Gelsenkirchen - Dieser Mann ist ein Phänomen. Der Kölner Mittelstürmer Anthony Modeste erzielte beim überraschenden 3:0-Auswärtscoup des 1. FC Köln auf Schalke bereits seinen sechsten Saisontreffer. Dafür wählten ihn die User von bundesliga.de mit großem Abstand und 49 Prozent der Stimmen zum Spieler des Spieltags.

Auf dem 2. Platz landet Robert Lewandowski vom deutschen Rekordmeister FC Bayern mit 13 Prozent. Dritter mit 11 Prozent der Stimmen wird Herthas Vedad Ibisevic.

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Von Null auf Hundert

Über Anthony Modeste gibt es in Köln keine zwei Meinungen. Sportlich übertrifft er alle Erwartungen, als Stimmungskanone reißt er seine Teamkollegen mit. Der 27-Jährige startete von Null auf Hundert durch und schlug beim FC glänzend ein.

Er überzeugte schon in der Vorbereitung und traf im ersten Pflichtspiel beim 4:0 im Pokal in Meppen gleich drei Mal. Auch in die Bundesliga übertrug er seine starke Frühform. Modeste war in sieben der acht Partien mindestens an einem Treffer direkt beteiligt und sammelte insgesamt acht Scorer-Punkte (sechs Tore, zwei Torvorlagen).

Und Modeste schoss wichtige Tore: Kein Ligaspieler traf in dieser Saison so oft zum 1:0 (vier Mal) wie der Franzose. Je drei Mal traf Modeste per Kopf oder nach einer Flanke. Insgesamt war Modeste an elf der 17 Kölner Pflichtspieltore dieser Saison beteiligt. Von seinem Vorgänger Anthony Ujah spricht in der Domstadt schon lange niemand mehr. "Er ist extrem robust, hat ein gutes Tempo und ist in der Luft kaum zu verteidigen", schwärmt FC-Geschäftsführer Jörg Schmadtke von seinem Topeinkauf. "Er ist in der Lage, die Bälle gezielt weiterzuleiten, so verschafft er den Mitspielern viele Räume".

 "Anthony ist ein komischer Vogel"

© gettyimages / Christof Koepsel

Die Teamkollegen kennen diese Vorzüge und setzen Modeste gut in Szene. "Wenn er die Dinger vorne kriegt, braucht er nicht viele Chancen, dann klingelt es", lobt Kevin Vogt den Sturmtank. Aber nicht nur das. Er hält auch vorne die Bälle hält und sorgt für Entlastung. "Er ist immer anspielbereit", ergänzt Yannick Gerhardt. "Wenn wir in der Bedrouille sind, können wir einen langen Ball auf ihn spielen. Er macht die Bälle super fest, und zudem knipst er fast in jedem Spiel. Er tut uns sehr gut." Nicht nur seine Tore machen ihn so wertvoll, auch als Typ bereichert er den FC ungemein.

"Anthony ist ein komischer Vogel. Er hat immer gute Sprüche auf Lager und kann auch schon viel besser deutsch als er in der Öffentlichkeit zugibt", berichtet Gerhardt weiter. "Er schreit im Bus immer irgendwas, davon versteht man nicht mal die Hälfte. Er macht immer auf sich aufmerksam und das ist auch gut so." Unvergessen ist auch Modestes Auftritt beim Saisoneröffnungsfest des FC, als er seinen kompletten Bühnenauftritt per Selfiestick selbst filmte und die Hymne mitschmetterte.

Dem lustigen Einstand ließ er weiter fleißig Taten folgen. Er holte in Stuttgart und gegen Hamburg beide Elfmeter für den FC heraus und verwandelte sie anschließend gleich selbst. Modeste agiert immer in vorderster Front und lief dabei ligaweit am häufigsten ins Abseits (16 Mal).

Im Schnitt alle 148 Minuten ein Tor

Warum es in Hoffenheim für ihn nicht richtig funktionierte und die Kraichgauer ihn ziehen ließen, ist den Kölnern ein Rätsel. 19 Tore in 55 Spielen gelangen ihm dort, die Quote war nicht schlecht. Inzwischen erzielte Modeste in seiner Bundesliga-Karriere im Schnitt alle 148 Minuten ein Tor. Er ist damit effektiver als Spieler wie Thomas Müller, Jupp Heynckes, Rudi Völler, Giovane Elber, Claudio Pizarro, Ulf Kirsten, Uwe Seeler, Klaas-Jan Huntelaar, Toni Polster und Karl-Heinz Rummenigge.

Modeste hätte sogar noch deutlich mehr Tore auf dem Konto haben können, vergab in der Bundesliga jedoch 19 von 32 Großchancen. Letzte Saison ließ einzig Lewandowski mehr Hundertprozentige aus als der Franzose (acht von elf), der immer wieder richtig stand, vor dem Tor aber mehrmals patzte. In dieser Saison hat er sich aber auch in dieser Beziehung verbessert, war bisher sehr effektiv (drei von drei Großchancen genutzt).

"Dass Anthony sich regelmäßig Chancen erspielt, habe ich schon erwartet", sagte Stöger nach dem Spiel auf Schalke. "Das ist seine Qualität. Dass er aber immer trifft, ist schon ein bisschen überraschend." Aus Kölner Sicht kann das gerne so weiter gehen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Tobias Gonscherowski