Faryd Mondragon konnte sich in Leverkusen über ein 0:0 freuen
Faryd Mondragon konnte sich in Leverkusen über ein 0:0 freuen
Bundesliga

"Auch gegen Bayern ist für uns was möglich"

Überraschend entführte der 1. FC Köln beim 50. Bundesliga-Derby mit Rhein-Rivale Leverkusen einen Punkt aus der BayArena. Zugleich verhalfen die "Geißböcke" mit ihrem 0:0 dem FC Bayern München zum Sprung an die Tabellenspitze.

Ob die Kölner auch den Bayern das Wasser reichen können, wird sich schon an diesem Wochenende zeigen (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio). Dann nämlich empfängt der FC den Rekordmeister im heimischen Rund. Einer, der sich gegen Leverkusen auszeichnete und auf den sicher auch gegen die Bayern viel zukommen wird, ist Faryd Mondragon.

Der Torhüter der Kölner blickt im Interview mit bundesliga.de noch einmal auf das schwere Spiel in Leverkusen zurück und spricht über die Herausforderung, gegen den FC Bayern anzutreten. Und er verrät, was für den FC in dieser Saison noch drin ist.

bundesliga.de: Herr Mondragon, können Sie erklären, wie Sie am vergangenen Samstag den unhaltbaren Kopfball von Sami Hyypiä gehalten haben?

Faryd Mondragon: Das war ein Reflex. Da kann man nicht lange nachdenken, das ist wie ein Instinkt. Aber ein bisschen Glück war in der Aktion natürlich auch dabei, auch, dass Friedrich danach nicht mehr verwandeln konnte.

bundesliga.de: Hätten Sie als Torwart ihre Vorderleute immer gerne so konsequent wie zuletzt gegen Leverkusen?

Mondragon: Als Torwart möchte man natürlich immer zu Null spielen. Dafür ist es wichtig, dass wir alle kompakt in der Defensive stehen und wenige Torchancen zulassen. Das war gegen Leverkusen der Fall, so müssen wir jetzt weiter arbeiten.

bundesliga.de: Nur 15 Gegentreffer in der Hinrunde, aber jetzt schon 16 in der Rückrunde. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe?

Mondragon: Bei diesem Zahlenspiel muss man aber beachten, dass wir in der Rückrunde vorne auch mehr Tore geschossen haben. Wichtig ist, dass wir jetzt wieder die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive finden.

bundesliga.de: Jetzt kommen die Bayern. Im Hinspiel haben Sie auswärts schon ein 0:0 geholt, ist zuhause sogar mehr drin?

Mondragon: Ich gehe in jedes Spiel mit der Absicht, es zu gewinnen. Gegen die Bayern wird es natürlich schwer, sie haben eine starke Mannschaft mit herausragenden Einzelspielern. Wenn wir aber als Mannschaft auftreten, hoch konzentriert und diszipliniert spielen, dann ist für uns etwas möglich.

bundesliga.de: Gegen Franck Ribery und Co. stehen Sie vielleicht öfter im Brennpunkt. Ist es Ihnen als Torwart lieber, sich auszeichnen zu können oder hätten Sie lieber einen ruhigen Nachmittag?

Mondragon: Wichtig für mich ist, dass hinten die Null steht und wir erfolgreich sind. Wir werden alles geben, damit wir gegen die Bayern bestehen.

bundesliga.de: Was ist für den 1. FC Köln in dieser Saison noch drin?

Mondragon: Wir müssen erst einmal schauen, dass wir genügend Punkte sammeln und schnellstmöglich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben. Das hat oberste Priorität. Unser Ziel ist es, 40 Punkte zu erreichen und im gesicherten Mittelfeld zu landen.

bundesliga.de: Sie sind jetzt zweieinhalb Jahre beim FC, sind Sie schon "ne echte Kölsche Jung"?

Mondragon: Ja, schon ein wenig. Die Menschen hier in Köln haben mich mit ihrer offenen Art herzlich aufgenommen und die kölsche Mentalität hat mich schon sehr infiziert. Meine Familie und ich fühlen uns hier in der Stadt einfach sehr wohl. Köln ist sehr weltoffen und kommunikativ.

bundesliga.de: Sie haben einige Ligen kennengelernt, wie schätzen Sie die Bundesliga ein?

Mondragon: Die Bundesliga gehört mit Sicherheit zu den stärksten Ligen Europas und braucht sich nicht vor England oder Spanien verstecken. Zudem wirtschaften die Vereine hier solide. Und dass Spieler wie Robben oder van Nistelrooy in die Liga kommen, zeigt die steigende Bedeutung der Bundesliga.

bundesliga.de: Wie lange wollen Sie noch spielen?

Mondragon: Solange es noch gesundheitlich geht. Ich fühle mich momentan noch gut und fit, deswegen haben wir auch meinen Vertrag beim FC um ein weiteres Jahr bis 2011 verlängert. Aber es ist doch klar, dass ich in meinem Alter nur noch von Jahr zu Jahr schaue.

bundesliga.de: Sie sind Botschafter für das Projekt KIDsmiling: Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?

Mondragon: Sehr wichtig. Ich weiß, dass ich großes Glück gehabt habe und als Fußballprofi ein privilegiertes Leben genießen kann. Davon will ich etwas zurückgeben. Und dafür bietet KIDsmiling eine gute Gelegenheit. Es gibt nichts Schöneres, als Kindern eine Freunde zu bereiten und sie zu unterstützen, damit sie eine gute Zukunft haben.

Das Gespräch führte Stefan Kusche