Zusammenfassung

  • Arturo Vidal hat sich in den vergangenen Wochen zum Schlüsselspieler des FC Bayern entwickelt
  • "Die Aggressivität, die er in den Zweikämpfen an den Tag legt, ist Weltklasse", sagt Manuel Neuer
  • Vidals großes Ziel ist das Triple!

München - Pep Guardiola gönnte Arturo Vidal den großen Abgang von der Bühne. Bei seiner Auswechslung in der 78. Minute erhoben sich die Zuschauer in der Allianz Arena von ihren Sitzen und spendeten tosenden Sonderapplaus für ihren "King Arturo". Die Wertschätzung hat sich der Chilene erst erarbeiten müssen. In den vergangenen Wochen hat sich Vidal so zum Schlüsselspieler für den FC Bayern München entwickelt.

"Jedes Mal, wenn ich den Platz betrete, verleihen mir meine Teamkollegen, mein Trainer und die Fans eine Menge Vertrauen", sagt Vidal. "Ich arbeite jeden Tag, um mich zu verbessern. Für dieses Ziel gebe ich jeden Tag alles. Ich hoffe, die Leute schätzen es, dass ich auch auf dem Platz alles investiere." Allerdings will der 28-Jährige dabei manchmal etwas zu viel.

Der "Krieger" wandelt auf schmalem Grat

© gettyimages / Matthias Hangst

Noch vor einer Woche fielen die Reaktionen auf seine vorzeitige Auswechslung ganz anders aus. Mit gesenktem Haupt schlich Vidal beim 3:1-Sieg in Stuttgart schon in der 27. Minute vom Feld. Bereits früh mit Gelb verwarnt, wandelte er am Rande eines Platzverweises und musste von Trainer Guardiola vor sich selbst geschützt werden.

Das Spiel des "Kriegers" ist zuweilen eine Gratwanderung. In seiner Heimat wird er dafür verehrt, dass er mit harter Zweikampfführung die Richtung vorgibt. Bei den Bayern schuf einst Trainer Ottmar Hitzfeld zu Zeiten Mark van Bommels für diesen Spielertyp den Begriff des "Aggressive Leaders". Eine Rolle, die seit dem Abgang des Niederländers 2011 praktisch unbesetzt war, die aber jetzt von Vidal wieder neu interpretiert wird.

"Mit seiner Intensität ist er ein wichtiger Spieler"

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"Die Aggressivität, die er in den Zweikämpfen an den Tag legt, ist Weltklasse", sagte Manuel Neuer bei "Sky" nach dem 3:0-Sieg gegen den FC Schalke 04. Dabei gehen Vidals Fähigkeiten weit über die eines groben Ausputzers vor der Abwehr hinaus. Gegen Schalke glänzte er als Vorbereiter und Torschütze. Es war sein erstes Tor in der Bundesliga seit 17 Spielen. Zuvor hatte er in der Champions League im Viertelfinale gegen Benfica Lissabon in beiden Spielen (Spielbericht Hinspiel / Spielbericht Rückspiel) getroffen und damit großen Anteil am Halbfinal-Einzug der Bayern. "Er war in den ganz wichtigen K.o.-Spielen zuletzt immer mit der beste Mann", lobte Neuer.

"Mit seiner Intensität ist er ein wichtiger Spieler", weiß auch Guardiola. Dennoch prasselt für den Geschmack des Trainers derzeit zu viel Lob auf seinen Schützling ein. "Arturo muss auf dem Boden bleiben." Zugleich nimmt auch Guardiola zufrieden zur Kenntnis, dass Vidal die anfänglichen Zweifel nach einem etwas holprigen Start mittlerweile eindrucksvoll widerlegt hat. Im Endspurt der Saison ist das Universalgenie im Mittelfeld nicht mehr wegzudenken.

Furchtlos in den Endspurt

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Geholfen hat ihm auf dem Weg dorthin das ganze Team, das wie für eine Familie für ihn sei. "Zu Beginn war es wichtig für mich, mich auf die neue Mannschaft einzustellen. Denn der wichtigste Teil der Saison ist das Ende, wenn du die Trophäen in die Höhe stemmen willst - was ich hoffentlich machen werde", sagt Vidal. Mit Juventus Turin holte er in der vergangenen Saison den Meistertitel und den Pokalsieg in Italien, der Traum vom Triple endete im Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona.

Mit den Bayern hat er nun die Chance, es besser zu machen. "Das ist es, was wir wollen", sagt er mit Blick auf den möglichen Triple-Erfolg. "Das ist unser Ziel." Vor dem Halbfinale in der Königsklasse gegen Atletico Madrid kämpfen Vidal und Co. zunächst am Dienstag gegen Werder Bremen um den Einzug ins Endspiel des DFB-Pokals. "Wir wollen gegen beide gewinnen und sowohl das Pokal- als auch das Champions-League-Finale erreichen." Schließlich würde Vidal wohl nur ungern vorzeitig die große Bühne mit gesenktem Kopf verlassen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz