Freiburg - Robin Dutt wollte die Gelegenheit nutzen, etwas zum Spiel zu sagen, solange er noch die Möglichkeit haben würde. Er wusste ja, dass Fragen zu seiner eigenen Zukunft, zu seinem baldigen Engagement bei Bayer Leverkusen, nicht mehr lange auf sich warten lassen würden.

Dutt lobte also die Laufbereitschaft und das spielerische Vermögen seiner Mannschaft. Er freute sich über die mannschaftliche Geschlossenheit ("beste Halbzeit in diesem Jahr") und die Tatsache, dass es seine eigene Mannschaft war, der gegen das auf Ballbesitz ausgerichtete Spiel der Bayern in der ersten Hälfte häufiger am Ball war: "Ich glaube, das gelingt nicht vielen Mannschaften gegen diesen Gegner."

Und doch klang es ein wenig wie eine Abschiedsrede, als Dutt am Schluss mit ungewohntem Pathos betonte: "Die Freiburger Fans können stolz auf diese Mannschaft sein."

"Deutliche Steigerung"

In der Tat hatte der SC nach einigen schwächeren Spielen mal wieder nachgewiesen, dass er aus gutem Grund näher am internationalen Geschäft als an den Abstiegsplätzen rangiert. "Spielerisch war das eine deutliche Steigerung gegenüber den zurückliegenden Partien", sagte Linksverteidiger Felix Bastians, "umso ärgerlicher, dass wir nach solch einem Spiel ohne Punkte dastehen."

Mittelfeldmann Johannes Flum trauerte hingegen den zahlreichen vergebenen Torgelegenheiten vor allem im ersten Durchgang nach: "Wir waren im ersten Durchgang die klar bessere Mannschaft. Schade, dass wir da nicht in Führung gegangen sind."

Sein Coach wollte über die Chancenverwertung nicht allzu sehr hadern - auch wenn ihm der von Papiss Cissé verschossene Elfmeter (14.) ebenso im Magen gelegen haben dürfte wie den Fans. Glück und Pech seien beim Torabschluss genau so prägende Faktoren wie die Konzentration des Schützen.

Dutt lobt Caligiuri

Dutt hatte hingegen mit Freuden registriert, dass das Angriffssspiel vor allem über die rechte Seite klar zielstrebiger vonstatten ging als zuletzt. Immer wieder fuhren die Gastgeber gefährliche Angriffe vor allem über die linke Münchner Abwehrseite, wo Daniel Caligiuri zum vielleicht besten Freiburger in einer Mannschaft ohne Ausfälle avancierte.

"Er ist wahnsinnig lange Wege gegangen", freute sich sein Trainer, "und hat auf seiner Seite nicht viel zugelassen." Das Tor, ergänzte Dutt, sei ja bezeichnenderweise auch erst gefallen, als Caligiuri nicht mehr im Spiel gewesen sei. In der Tat wäre der SC - und das wäre auch nicht unverdient gewesen - nach Toren von Mario Gomez (9.) und Papiss Demba Cissé (17.) fast mit einem Punktgewinn vom Platz gegangen, doch dann traf Franck Ribéry zum 2:1-Siegtreffer.

Vorbild 1. FSV Mainz 05

"Wohl dem", stöhnte SC-Coach Robin Dutt, "der einen Franck Ribéry in seinen Reihen hat. Es gibt nicht viele Spieler, die kurz vor Schluss so ein Ding rausholen." Schon wenige Stunden nach dem Schlusspfiff interessierten die Ereignisse von Samstag Nachmittag nur noch die Menschen außerhalb von Freiburg. Die Trainer-Debatte kochte in einem Maße hoch, dass der Verein nicht umhin kam, kurzfristig eine Pressekonferenz anzuberaumen.

Seit die Fußballnation weiß, dass Dutt bald in Leverkusen arbeitet und sein Nachfolger, der bisherige U-23-Trainer Marcus Sorg, aus den eigenen Reihen kommt, konzentriert man sich wieder mehr auf das Geschehen auf dem Rasen.

Nach der Länderspielpause tritt der SC in Mainz an, einem Verein, der auch schon gut damit gefahren ist, nach dem Abgang eines Trainers auf einen Nachwuchsmann zu setzen. "Die Mainzer", sagte Manager Dirk Dufner, "machen vieles richtig. Aber ich glaube, wir hätten uns auch so entschieden, wenn sie es nicht so gemacht hätten."

Christoph Ruf