München - Die Bundesliga wartet vergeblich darauf, dass der Tabellenführer Borussia Dortmund Schwächen zeigt. Das Gegenteil ist der Fall. Der BVB zieht weiter einsam seine Kreise und hält die Konkurrenz auf Distanz. Nach dem triumphalen 3:1-Auswärtssieg in München bekennt sich die Borussia erstmals offen zu ihren Titelambitionen.

Der Monat Februar beginnt kurios. Ein defektes Faxgerät verhindert den Wechsel des Hamburger Eric-Maxim Choupo-Moting zum 1. FC Köln. Alle Parteien waren sich über den Last-Minute-Transfer einig gewesen, dann streikt ein Faxgerät, mit dem die erforderlichen Unterlagen fristgerecht zur DFL gefaxt werden sollte. Dem neuen Kölner Sportdirektor Volker Finke, der zum 1. Februar seinen Posten antritt, ist angesichts der peinlichen Panne nicht zum Lachen zumute.

Köln dreht auf

Sportlich läuft es dagegen beim 1. FC Köln auch ohne den eingeplanten Neuzugang auf einmal bestens. Der abstiegsgefährdete Traditionsverein startet mächtig durch und zerlegt im eigenen Stadion erst den FC Bayern nach 0:2-Pausenrückstand mit 3:2 und eine Woche später auch das Überraschungsteam aus Mainz mit 4:2.

Trainer Frank Schaefer hatte in der Winterpause Lukas Podolski zum Kapitän befördert, was dem "Prinzen" sichtlich gut tat. Spielfreudig wie selten bildet er zusammen mit Milivoje Novakovic ein gefährliches Angriffsduo.

Weit weniger erfolgreich agiert der VfL Wolfsburg, der seinen Kader sogar kurzfristig noch mit sechs neuen Spielern aufgerüstet hat. Der Erfolg bleibt jedoch aus. Zum Eklat kommt es beim Niedersachsen-Derby in Hannover. Gegen die ausdrückliche Anweisung von Trainer Steve McClaren schnappt sich Superstar Diego in einem Anfall von "Diegoismus" eigenmächtig den Ball, um einen Elfmeter auszuführen. Er verschießt und wird suspendiert.

Den englischen Trainer rettet das nicht. Er wird nach der 0:1-Niederlage entlassen und durch seinen bisherigen Co-Trainer Pierre Littbarski ersetzt. Zu dem Zeitpunkt steht der VfL nach dem 21. Spieltag mit nur einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegsränge auf Platz 12.

Favre ersetzt Frontzeck

Auch Borussia Mönchengladbach zieht die Reißleine. Nach zwei bitteren Niederlagen in Duellen gegen direkte Konkurrenten (2:3 gegen Stuttgart und 1:3 in St. Pauli) muss Michael Frontzeck gehen. Sein Nachfolger wird der ehemalige Hertha-Coach Lucien Favre.

Viele vermeintliche Experten runzeln die Stirn, gilt der Schweizer doch nicht als "Feuerwehrmann" unter den Trainern, sondern als einer, der etwas langfristig aufbauen kann. Plant die Borussia bereits für die 2. Bundesliga? Immerhin, der Auftakt ist vielversprechend. Im zwölften Anlauf gelingt den "Fohlen" gegen Schalke 04 beim 2:1 der erste Heimsieg der Saison.

Auf Schalke beginnt es dagegen zu rumoren. Vor allem Trainer Felix Magath steht in der Kritik. In der Bundesliga läuft nicht viel zusammen, dafür glänzen die "Königsblauen" in der Champions League, in der nach dem 1:1 in Valencia das Viertelfinale winkt. Felix Magath selbst geht ungewöhnliche Wege, um sein angekratztes Image wieder aufzupolieren. Er eröffnet ein Facebook-Profil und findet in kürzester Zeit zigtausende "Freunde".

HSV verliert das Derby

Auch in Hamburg ist die Stimmung im Keller. Erst sorgt ein ungewöhnlicher Spielausfall für Kopfschütteln. Das Hamburger Derby gegen den FC St. Pauli muss abgesagt werden, weil der frischverlegte Rasen nach Dauerregen unbespielbar war. Dann findet die Partie statt und endet mit einem peinlichen 0:1 des HSV.

Die Paulianer sind dadurch vorübergehend mit 11 Punkten aus den ersten fünf Spielen im Jahr 2011 das beste Rückrundenteam. Der HSV wiederum kann sich nur wenige Tage nach der Blamage im nächsten Nordderby gegen Werder Bremen beim 4:0-Schützenfest rehabilitieren. Und auch bei der Suche nach einem neuen Sportdirektor wurden die Hanseaten fündig. Im Sommer kommt der Frank Arnesen, der zuletzt beim FC Chelsea tätig war.

Die Frankfurter Eintracht kriegt auch im Februar kein Bein auf den Boden. In sieben Rückrundenspielen blieb die Elf von Michael Skibbe ohne Torerfolg, nur ein Punkt wurde geholt. Die Abstiegsränge sind nicht mehr fern.

Ronaldo beendet sein Karriereende

An der Tabellenspitze halten sich die Überraschungsteams aus Hannover und Mainz konstant in den Top 5. Die Niedersachsen überholen am 24. Spieltag sogar den FC Bayern und klettern auf Platz 3, der zur Champions-League-Qualifikation berechtigen würde. Vor ihnen stehen nur noch Borussia Dortmund an der Tabellenspitze und 12 Punkte dahinter Bayer Leverkusen. Der BVB blieb in der Rückrunde bislang ungeschlagen und hätte eigentlich auch die Spiele, die Remis endeten - gegen Stuttgart, Schalke und in Kaiserslautern - gewinnen müssen. Dann kommt es Ende des Monats in München zum Topspiel gegen die Bayern.

Die hatten gerade unter der Woche in der Champions League souverän beim Titelverteidiger Inter Mailand mit 1:0 gewonnen und freuten sich auf die Wochen der Wahrheit, die ihnen nach dem Klassiker gegen den BVB, das Pokalhalbfinale gegen Schalke, das Verfolgerduell in Hannover und das Rückspiel gegen Inter bescheren sollten. Die Bayern wähnten sich auf Augenhöhe mit dem Herbstmeister. Sie irrten sich. Beinahe chancenlos kassierten sie eine 1:3-Heimklatsche (Tabellensituation nach Spieltag 24).

International tat sich im Februar auch einiges. Die deutsche Nationalmannschaft spielte in Dortmund 1:1 gegen Italien und bleibt damit seit 16 Jahren gegen die Tifosi ohne Sieg. In Brasilien verkündet der zweimalige Weltmeister Ronaldo sein Karriereende. Und in England bringt Arsenal in der Premier League das Kunststück fertig, in Newcastle eine 4:0-Pausenführung noch zu vergeigen und 4:4 zu spielen.



Das Spiel des Monats:

4:0 gegen Hoffenheim, 3:1 in Mainz und 1:0 bei Inter. Der Formkurve des Rekordmeisters vor dem Hit gegen Dortmund zeigt steil nach oben. "Wenn der FC Bayern seine Normalform abruft und so souverän spielt wie am letzten Wochenende in Mainz, schlägt er die Borussia", hatte Bayern-Legende Paul Breitner vor dem Spiel im exklusiven Interview mit bundesliga.de gesagt: "Wenn der FC Bayern in Normalform spielt, ist er einfach die beste Mannschaft der Bundesliga."

Das Problem war nur: die Borussia verhinderte, dass der FC Bayern zur Normalform fand. Jürgen Klopp gab die Order aus, Ribery und Robben zu doppeln und sie so aus dem Spiel zu nehmen. Mit großem läuferischen Aufwand attackierte der BVB schon sehr früh und verleitete die Bayern so zu kapitalen Fehlern. Lucas Barios, Nuri Sahin und Mats Hummels erzielten die Dortmunder Tore, für die Bayern traf Luiz Gustavo zum zwischenzeitlichen 1:1.

Der erste Dortmunder Sieg in München seit fast zwanzig Jahren . Nicht einmal das Fehlen von Stammtorhüter Roman Weidenfeller fiel ins Gewicht. Er wurde vom Australier Mitch Langerak perfekt verteten.

Tobias Gonscherowski

Das Jahr 2011 im Überblick