Zeit zum Innehalten, nicht selten zur Besinnlichkeit. Geburtstage werden gerne zum Anlass genommen, das bisherige Leben zu reflektieren; ein Blick zurück auf Erfolge und Erreichtes - im besten Falle.

Wenn Joachim Löw heute in Freiburg im Kreise mit seiner Frau Daniela und einigen Freunden seinen 50. Geburtstag feiert, hätte er allen Grund, stolz auf die Vergangenheit zu schauen und zufrieden die zahlreichen Gratulationen entgegenzunehmen. Doch der Bundestrainer blickt bereits nach vorn: auf die WM in Südafrika im Sommer.

Beste Bilanz aller Bundestrainer

Seit dem 1. August 2006 ist Löw als Nachfolger von Jürgen Klinsmann für die Belange der Nationalmannschaft zuständig. In seine Ägide fallen der 2. Platz bei der Europameisterschaft 2008, als Deutschland erst im Finale mit 0:1 an Spanien scheiterte, sowie die souveräne Qualifikation für die WM in diesem Jahr.

Von den zehn bisherigen Bundestrainern weist Löw bei 45 Länderspielen mit 31 Siegen, acht Unentschieden und sechs Niederlagen statistisch die beste Bilanz auf. Unter ihm hat sich die Mannschaft um Kapitän Michael Ballack in der Weltspitze etabliert und zählt als der Sechster der Weltrangliste zu den Favoriten für das erste Weltchampionat auf dem afrikanischen Kontinent.

Als oberster Fußball-Lehrer anerkannt

Durch die Erfolge der Nationalmannschaft, nicht zuletzt aber auch durch seine bodenständige, ehrliche und offene Art, hat es Joachim Löw geschafft, von den 80 Millionen heimlichen Bundestrainern in Deutschland als oberster Fußball-Lehrer anerkannt zu werden.

Für Löw ist all das Vergangenheit - und damit nicht mehr sonderlich interessant. Für das Jahr 2010 kennt er nur ein Ziel: das Kräftemessen der weltbesten Fußballmannschaften vom 11. Juni bis 11. Juli. Diesem ordnet er alles unter, auch seinen Geburtstag.

"Der Geburtstag ist für mich nichts Besonderes"

50 Jahre wird Joachim Löw heute alt, fünf Dekaden, ein halbes Jahrhundert. Eigentlich ein besonderer Tag - aber nicht für den Bundestrainer. "Der Geburtstag ist für mich nichts Besonderes, eigentlich wie seit Jahren ein normaler Arbeitstag, weil er inmitten der Saison ist", erklärt Löw. Erst recht im WM-Jahr. Ein Glas Rotwein wird er sich genehmigen.

Denn in seinem Kopf arbeitet er auf Hochtouren an der Mission Südafrika. "Es wäre natürlich das Größte, wenn wir den vierten Titel gewinnen würden", sagt Löw.

Nach Sepp Herberger 1954, Helmut Schön 1974 und Teamchef Franz Beckenbauer 1990 will er der vierte Trainer werden, unter dem die Nationalmannschaft den WM-Pokal für Deutschland gewinnt. "Geschichte wird geschrieben bei den Turnieren", sagt Joachim Löw, "insbesondere bei Weltmeisterschaften."