Zusammenfassung

  • Arturo Vidal hat sich gegen Ausgsburg mit einer eindrucksvollen Leistung zurückgemeldet

  • Der Chilene war zuvor von Trainer Jupp Heynckes aufgrund seines physischen Zustands kritisiert worden

  • In Sachen Zweikämpfe, Laufbereitschaft und Passqoute lieferte Vidal am 12. Spieltag Bestwerte

München - Die Zuschauer zollten Arturo Vidal mit Standing Ovations ihren Respekt. Der Beifall der Fans war der verdiente Lohn für die starke Vorstellung des Chilenen beim 3:0-Sieg des FC Bayern München gegen den FC Augsburg. Mit einem Tor, einer Vorlage und einer vorbildlichen kämpferischen Einstellung zeigte Vidal auch seinem Trainer Jupp Heynckes die richtige Reaktion auf die durchwachsenen Darbietungen in der bisherigen Saison.

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Vor zweieinhalb Wochen suchte Heynckes nach eigener Aussage das Gespräch mit Vidal - und redete dem 30-Jährigen dabei offenbar nachhaltig ins Gewissen. "Ich habe ihm gesagt, dass ich mit seinem gesamten physischen Zustand nicht zufrieden bin und dass er etwas verändern muss, wenn er spielen möchte", gab Heynckes am Samstag nach der Partie gegen den FCA preis. "Das hat er nicht ganz so gesehen, aber er hat sich von dem Zeitpunkt an anders verhalten im Training und auch in dieser Woche überragend trainiert."

Robben lobt Vidals Trainingsfleiß

Auch Vidals Teamkollege Arjen Robben bestätigte: "Er war heiß auf ein Spiel. Das hat er gezeigt und gut gemacht." Mit seinem 25. Bundesligator seiner Karriere ebnete der Mittelfeldspieler dem Rekordmeister gegen den FCA den Weg zum Sieg. Für den früheren Leverkusener war es der zehnte Ligatreffer im Trikot der Bayern, zum sechsten Mal erzielte Vidal dabei das wichtige 1:0.

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Simon Hofmann

"Das bedeutet mir sehr viel und ist sehr wichtig für mich. Das ist es, wofür ich arbeite", sagte Vidal anschließend. "Es ist immer gut das Führungstor zu schießen, weil man es danach etwas gelassener angehen kann." Davon war im Spiel allerdings wenig zu sehen: Nur sieben Minuten nach seinem Tor bereitete Vidal den zweiten Bayern-Treffer des Spiels mit einem Steilpass auf den späteren Doppeltorschützen Robert Lewandowski vor.

"King Arturo" regiert im Mittelfeld

Nicht nur wegen seiner Qualitäten in der Offensive ragte Vidal gegen die Fuggerstädter heraus. In Abwesenheit des angeschlagen fehlenden Thiago schwang "King Arturo" im Mittelfeld das Zepter, hinter James Rodriguez spielte Vidal die zweitmeisten Pässe und konnte dabei eine überragende Erfolgsquote von 95 Prozent (nur vier Fehlpässe) vorweisen. Bis zum Zeitpunkt seiner Auswechslung in der Schlussphase war Vidal zudem einer der lauffreudigsten Spieler auf dem Platz. In der Endabrechnung zog er bei den Bayern hinter Joshua Kimmich die zweitmeisten Sprints an (25) - trotz der um zehn Minuten geringeren Spielzeit.

Der von den Gästen zu Beginn angeschlagenen harten Gangart bot er auf seine Weise die Stirn. So führte der "Krieger" mit Abstand die meisten Zweikämpfe auf dem Feld - nur Lewandowski gewann am Ende knapp mehr (16) als Vidal (15). "Er hat unglaublich viel gearbeitet und viele wichtige Zweikämpfe für die Mannschaft gewonnen, sodass wir uns auch mal ein bisschen rausnehmen konnten, weil er vorne schon so viel abgesaugt hat", sagte Innenverteidiger Niklas Süle. "In so einer Verfassung ist er natürlich super für unsere Mannschaft."

Heynckes‘ konkrete Erwartungen an Vidal

Das sah auch sein Chef so, der bei Vidals Auswechslung zufrieden mit seinem Schützling abklatschte. "Ich weiß, was er zu leisten vermag", betonte Heynckes. "Ich kenne ihn von meiner Zeit bei Bayer 04 Leverkusen. So wie er heute gespielt hat, hat er bei mir im ersten Jahr fast immer gespielt. Nicht dass er jedes Mal ein Tor erzielt hat, aber: laufstark, aggressiv, fußballerisch gut. Das erwarte ich auch von ihm."

Video: Bayern unter Heynckes

Auch Vidal erinnert sich gerne an die erfolgreiche Zusammenarbeit in Leverkusen zurück. In seiner letzten Saison vor seinem Wechsel zu Juventus Turin 2011 gelang ihm in der Bundesliga zum bislang einzigen Mal eine zweistellige Anzahl an Saisontoren. "Wir hatten zwei großartige Jahre dort. Wir sind dann getrennte Wege gegangen, aber jetzt sind wir hier wieder zusammen. Wir verstehen uns gut", sagt Vidal. Und seine persönlichen Erwartungen decken sich sowieso mit denen seines Trainers: "Ich hoffe, dass ich weiter in der Startformation bleibe und dass ich weiter treffe."

Aus München berichtet Maximilian Lotz