Als Kurzzeit-Trainer Jupp Heynckes am Dienstag den überfüllten Presseraum an der Säbener Straße betrat, waren die Turbulenzen um die Entlassung von Jürgen Klinsmann bei Bayern München schon wieder ein Stück Vereinsgeschichte.

Gut gelaunt, voller Elan und im feinen Zwirn läutete der 63 Jahre alte Heynckes den Saison-Endspurt beim deutschen Rekordmeister ein und zeigte sich dabei optimistisch, den FC Bayern gemeinsam mit seinem Assistenten Hermann Gerland in nur vier Wochen wieder in die Erfolgsspur zurückführen zu können.

"Das war doch zuletzt nicht der FC Bayern. Die Spieler wirkten apathisch und paralysiert. Ich will sie von ihren Fesseln befreien. Fußball muss mit Freude und Emotionen gespielt werden. Das will ich wecken. Das wird funktionieren, davon bin ich überzeugt. Ich glaube, dass ich dem Club helfen kann", sagte Heynckes, bevor er um sich um 15 Uhr bei der Mannschaft vorstellte und um 16 Uhr sein erstes Training seit knapp 18 Jahren beim Rekordmeister leiten wollte.

"Ich hoffe, dass wir die Chance nutzen"

Manager Uli Hoeneß zeigte sich am Tag nach dem Rauswurf von Klinsmann regelrecht erleichtert. "Wir fühlen uns alle in einer Aufbruchstimmung. Ich hoffe, dass wir die Chance nutzen, die uns Cottbus gegeben hat und dass wir mit Jupp die Erfolge haben, die wir uns alle wünschen", sagte Hoeneß bei der offiziellen Präsentation seines "alten Kumpels".

Nur fünf Spiele hat der frühere Nationalspieler Heynckes, der in seiner ersten Amtszeit in München von 1987 bis 1991 zweimal die Deutsche Meisterschaft gewinnen konnte, Zeit, um das Mindestziel Champions League zu erreichen und "die psychologischen Barrieren" (Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge) zu beseitigen und "die Bremsen" (Hoeneß) zu lösen.

Ausgerechnet gegen Gladbach

Dass er sich in der Lage sieht, in einer "außergewöhnlichen Situation" den Umschwung einzuleiten, machte Heynckes gleich deutlich. Es sei viel Potenzial vorhanden, "um auch kurzfristig etwas ändern zu können. Ich glaube, dass ich der Mannschaft wieder ihr Selbstvertrauen zurückbringen kann. Ich werde meine ganze Erfahrung und mein Know-how einbringen."

Bis zum Spiel am Samstag ausgerechnet gegen seinen Ex-Club Borussia Mönchengladbach ("Das ist kein Traumstart") will Heynckes viele Einzelgespräche führen und die Spieler überzeugen, "dass sie besser sind als sie es in den vergangenen Wochen gezeigt haben".

Gerland kennt viele Spieler

Auf Details wie Taktik oder Aufstellung wollte er am Dienstag noch nicht eingehen: "Ich will mir erst ein Bild machen und sehen, wie lebendig die Spieler im Training sind." Gerland verdeutlichte aber schon einmal, dass es ratsam sei, in dieser Situation "auf erfahrene Spieler zu setzen". Ansonsten will sich der bisherige Coach des FC Bayern II unterordnen: "Jupp ist der Chef, der mir sagt, was ich zu tun habe. Aber ich glaube schon, dass ich den Spielern etwas sagen kann und sie das annehmen."

Seinen Vorgänger Klinsmann will Heynckes, der 1998 mit Real Madrid sogar die Champions League gewonnen hat, nicht kontaktieren. "Ich kenne die Mannschaft, ich habe den FC Bayern immer verfolgt. Ich habe in meiner Karriere noch nie Rücksprache gehalten. Ich kann die Situation selbst einschätzen", betonte Heynckes.

Kahn ist zuversichtlich

Auch Ex-Keeper Oliver Kahn hat volles Vertrauen in Heynckes und Gerland. "Es sind zwei Leute, die den Club und seine Mechanismen kennen", meinte Kahn und fügte an: "Ich gehe davon aus, dass Bayern noch relativ leicht Meister wird."

Heynckes hielt sich dagegen mit vollmundigen Versprechungen zurück: "Unser Ziel muss die direkte Qualifikation zur Champions League sein. Da muss der FC Bayern dabei sein. Ansonsten ist zuletzt genug erzählt worden. Wir müssen gegen Gladbach top vorbereitet sein, dann sehen wir von Spiel zu Spiel weiter." Das Tabellenbild sage auf jeden Fall aus, "dass noch fünf Teams Deutscher Meister werden können. Ich weiß, dass Ergebnisse kommen müssen."

Zuletzt gesundheitlich angeschlagen

Dass er nach seinem Abschied bei Gladbach im Januar 2007 überhaupt noch einmal auf die Trainerbank zurückkehrte, sei zwar nicht seine "Lebensplanung" gewesen, vielmehr ein "Freundschaftsdienst für den FC Bayern und für Uli". Gladbach, Bilbao und die Bayern seien für ihn "besondere Clubs". Deshalb habe er nach Rücksprache mit seiner Frau Iris auch zugestimmt.

Gesundheitliche Probleme, die ihn in den vergangenen eineinhalb Jahren beeinträchtigt hätten, habe er überwunden, berichtete Heynckes. Deshalb sei der Zeitpunkt optimal gewesen. Dass er aber auch nach der Saison weiter als Trainer arbeiten wird, schloss der 63-Jährige aber schon einmal aus. Seine ganze Konzentration gelte derzeit ohnehin nur dem Saison-Endspurt und dem FC Bayern: "Ich denke, dass wir die vier Wochen in Harmonie überstehen."