Ganz Argentinien hofft auf Fußball-Zauberer Lionel Messi, doch WM-Auftaktgegner Nigeria schlottern auch vor dessen magischen Gehilfen die Knie.

"Natürlich ist Messi ein überragender Spieler, aber er ist nicht der Einzige, der ein Spiel für Argentinien allein entscheiden kann", sagt Stürmer Obafemi Martins vom Bundesligisten VfL Wolfsburg vor der Partie am Samstag (ab 15:45 Uhr im Live-Ticker) im Ellis Park von Johannesburg: "Auch Carlos Tevez ist höllisch gefährlich."

Tevez rein, Abwehrspieler raus

Insgesamt 84 Ligatore schoss das argentinische Angriffstrio Messi, Tevez und Gonzalo Higuain in der abgelaufenen Saison. Kein Wunder, dass Nationaltrainer Diego Maradona gegen die Afrikaner auf keinen seiner Sturmstars verzichten will.

Für Wackelkandidat Tevez wird wohl ein Abwehrspieler geopfert. "Ich kann Carlos nicht draußen lassen. Er ist das Idol unseres Volkes und bereitet mir mit seiner Spielweise Gänsehaut", sagt der Coach und sieht sein Team schon vor dem ersten Anpfiff bereit für den ganz großen Coup.

Verwirrung um Messis Fitnesszustand

"Es ist genauso wie bei unserem WM-Sieg 1986. Wir sind genauso stark und haben die gleichen Wünsche wie damals", äußert Maradona und wischt sämtliche Zweifel am Fitnesszustand seines Wunderknaben Messi weg: "Es gab nie ein Problem." Aus dem Mund von Fernando Signorini klang dies zuletzt noch ganz anders geklungen. "Messi kommt müde zur WM. Der Schaden ist angerichtet und nicht mehr rückgängig zu machen", meinte Argentiniens Konditionstrainer.

Sollte Weltfußballer Messi während der WM die Puste ausgehen, könnte dies ganz Argentinien in Atem halten. Doch Maradona lässt sich von all dem nicht beirren: "Es wäre toll, wenn Messi den gleichen Einfluss auf das Team haben würde, wie ich 1986. Aber wir haben nicht nur Lionel. Wir haben ein starkes Team. Ich lebe und sterbe für diese 23 Spieler. Messi ist dabei die Kirsche auf dem Kuchen."

Maradonas Selbstvertrauen und der Glaube an das Team sind unerschütterlich. So zündete er sich auf dem Trainingsplatz in Pretoria dieser Tage schon mal unvermittelt eine Zigarre an und ließ die Umstehenden wissen: "Die bekomme ich immer von meinem Freund Fidel Castro geschickt."

Große Probleme bei den "Super Eagles"

Während es sich Maradona im Anschluss an die Übungseinheiten mit Geschenken karibischer Revolutionsführer gut gehen lässt, bittet Nigeria nach jedem Training um Beistand von ganz oben. "Wir bilden einen Kreis und halten uns an den Händen. Dann beten erst die Christen, dann die Moslems", berichtet Altstar Nwankwo Kanu. Dass die "Super Eagles" in Südafrika ohne Übersinnliches auskommen können, glaubt in der Heimat ohnehin kaum jemand. Zu groß sind die Probleme.

Starspieler John Obi Mikel vom FC Chelsea fällt mit einer Knöchelverletzung für die gesamte WM aus, einige Leistungsträger scheinen weit von ihrer Top-Form entfernt und Nationaltrainer Lars Lagerbäck ist erst seit gut drei Monaten im Amt. Der 3:1-Erfolg im WM-Test gegen Nordkorea am vergangenen Sonntag war der erste Sieg unter dem Schweden, der bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 sein Heimatland betreut hatte.

"Wir haben in der vergangenen Woche hart gearbeitet und uns stark verbessert. Jetzt freuen wir uns auf das Spiel gegen Argentinien", meint Lagerbäck und Abwehrchef Joseph Yobo ergänzt: "Der Sieg gegen Nordkorea hat uns das Selbstvertrauen gegeben, das wir gegen Argentinien brauchen. Wir sind gerüstet."

Ob das für den magischen Messi reicht, bleibt abzuwarten.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Argentinien: 22 Romero - 2 Demichelis, 13 Samuel, 6 Heinze - 17 Gutierrez, 8 Veron, 14 Mascherano, 7 Di Maria - 10 Messi - 9 Higuain, 11 Tevez. - Trainer: Maradona

Nigeria: 1 Enyeama - 17 Odiah, 6 Shittu, 2 Yobo, 3 Taiwo - 20 Etuhu, 15 Haruna, 13 Yussuf - 11 Odemwingie, 8 Yakubu, 9 Martins. - Trainer: Lagerbäck

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)