Arturo Vidal: Krieger mit weichem Kern

Oberhalb seines Spitznamens trägt er das Konterfei seiner Mutter Jacqueline Pardo als Tätowierung auf seinem Arm. Vidal ist noch ein kleiner Junge, als sein Vater die Familie verlässt und seine Mutter fortan ihn und seine fünf Geschwister alleine durchbringen muss. Keine leichte Aufgabe in dem Armenviertel von Santiago de Chile, in dem Vidal aufwächst. Der Fußball hilft ihm, zunächst den Sorgen des Alltags zu entfliehen, schließlich das Elend der Slums hinter sich zu lassen und so seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen.

"Ein Siegertyp" für Bayern

Fern der Heimat startet Vidal so richtig durch. Vier Jahre trägt er das Trikot der "Werkself" und macht in der Zeit eine Entwicklung vom Defensiv- hin zum zentralen Offensivspieler durch. 2011 zieht es Vidal zu Juventus Turin, wo er innerhalb weiterer vier Jahre zu einer festen Größe auf seiner heutigen Position im defensiven Mittelfeld wird. In der chilenischen Nationalmannschaft, für die er bereits 2007 debütiert, spielt er als Teil einer goldenen Generation ebenfalls eine tragende Rolle. Spätestens seit dem erstmaligen Gewinn der Copa America im vergangenen Jahr genießt Vidal in seiner Heimat Heldenstatus. In der Gemeinde San Joaquin wird ihm mit der Umbenennung des Stadions in "Estadio Municipal Arturo Vidal" eine große Ehre zuteil.

"Ich bin als Spieler gewachsen"

Vidals Start in München verläuft holprig, doch gerade in der Schlussphase der Saison entwickelt er sich zum unverzichtbaren Schlüsselspieler und hat vor allem in den K.o.-Spielen der Champions League gegen Juventus Turin und Benfica Lissabon entscheidenden Anteil am Weiterkommen. "Ich bin als Spieler wirklich gewachsen, da ich in einer solch guten Mannschaft spiele - eine Mannschaft, die für mich die beste der Welt ist", bilanziert Vidal. Und mit ihr schreibt er Geschichte: Als erster Chilene gewinnt Vidal den Titel in der Bundesliga und stemmt nach dem letzten Spiel stolz mit der Landesfahne um den Hals die Meisterschale in die Höhe.

Auch die Zielsetzung für die diesjährige Copa ist klar. "Wir müssen das zeigen, was uns beim letzten Mal zum besten Team Amerikas gemacht hat", sagt Vidal und nimmt dabei wieder die Rolle eines kämpferischen Kriegers an. "Die chilenische Nationalmannschaft muss sich daran gewöhnen, Titel zu gewinnen."

Maximilian Lotz