Die Hauptstadt als Fußballhauptstadt: Zum zweiten Mal in dieser Saison ist Hertha BSC Tabellenführer der Bundesliga. Doch die Rückkehr auf den Thron war ein hartes Stück Arbeit. Dass weiß auch Patrick Ebert, der maßgeblich am 2:1-Sieg der Berliner gegen Mönchengladbach beteiligt war.

Im Gespräch mit bundesliga.de analysiert Ebert nochmals die Begegnung gegen die "Fohlen". Weiterhin spricht er über seine Laufbahn bei Hertha, seine momentane Form und er brennt auf das Derby bei Energie Cottbus.

bundesliga.de: Herr Ebert, herzlichen Glückwunsch zum Sieg gegen Mönchengladbach. Wie schwer war es nach den Partien gegen die Bayern und Wolfsburg, sich auf einen vermeintlich "kleinen" Gegner einzustellen?

Patrick Ebert: In der Bundesliga gibt es keine "kleinen" Gegner. Man hat in der zweiten Halbzeit des Spiels gesehen, dass wir Probleme hatten, unseren Vorsprung über die Zeit zu bringen. Für uns war es nach der unverdienten Niederlage in Wolfsburg wichtig, dass wir wieder ein Erfolgserlebnis haben. Das ist uns gelungen und gleichzeitig haben wir uns Platz 1 zurückerkämpft.

bundesliga.de: Sie selbst hatten mit Ihrer Vorlage zum 2:0 maßgeblichen Anteil am Sieg der Hertha. Es war bereits das dritte Spiel in Folge, in dem Sie direkt an einem Treffer beteiligt waren. Sie scheinen trotz einiger verletzungsbedingter Rückschläge in der Hinrunde so richtig angekommen zu sein in der Bundesliga?

Ebert: Die Grundlage für gute Leistungen ist eine absolute Fitness. Zum Beginn der Saison war ich ganz gut drauf, aber eine Verletzung hat mich dann erheblich zurückgeworfen. Jetzt fühle ich mich körperlich wieder sehr gut und ich freue mich über jeden Einsatz. Wenn ich dann der Mannschaft noch mit einer entscheidenden Vorlage helfen kann, ist es umso schöner.

bundesliga.de: Welchen Anteil hat Lucien Favre an Ihrem ganz persönlichen Erfolg und wie sehr gehen Sie in seinem System auf?

Ebert: Natürlich ist es wichtig, dass ein Trainer Vertrauen in einen Spieler hat. Das ist bei mir nicht anders. Ich habe allerdings auch die Zeit bekommen, mich zu 100 Prozent auszukurieren, auch wenn mich der Trainer gerne früher im Team gehabt hätte. Lucien Favre ist nicht nur für mich persönlich wichtig, sondern auch für den Erfolg der gesamten Mannschaft verantwortlich.

bundesliga.de: Sie selbst sind seit über zehn Jahren bei Hertha. Was zeichnet die Nachwuchsarbeit der Berliner aus?

Ebert: Die Nachwuchsarbeit bei Hertha BSC zählt zu der besten in ganz Deutschland. Die Akademie ist bei einer Zertifizierung unter den Top-Drei Clubs in Deutschland gelandet und unsere Partnerschule ist als Eliteschule des DFB ausgezeichnet worden. Das spricht wohl dafür, dass hier vieles richtig gemacht wird. Natürlich gab es auch mal ein paar Probleme, weil schwierige Charaktere da waren. Im Prinzip bin ich aus dieser Generation der letzte Übriggebliebene.

bundesliga.de: Das Rennen um die Meisterschaft scheint sich in dieser Saison mehr denn je zu einem echten Thriller zu entwickeln. Auch wenn Hertha noch immer tief stapelt, welche Rolle können die Berliner in dieser Saison noch spielen?

Ebert: Über die Meisterschaft machen wir uns keine Gedanken. Wir schauen nur auf den nächsten Gegner und wollen nach Möglichkeit gewinnen. Es ist auch noch viel zu früh, über Platz 1 zu sprechen, auch wenn Joe Simunic am Samstag aus der Laune heraus sowas hat anklingen lassen. Unser Ziel bleibt der Kampf um die internationalen Plätze.

bundesliga.de: Hertha hat bereits zehn Spiele mit nur einem Tor Unterschied gewonnen. Die Mannschaft scheint für die engen Spiele gemacht zu sein. Sehen Sie diese Tatsache für den restlichen Saisonverlauf als Stärke?

Ebert: Es ist in der Tat erstaunlich, dass wir so viele Spiele nur knapp gewonnen haben. Das spricht für eine gewisse Effizienz. Natürlich ist es eine Stärke, enge Spiele für sich zu entscheiden. Andererseits würden wir uns gegen klare Siege auch nicht wehren.

bundesliga.de: Der kommende Gegner lautet Cottbus. Hertha hat seit der Saison 2002/03 nicht mehr gegen und nicht mehr in Cottbus gewonnen. Das Derby gegen die Lausitzer hat sich zu einer Art rotem Tuch entwickelt. Warum kann Hertha nicht mehr gegen Energie gewinnen?

Ebert: Beim Hinspiel sind wir drei Tage vorher unglücklich im DFB-Pokal nach Verlängerung ausgeschieden. Die Mannschaft war enttäuscht und sicherlich nicht vollständig ausgeruht. Vielleicht wusste der eine oder andere Spieler aber auch nicht, dass wir gegen Cottbus ein Derby haben. Ich gehe davon aus, dass am Samstag jeder weiß, um was es geht.

bundesliga.de: Und wie muss Ihre Mannschaft auftreten, um die Durststrecke in der Lausitz zu beenden?

Ebert: Wir müssen uns auf die Spielweise der Cottbusser einstellen. Das heißt, wir müssen uns auf 90 Minuten Kampf und harte Zweikämpfe vorbereiten. Nur wenn wir die Zweikämpfe annehmen und dagegen halten, haben wir eine realistische Chance.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz