Köln – Der neue Trainer beim Hamburger SV ist Josef Zinnbauer. Bisher trainierte der 44-Jährige die U23 der Norddeutschen. Bundesliga.de hat geschaut, wo der neue Mann ansetzen kann, um den HSV wieder in die Erfolgspur zu bringen.

Bei einigen Werten, wie beispielsweise der Zweikampfquote, kann man den Spielern der Hamburger nichts vorwerfen. Die Bereitschaft in Duelle zu gehen ist vorhanden, der HSV liegt auf Platz 8 der saisonübergreifenden Zweikampfstatistik (seit Beginn der Saison 13/14). Die Verpflichtung von Valon Behrami auf der defensiven Mittelfeldposition zeigt aber, dass die Verantwortlichen hier noch Bedarf gesehen haben. In der Vorsaison spielten mit Tolgay Arslan und Milan Badelj zwei spielstarke Sechser. Wenn sich Behrami und der zweite zentrale Neuzugang Lewis Holtby eingespielt haben, könnte das dem HSV bereits mehr Stabilität bringen.

Die Schlüssel: Stabilität und Laufarbeit

Stabilität und Defensivarbeit sind wahrscheinlich die wichtigsten Ansatzpunkte, um den HSV wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Die hohe Zahl der Gegentore (72 in der Vorsaison) hatte ihre Ursache unter anderem in der Zahl der zugelassenen Großchancen. 64 davon ließen die Hamburger letzte Spielzeit zu, das ist der zweitschlechteste Wert der Bundesliga. Schlechter war nur der 1. FC Nürnberg, der bekanntlich in dieser Saison in der 2. Bundesliga um Erfolge kämpft. Ein weiterer Grund ist die Anfälligkeit bei Kontern. Kein anderer Verein ließ mehr Torschüsse nach Kontern zu, keiner kassierte mehr Kontergegentore (18). Und das, obwohl der durchschnittliche Ballbesitz bei 49 Prozent lag, was nicht auf eine besonders konteranfällige Ballbesitz-Spielweise schließen lässt.

Möglicherweise hat das Problem seinen Ursprung auch in der Laufbereitschaft. Letzte Saison liefen die Hamburger im Schnitt 115 Kilometer pro Spiel, was den vorletzten Platz in diesem Ranking bedeutet. In den drei Spielen der neuen Saison wurde dieser Wert mit durchschnittlich 113 Kilometern sogar noch unterboten. Da beim Laufen besonders die Zahl der Sprints ausschlaggebend ist, lohnt auch der Blick auf diese Zahlen. 14 Teams zogen in der Saison 2013/14 mehr Sprints an. Zoltan Stieber, Nicolai Müller und Julian Green sind sprintstarke Neuzugänge, sie sinnvoll ins Spiel zu integrieren wird ebenfalls wichtig werden.

Daten aus dem Spiel gegen Hannover

Die Ballbesitz-Statistik zeigt, dass die Neuzugänge des HSV direkt das Spiel an sich gerissen haben. Vier der fünf Spieler mit den meisten Ballbesitzen sind Neulinge. Dazu kommt Torwart Jaroslav Drobny. Die vier Feldspieler kamen alle durchs Zentrum (Heatmaps in der Galerie oben).

Die neuen Spieler waren auch was die Laufleistungen betrifft besonders fleißig. Einschränkend ist zu sagen, dass die vier hier führenden Spieler im Mittelfeld zwangsläufig viel laufen müssen. Aber auch Stürmer Lasogga war sehr engagiert.

Offensiv muss mehr passieren

Steht die Abwehr, müssen aber immer noch Tore her. Der Problematik der fehlenden Kreativität wurde mit der Verpflichtung Lewis Holtbys bereits entgegengewirkt. Der HSV muss nun aber auch dringend zielstrebiger werden. Letzte Saison erspielten sich die Hamburger ligaweit die zweitwenigsten Großchancen. Zu Hause hatte der HSV sogar die wenigsten Großchancen der Liga. Dabei war die Verwertung dieser Chancen bei 51 erzielten Toren gar nicht schlecht.

Im Portrait: Hamburgs neuer Hoffnungsträger Josef "Joe" Zinnbauer

Die Probleme des HSV ziehen sich seit Beginn der letzten Saison durch. An Josef Zinnbauer liegt es jetzt, dem Team neues Selbstvertrauen und eine stabile Spielweise zu verpassen. Die Neuzugänge sind dafür eine gute Voraussetzung, sie schnell zu integrieren wird ein Schlüssel für eine Kehrtwende sein. Was der neue Coach aber vor allem tun muss, ist die Spieler zu mehr Engagement in der Laufarbeit anzutreiben. Das allein wird die Hamburger zwar nicht nach oben bringen. Eine Grundvoraussetzung für mehr Kampf  und bessere taktische Disziplin ist es aber alle mal.

Sebastian Stenzel/Tobias Anding