Hamburg/Bremen - Die Saison hatte noch gar nicht richtig begonnen, da schien das Kapitel Werder Bremen für Marko Arnautovic - zumindest in den Medien - schon fast beendet. Kritiker warfen dem Österreicher mangelnde Disziplin vor. Selbst sein ehemaliger Trainer bei Inter Mailand und jetzige Real-Madrid-Coach Jose Mourinho meldete sich zu Wort: "Marko ist ein fantastischer Kerl, aber er hat die Einstellung eines Kindes", erklärte der Portugiese.

Mit seinem Gala-Auftritt am Samstag gegen den 1. FC Köln strafte Arnautovic seine Kritiker fürs erste Lügen. Der 21-Jährige schoss in seinem ersten Pflichtspiel von Beginn an zwei Tore und legte eins mustergültig für Hugo Almeida auf. "Das war ein gutes Spiel von mir, aber auch von der ganzen Mannschaft. Einen besseren Einstand hier in der Bundesliga kann man sich nicht wünschen", freute sich der "Astronaut" nach dem Schlusspfiff.

Allofs schwärmt

Lob kam auch von höchster Stelle. "Marko hat mich heute positiv überrascht. Damit meine ich nicht einmal seine Offensiv-Aktionen, sondern auch seine Arbeit nach hinten. Gerade wie er nach eigenen Fehlern, die er machen darf, sofort hinterher gegangen ist. Das war eindrucksvoll", sagte Geschäftsführer Klaus Allofs - und fügte hinzu: "Bisher mussten wir immer erzählen, was er kann und hoffen, dass die Leute uns glauben. Jetzt haben es die Leute auch mal selbst gesehen."

Am wichtigsten dürfte für Arnautovic jedoch das Urteil seines Trainer gewesen sein. Und das war fast durchweg positiv. "Er hat heute ein sehr gutes Spiel gemacht, auch wenn noch nicht alles hundertprozentig war. Er hat mit vielen Aktionen begeistert. In Genua hat er das schon angedeutet, heute war es ganz deutlich. Für uns standen seine Fähigkeiten nie in Frage", so Schaaf.

Arnautovic ändert sich

Dabei gab Arnautovic nach dem Köln-Spiel unmissverständlich zu, dass bei seinem Dienstantritt in Bremen nicht alles nach Plan lief: "Thomas Schaaf hat mich ein paar Mal zur Seite genommen und genau gesagt, was er von mir sehen will und was nicht. Dann habe ich darüber nachgedacht und ein paar Sachen geändert. Jetzt hat er mir Vertrauen geschenkt und ich möchte ihm das wieder zurückgeben."

In Bremen ist die Freude über das tolle Start-Elf-Debüt des österreichischen U-21-Nationalspielers erst einmal groß. Dass der Youngster jetzt nicht die Bodenhaftung verliert, dafür werden die erfahrenen Macher bei Werder sicherlich Sorge tragen. "Das werden wir schon verhindern. Ich bin sicher, dass er weiß, dass jetzt die Schwierigkeit auf ihn zukommt, dass er solche Leistungen auch bestätigen muss", stellte Allofs klar.

"Die Berichte waren nicht immer schön"

Aber Arnautovic hat allem Anschein nach aus seinen Fehlern gelernt und bringt nun auch die nötige Erfahrung und Gelassenheit mit, um nicht jede Schelte für bare Münze zu nehmen. "Die Berichte über mich waren nicht immer schön. Aber damit musst man ein paar Tage leben und einfach weiterarbeiten. Es gibt Leute, die dann über die Medien antworten. Aber so ein Typ bin ich nicht. Ich will meine Antwort auf dem Platz geben."

Gegen Köln hat er das mit Bravour getan. Die nächste Chance bietet sich in der Bundesliga nach der Länderspielpause beim FC Bayern München.

Michael Reis