München - Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, in dieser Hinsicht macht Arsene Wenger nach 15 Jahren beim FC Arsenal keiner etwas vor. Nach dem katastrophalen Start in die Saison warb der französische Trainer deshalb kurz vor Transferschluss Verteidiger Per Mertesacker von Werder Bremen ab.

Zum Auftakt der Champions-League-Gruppenphase gegen Dortmund soll der Nationalspieler für Stabilität in der zuletzt wackelnden Arsenal-Defensive sorgen (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

"Normalerweise schaue ich auf die Qualität eines Spielers und nicht die Größe", sagte Wenger. Weil er bei Arsenal ein sehr technisches Spielsystem etabliert habe, bevorzuge er normalerweise kleinere Spieler. Doch für Mertesacker hat er eine Ausnahme gemacht: "Er strahlt eine beruhigende Präsenz aus, bringt die Erfahrung aus über 70 Länderspielen mit. Und die Leute vergessen oft, dass er erst 26 Jahre alt ist."

Wenger: "In der Hölle wird es für mich weniger schmerzhaft"

Mehr Ruhe konnte die Arsenal-Abwehr auch vertragen. Nach drei Premier-League-Spieltagen hatte das Team bereits zehn Tore zugelassen. Mertesackers Debüt am 4. Spieltag verlief passabel. Durch ein 1:0 gegen Swansea City kletterte Arsenal ins Mittelfeld des Tableaus und weist nun immerhin vier Punkte auf.

Für die "Gunners" soll der Sieg gegen den Aufsteiger das Ende eines Horror-Sommers markieren: Erst mussten die Londoner mit Cesc Fabregas und Samir Nasri zwei Superstars ziehen lassen, anschließend ging der Start in die Liga in die Hose. Negativer Höhepunkt war eine 2:8-Klatsche gegen Manchester United.

"Wenn ich eines Tages in die Hölle komme, wird es für mich weniger schmerzhaft als für sie, weil ich es gewöhnt bin zu leiden", sagte Wenger gegenüber englischen Journalisten. "Ich könnte ein interessantes Buch schreiben über diesen Sommer", so der 61-Jährige, der die Saisonvorbereitung als "unruhigste" seit seinem Amtsantritt 1996 bezeichnete.

"Die stärkste Mannschaft aus Topf vier"

Gegen Dortmund wollen die Engländer nun den nächsten Schritt aus der Krise machen. "Für uns ist es das Wichtigste, dass wir das Spiel dominieren", sagte Wenger nach der Ankunft seines Teams in Dortmund: "Wenn wir den Ball haben, kann Dortmund nicht gefährlich werden." Respekt hat er trotzdem vor der Borussia. "Ich hoffte, nicht gegen Dortmund spielen zu müssen. Denn dies ist die stärkste Mannschaft aus Topf vier", sagte der Coach, der das Hinspiel aufgrund einer Sperre auf der Tribüne verbringen muss.

Auch wenn der BVB die neue Saison nicht so berauschend begonnen hat wie er die alte beendete, ist die Vorfreude bei Jürgen Klopp und seinen jungen Meistern enorm groß. Schließlich sind die anstehenden Partien in der "Königsklasse" der verdiente Lohn für den arbeitsreichen Weg zum letztjährigen Titel. bundesliga.de präsentiert weitere Fakten zur Partie:


Form:

Dortmund kassierte am vergangenen Samstag bereits die zweite Saisonniederlage. Gegen Aufsteiger Hertha gelang dem BVB kurz vor Schluss nur noch der Ehrentreffer durch Robert Lewandowski. Mit sieben Punkten aus fünf Spielen hinkt der Meister den Erwartungen hinterher.

Der Russe Andrey Arshavin sorgte derweil mit seinem Siegtreffer gegen Swansea für eine geglückte Generalprobe der "Gunners". Mit einem Torverhältnis von 3:10 und vier Punkten liegt Arsenal aber nur auf Rang 12 der Tabelle.


Personal:

BVB-Trainer Klopp muss auf Stürmer Lucas Barrios (Muskelbündelriss im Oberschenkel), Julian Koch (Kreuzbandriss und Kompartmentsyndrom) und Marvin Bakalorz (Aufbautraining) verzichten. Aber natürlich ist Mario Götze (in der Liga gesperrt) beim Highlight im Signal Iduna Park mit von der Partie.

Der ehemalige Dortmunder Tomas Rosicky, der bereits das 1:0 gegen Swansea aufgrund einer Knieverletzung verpasste, reiste nicht mit nach Deutschland. Der ivorische Angreifer Gervinho und Mittelfeldspieler Alex Song kehrten hingegen zurück in den Kader. Aaron Ramsey (Sprunggelenk), Jack Wilshere (Knöchel) und Thomas Vermaelen (Sprunggelenk) fehlen verletzt.


Statistik:

Borussia Dortmund nimmt zum siebten Mal überhaupt an der Champions League teil, Arsenal ist zum 14. Mal in Folge dabei. Beim letzten Duell der Teams 2002/03 in der Champions-League-Gruppenphase stand lediglich Sebastian Kehl schon auf dem Platz. Roman Weidenfeller saß immerhin auf der Bank.

Es war Dortmunds letzte Teilnahme an der "Königsklasse". In Highbury kassierte der BVB damals eine 0:2-Pleite, setzte sich zuhause aber nach zwei Toren von Tomas Rosicky mit 2:1 durch.


Stimmen:

"Wir wollen diesen Abend genießen", sagt BVB-Trainer Jürgen Klopp. Arsenal sei eine "extrem spielstarke Mannschaft, die jedem Gegner Probleme bereiten kann, wenn man sie spielen lässt. Wir müssen uns nicht nur Räume für unser Spiel erarbeiten, wir müssen auch die unglaubliche Qualität des Gegners in Schach halten." Dass sein Gegenüber Wenger auf der Tribüne zusehen muss, sieht er nicht als Vorteil: "Mir wäre es lieber, van Persie, Walcott und Gervinho dürften nicht unten auf dem Rasen stehen..."

Kevin Großkreutz, der Dortmunder Junge, gibt sich gewohnt emotional: "Für mich geht nach der Meisterschaft der nächste Lebenstraum in Erfüllung. Das wird so geil."

Arsenal-Coach Arsene Wenger rechnet mit zwei offensiv eingestellten Teams: "Dortmund hat eine sehr gute Mannschaft, die schnell nach vorne spielt - ähnlich wie wir. Es dürfte ein gutes, ein offensives und damit ein attraktives Spiel werden."


Voraussichtliche Aufstellungen:

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Gündogan - Götze, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski

Arsenal FC: Szczesny - Sagna, Mertesacker, Koscielny, Gibbs - Arteta, Ramsey, Frimpong, Arshavin - Walcott, van Persie

Zusammengestellt von Andreas Messmer