Frankfurt - Das Freundschaftsspiel gegen Argentinien war ein Freundschaftsspiel der besseren Art. Eigentlich. Denn einen richtigen Wert hatte die Partie nur bis zur 30. Minute. Da sah Torwart Ron-Robert Zieler nach einer Notbremse als erster Torhüter in der 104-jährigen Länderspielgeschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Rote Karte.

Der eingewechselte Marc-Andre ter Stegen hielt zwar den fälligen Elfmeter von Lionel Messi, trotzdem stand am Ende eine 1:3-Pleite gegen die Südamerikaner. Bundestrainer Joachim Löw analysierte anschließend wie immer sachlich und klar: "Der Platzverweis hat uns ins Hintertreffen gebracht. Dann kam auch noch das Eigentor hinzu. Danach war es gegen so Klasseleute wie Messi, Higuain oder di Maria nicht einfach. Wir haben einige taktische Fehler gemacht, aber die Spieler haben alles gegeben."

Khedira: "Ergebnis verdient"



Die erste Standortbestimmung nach der EURO 2012 fiel durchwachsen aus. In der Offensive setzten vor allem Marco Reus und der später eingewechselte Andre Schürrle Glanzpunkte. In der Defensive agierten die meisten DFB-Kicker zwar recht solide, richtig gefestigt zeigte sich das Abwehrkonstrukt aber nicht.

"Wir hatten uns viel vorgenommen. Bis zur Roten Karte haben wir vieles sehr gut umgesetzt. Danach war es schwer für uns. Das Ergebnis war letztendlich verdient", erklärte Sami Khedira, der nach der Auswechslung von Miroslav Klose in Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm kurzzeitig die Kapitänsbinde übernahm.

Kahn kritisiert Defensive



Doch gerade Khedira bekam nach dem Abpfiff vom ehemaligen Nationaltorwart und heutigen TV-Experten Oliver Kahn herbe Kritik. Der Vorwurf: Khedira würde viel zu offensiv agieren und somit zu viele Löcher im Mittelfeld entstehen lassen.

Lars Bender, der im defensiven Mittelfeld den Vorzug vor Toni Kroos bekam, spulte einen Kilometer nach dem nächsten ab, um die entstandenen Lücken in der Zentrale immer wieder zu stopfen. In der zweiten Halbzeit gelang das mit zunehmendem Kraftverlust weniger gut.

Das Ergebnis hätte deshalb am Ende noch höher ausfallen können. Superstar Messi, Gonzalo Higuain und Sergio Agüero ließen im Abschluss aber die letzte Konsequenz vermissen.

Bundestrainer Löw wollte die Defensiv-Schelte Kahns nicht so einfach stehen lassen. "Wenn wir nach dem Rückstand und in Unterzahl mit drei, vier Leuten nach vorne gehen, ist es schwierig, bei einem Konter alles kompakt zu halten", sagte Löw.

Phasenweise gute Ansätze



48 Tage nach dem 1:2-Halbfinal-Aus bei der EURO gegen Italien hat die junge deutsche Mannschaft - Khedira war nach Klose mit 25 Jahren der älteste DFB-Akteur - im Angriff jedoch phasenweise ein richtig gutes Spiel abgeliefert.

Exemplarisch dafür ist die Entstehung zum Ehrentreffer durch den Schalker Benedikt Höwedes zu nennen, dem eine tolle Kombination von Schürrle und dem ebenfalls eingewechselten Mario Götze vorausging. Dass die Defensive zuletzt vor arge Probleme gestellt wurde und viel zu viele Torchancen des Gegners zugelassen hat, ist aber auch nicht von der Hand zu weisen.

Am 7. September beginnt für das deutsche Team in Hannover die "Mission 2014". Im ersten Spiel der WM-Qualifikation sind dann die Faröer-Inseln zu Gast. Die Außenseiter aus dem hohen Norden dürften für Khedira, Klose und Co. hoffentlich der richtige Gegner sein, um die Schrauben für den Feinschliff wieder richtig zu justieren.

Michael Reis