Es ist wieder eine dieser Wochen, in denen sich im Ruhrgebiet noch mehr als üblich das Leben um den Fußball dreht. Am Freitag empfängt der FC Schalke 04 Borussia Dortmund zum Revierderby (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio). Dann wird ein Kapitel in das Buch des heißesten Derbys geschrieben, dass es in der Bundesliga gibt.

An Emotionen, Geschichten und Kuriositäten mangelt es in diesem Buch ohnehin nicht, aber am Freitag begegnen sich die beiden Rivalen seit Jahren einmal wieder auf Augenhöhe unter den Top-Fünf-Teams der Liga. Dortmund ist Tabellenfünfter und liegt mit 39 Punkten sechs Zähler hinter dem Dritten aus Schalke.

Für die Fans ist es "das wichtigste Spiel des Jahres", wie BVB-Mittelfeldspieler Tamas Hajnal im Interview mit bundesliga.de bestätigt. Aber auch für die Spieler geht es um viel. Die Dortmunder wollen nach dem 4:1-Erfolg gegen Hannover nachlegen und den Abstand zum Schalker Champions-League-Platz verkürzen. Die Schalker brauchen einen Sieg, sonst droht der Abstand auf das Spitzenduo Leverkusen und Bayern zu groß zu werden.

Zudem geht es um die Führung im direkten Vergleich: Momentan haben sowohl Schalke als auch Dortmund jeweils 26 der direkten Duelle in der Bundesliga gewonnen, 23 endeten unentschieden. bundesliga.de macht vor dem Revierderby den Head-to-Head-Vergleich der einzelnen Mannschaftsteile, und zeigt, wer wo die Nase vorne haben könnte.

Tor: Manuel Neuer vs. Roman Weidenfeller

Nach vierwöchiger Pause feierte Roman Weidenfeller beim Dortmunder Sieg sein Comeback und wurde nur kurz vor Schluss durch 96-Stürmer Koné bezwungen. 75 Prozent der auf sein Tor abgegebenen Schüsse parierte Weidenfeller in dieser Saison, Gegenüber Manuel Neuer liegt hier bei 73 Prozent. Allerdings spielte Neuer ligaweit mit Abstand am häufigsten zu Null (zwölf Mal). Weidenfeller hielt seinen Kasten sieben Mal sauber. Dementsprechend kassierte Neuer hinter der starken Schalker Defensive nur alle 122 Minuten ein Gegentor, das ist Bestwert in der Liga. Weidenfeller musste durchschnittlich alle 91 Minuten hinter sich greifen.

Abwehr: Marcelo Bordon vs. Mats Hummels

Marcelo Bordon dirigiert beim FC Schalke die stärkste Abwehr der Bundesliga: Erst 17 Gegentore kassierten die "Knappen", was auch an Bordons überragenden Werten (65 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 79 Prozent gewonnene Kopfballduelle) liegt. Auch Hummels gewinnt fast zwei Drittel (64 Prozent) seiner direkten Duelle, der BVB hat aber schon 30 Gegentore hinnehmen müssen. Dafür glänzt Hummels in der Offensive. Gemeinsam mit drei Liga-Kollegen ist er mit sechs Toren der zweitgefährlichste Abwehrspieler der Liga. Das ist vor allem seiner Kopfballstärke zuzuschreiben, er gewinnt 69 Prozent seiner Duelle in der Luft.

Mittelfeld: Joel Matip vs. Nuri Sahin

Im Duell der blutjungen Sechser hat Dortmunds Nuri Sahin einen klaren Vorteil an Erfahrung. Während der 18 Jahre alte Matip erst diese Saison debütierte, absolvierte der inzwischen 21 Jahre alte Sahin schon 2005 sein erstes Bundesligaspiel. In der Zweikampfbilanz hat Sahin mit 54 Prozent knapp die Nase vorn. Matip gewann 52 Prozent seiner Duelle am Ball. Auch sonst ist Sahin einer der Dortmunder Erfolgsgaranten: Er erzielte drei Tore, bereitete vier weitere vor und legte insgesamt 59 Torschüsse auf. Nur Wolfsburgs Zvjezdan Misimovic (71) gab mehr Vorlagen.

Angriff: Kevin Kuranyi vs. Nelson Valdez

Dortmunds erfolgreichster Angreifer, Lucas Barrios, ist im Derby wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Doch auch Nelson Valdez überzeugt in den jüngsten Spielen, erzielte zwei seiner vier Saisontore in den vergangenen vier Partien. An die Quote von Kevin Kuranyi kommt der Paraguayer aber nicht heran. Der Schalker liegt mit zwölf Saisontoren auf Platz 2 der Torschützenliste, einen Treffer hinter Leverkusens Stefan Kießling. In seinen vergangenen neun Spielen traf Kuranyi sechs Mal, zudem bereitete er diese Saison schon fünf Treffer vor. Er ist das Gesicht der Schalker Erfolgsgeschichte.

Virtuelles Derby: BVB gewinnt, aber alle sind Sieger


Matthias Becker