Ball zunächst zirkulieren zu lassen, um den Gegner auf eine Seite zu locken und anschließend eine gezielte Anspielstation über Innenverteidiger und Sechser zu finden. Weigl hat im Borussen-Duell mit seiner Passgenauigkeit (Bestwert auf dem Platz) dazu beigetragen, dass dieses System erste reife Früchte trägt.

In den ersten vier Pflichtspielen des BVB kam der Bundesliga-Neuling dreimal zum Einsatz in der Startelf. Von Anpassungsproblemen keine Spur, stattdessen zeigte der 19-Jährige abgeklärte Leistungen. Die Krone seiner bisherigen Leistungen setzte er sich im ersten Bundesliga-Spiel gegen Mönchengladbach auf. Neben dem Bestwert bezüglich der Passquote agierte er als unermüdlicher Dauerläufer und legte mit 11,7 Kilometern die größte Strecke der BVB-Spieler hinter sich.

"So elegant wie Beckenbauer"

"Wohlerzogener Zauberlehrling" (Süddeutsche Zeitung), "So elegant wie Beckenbauer" (kicker) - das sind nur zwei Beispiele der Medienreaktionen nach dem überzeugenden Auftritt von Weigl. Mit einem seiner Vorbilder steht er sogar schon in einem Kader: "Als Jugendspieler bei 1860 guckt man natürlich darauf, wer schon einmal den Weg gegangen ist, den man sich selbst erträumt. Und da fiel immer sofort der Name der Bender-Zwillinge Sven und Lars", äußerte sich Weigl in einem Interview mit den Ruhrnachrichten. Ein fokussierter und motivierter Jungstar, der weiß was er will. Dabei ist er schon jetzt auf bestem Wege, seinen Vorbildern eine ernstzunehmende Konkurrenz zu sein.

Neben seinem Sprung in die Bundesliga trägt Weigl bereits den Alder auf der Brust. Als U20-Nationalspieler spielte er diesen Sommer beispielsweise mit Borussia-Teamkollege Jeremy Dudziak bei der U20-WM in Neuseeland. Die nächste Herausforderung besteht wohl darin, die öffentlichen Lobeshymnen zu bestätigen und auch im weiteren Saisonverlauf so locker und dennoch souverän die nächste Sprosse auf der Karriereleiter zu erreichen.

Von Patrick Eckholt