Werder Bremens Mediendirektor Tino Polster musste erst einmal kräftig durchpusten. "Ich hoffe, dass Sie schon wieder einen Ruhepuls haben. Bei mir ist das noch nicht so", eröffnete er die Pressekonferenz nach dem 5:4-Sieg der Bremer über den Aufsteiger 1899 Hoffenheim.

Vorausgegangen waren die spektakulärsten 90 Minuten der noch jungen Bundesliga-Saison, für viele Experten steht fest, dass keine Steigerung mehr möglich ist.

"Das geilste Spiel des Jahres", titelte die "Bild am Sonntag". Neun Tore, Offensivfußball mit offenem Visier von beiden Mannschaften - die 40.000 Zuschauer im ausverkauften Weser-Stadion waren restlos begeistert.

Özil glänzend aufgelegt

Matchwinner für die Gastgeber war erneut Mesut Özil. Der U21-Nationalspieler eröffnete den Torreigen in der 8. Minute und sorgte mit dem 5:4 in der 81. Minute für den Schlusspunkt in einem Spiel voller Höhepunkte.

Zu diesem Zeitpunkt spielte Werder nur noch mit zehn Mann, Per Mertesacker war nach einer Notbremse in der 62. Minute vom Platz von Schiedsrichter Günter Perl gestellt worden.

Rasante Hoffenheimer Aufholjagd

Nach der schnellen 4:1-Führung durch Claudio Pizarro (16.), Diego (21.) und Aaron Hunt (30.) schaffte Hoffenheim mit einer bemerkenswerten Aufholjagd das 4:4.

Erst traf Demba Ba (15.), dann Sejad Salihovic per Freistoß (36.). Nach der Pause kippten Vedad Ibisevic mit seinem siebten Saisontor (Foulelfmeter, 62.) und Marvin Compper (71.) das Spiel endgültig.

Ozil "gelingt zur Zeit einfach alles"

Bis Özil neun Minuten vor dem Abpfiff mit seinem dritten Saisontreffer das Weser-Stadion in einen kollektiven Jubelrausch versetzte.

"Ich bin einfach nur glücklich. Zur Zeit gelingt mir einfach alles. Das war so ein verrücktes Spiel und die drei Punkte waren so wichtig", freute sich Özil nach dem Schlusspfiff.

Lob vom Trainer

Bereits beim 5:2-Erfolg in München war der ehemalige Schalker der spielentscheidende Mann. Mit seinen Tempodribblings, millimetergenauen Pässen und spektakulären Abschlüssen stellt er derzeit sogar Werders brasilianischen Superstar Diego in den Schatten.

"Er hat an Sicherheit gewonnen. Und er holt sich mit jeder gelungenen Aktion noch mehr Selbstvertrauen", erklärt Thomas Schaaf die Leistungsexplosion des 19-Jährigen.

Schaaf nicht ganz zufrieden

Lob für Özil - Kritik, wenn auch nur leichte, an die gesamte Mannschaft gerichtet, die nach einer 4:1-Führung den Sieg nicht vorzeitig sichern konnte.

Schaaf: "In der Phase hätten wir den Sack zumachen müssen." Sportdirektor Klaus Allofs nahm es mit Humor: "Wenn wir den 4:1-Erfolg besser verwaltet hätten, dann wäre es eine gemütlichere, aber auch eine langweiligere Halbzeit geworden."

Blick auf Inter gerichtet

Vier Gegentore gegen den offensivstarken Aufsteiger, insgesamt in der Liga schon zwölf. Die Leistung der Defensive trieb Schaaf dann trotz aller Freude über den dritten Bundesligasieg in Folge auch noch ein paar Sorgenfalten auf die Stirn.

Am kommenden Mittwoch (20:45 Uhr) muss Werder bei Inter Mailand antreten. "Da müssen wir defensiv auf jeden Fall anders agieren", sagte der Werder-Coach.

Kapitän wieder an Bord

Sehr wahrscheinlich, dass er die Mannschaft für die Partie beim italienischen Meister wieder umbaut. Kapitän Frank Baumann kehrt nach seiner Grippe wieder in den Kader zurück, für ihn müsste wohl der offensivere Aaron Hunt weichen.

Und auch auf der linken Abwehrseite zeichnet sich ein Wechsel ab. Sebastian Boenisch wirkt derzeit extrem verunsichert, wurde bereits gegen Hoffenheim in der 59. für Petri Pasanen ausgewechselt. Gut möglich, dass der Finne im Giuseppe-Meazza-Stadion von Beginn an spielen wird.

Oliver Bülow