Der FC Bayern bleibt Spitzenreiter Bayer Leverkusen auch nach dem 20. Spieltag dicht auf den Fersen. Beim 3:0 gegen Mainz trumpfte der Rekordmeister in beeindruckender Manier auf.

Die Münchner drängen dank des siebten Sieges in Folge mit Vehemenz in Richtung Tabellenspitze. Nur als Frage der Zeit betrachten es die Handlungsträger an der Säbener Straße, bis auch der Konkurrent aus Leverkusen nur noch von hinten grüßt.

Zuletzt gab es eine solche Serie zwischen März und September 2005, als der Rekordmeister saisonübergreifend 15 Mal in Serie drei Punkte einfuhr.

Bayern macht den Stotterstart vergessen

Schon fast vergessen ist der Holperstart in die Saison. Zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde standen die Bayern einsam im Gegenwind, nachdem sie sich mit 1:2 bei Aufsteiger Mainz blamiert hatten.

"Schlechtester Start seit 43 Jahren" titelten Deutschlands Sportgazetten nach dem 3. Spieltag. "Bayern mit van Gaal noch schlechter als unter Klinsmann", lauteten die mit einer ordentlichen Prise Mokanz gewürzten Unterzeilen.

Attraktion Arjen Robben

Dass es danach aufwärts ging hatte vielerlei Gründe. Doch der markanteste war eng mit einer Person verknüpft: Arjen Robben war es, der den FC Bayern mit seiner Extraklasse aus der Tristesse führte. Von zwölf Spielen, in denen Robben zum Einsatz kam, gewann der FC Bayern zehn. Die ernüchternde Bilanz in den acht Spielen ohne den Flügelflitzer: zwei Siege und fünf Remis.

Der Niederländer ist es, der den Unterschied macht, der dem Bayern-Spiel die nötige Portion Glamour und Spektakel verleiht, nach der das Publikum verlangt. Gegen Mainz bereitete der 26-Jährige den Führungstreffer von Daniel van Buyten direkt vor (58.), leitete den Spielzug vor dem 2:0 durch Mario Gomez (75.) ein und erzielte das 3:0 mit einem direkt verwandelten Freistoß selbst (86.).

Gegen den FSV hatte Robben über 100 Ballkontakte, brachte über 90 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler und schlug 16 Flanken aus dem Spiel heraus. Ein ums andere Mal degradierte er gleich mehrere Gegenspieler mit seinen bestechenden Dribblings zu Slalomstangen und erntete Szenenapplaus. "Robben ist überragend", sagte Mitspieler Philipp Lahm anschließend: "So kennen wir ihn, wie er Eins gegen Eins oder Eins gegen Zwei geht." Und Torschütze van Buyten befand: "Eine schöne Sache, solche Spieler im Kader zu haben."

Robbens Kreativität steckt an

Gerade bei Lahm und van Buyten war gegen Mainz schön zu beobachten, wie Robben durch seine Ideen auch das Spiel seiner Teamkollegen auf ein anderes Niveau hebt.

Der grundsolide Innenverteidiger van Buyten brach nach Vorarbeit Robbens mit seinem fünften Saisontor (!) den Bann, nachdem die bayerischen Offensivkräfte zuvor reihenweise an Heinz Müller gescheitert waren.

Und Lahm sorgte auf der rechten Seite ständig für Betrieb, indem er mitaufrückte und Robben lehrbuchmäßig hinterlief, um anschließend den Ball vom Niederänder perfekt in den Lauf gespielt zu bekommen.

"Das ist auch für Franck Ribery nicht möglich"

Robben sorgt derzeit für die Szenen zum Staunen, für die in der Vergangenheit Franck Ribery zuständig war. Ihm stiehlt Robben momentan die Show. Der französische Dribbel-Filou kam gegen Mainz in der 58. für Ivica Olic ins Spiel, war nach seiner Verletzung aber noch weit von seiner Glanzform entfernt.

"Auch Franck kann sehen, dass wir ohne ihn sehr gut spielen. Er hat Extra-Qualitäten. Ich muss ihn integrieren, das ist nicht so einfach", sagte Bayern-Coach van Gaal. Ribery habe drei Monate nicht gespielt, "nun soll er in einer hervorragenden Mannschaft in hohem Tempo spielen. Das ist auch für Franck Ribery nicht möglich. Das hat man gegen Bremen und auch heute gesehen", so van Gaal.

Am kommenden Samstag in Wolfsburg muss sich der 26-Jährige wohl erneut mit der Reservistenrolle zufrieden geben. So bitter diese Entscheidung für den Superstar ist, so sehr zeugt sie andererseits für die Qualität der Arbeit von Coach van Gaal.

Van Gaals System greift

Die Handschrift des Niederländers ist inzwischen erkennbar. Eine "hervorragende Leistung in unserem besten Heimspiel" attestierte der 58-Jährige seiner Mannschaft, die gegen die defensiv eingestellten Mainzer ihr Heil konsequent in der Offensive suchte.

Einer seiner größten Verdienste ist es wohl, dass das Münchner Starensemble nicht mehr ungeduldig wird und zu Fehlern neigt, wenn es gegen ein Abwehrbollwerk eine Reihe von Groß-Chancen versiebt. Selbst der vergebene Foulelfmeter von Hans-Jörg Butt warf den FC Bayern gegen Mainz nicht aus der Spur. Und wo das Team in der Vergangenheit häufig auf Ergebnisverwaltung umschaltete, drängt es im Moment auch nach einer Führung konsequent auf weitere Treffer.

"Wir selbst sind die größte Gefahr für uns", formulierte van Gaal nach dem Spiel das neue, alte Selbstverständnis, "nicht der Gegner."

Andreas Messmer