Dortmund - Tief enttäuscht, verunsichert, ratlos: Vor dem "Abstiegsgipfel" beim SC Freiburg am Samstag präsentiert sich Borussia Dortmund mehr als angeschlagen. Und wer Nuri Sahin nach dem erneuten Tiefpunkt auf dem Platz, nach dem 0:1 gegen Augsburg, in den Stadionkatakomben im Interview erlebt hat, der bekam einen intensiven Einblick in das derzeitige Gefühlsleben des taumelnden BVB und seiner Spieler.

Mit leiser, brüchiger Stimme hatte der Mittelfeldstratege das Spiel analysiert, dabei nach Erklärungen gerungen. Zwischendurch fehlten ihm schlicht die Worte für das, was da in der zweiten Halbzeit gegen Augsburg passiert war. Und immer wieder kam Sahin kopfschüttelnd und fassungslos ein Satz über die Lippen: "So etwas darf uns einfach nicht passieren."

"Immer die falschen Entscheidungen getroffen"

Zuversicht und Hoffnung, die in der Winterpause mühsam wieder gewachsen waren, sind in Dortmund einer Mischung aus Enttäuschung und Angst gewichen. Auf dem Platz und auf den Rängen. Mit einem wütenden Pfeifkonzert hatten die Fans die Spieler nach der Niederlage abgestraft für das, was Jürgen Klopp einen Tag später so formulierte: "Im richtigen Moment das Richtige zu entscheiden, gelingt uns zu selten." Was auch Sahin so sieht: "Nach dem Gegentor sind wir hektisch geworden, haben fast immer die falschen Entscheidungen getroffen. Die zweite Halbzeit war katastrophal."

Mit jeder Minute war die Verunsicherung spürbarer geworden, hatte die Angst erst die Köpfe und dann auch die Füße gelähmt. Planlos und kopflos war die Mannschaft in Überzahl über den Platz gestolpert. Unkontrollierte Flanken aus dem Halbfeld, Fehlpässe über zwei, drei Meter, Abschlüsse vor dem Tor, die eher einer Rückgabe glichen.

Fehler, die zwar aus einer komplett angeknacksten Psyche resultieren, die man aber eben auch immer wieder selbst macht und damit auch selbst zu verantworten hat. "Wir dürfen nicht das Gefühl entwickeln, dass sich die Welt gegen uns verschworen hätte", stellte Jürgen Klopp klar: "Wir haben massiven Anteil an der ganzen Geschichte."

Klopp fordert Mut und Tore

Darum hat der Coach seine Spieler vor dem Duell im Breisgau auch in die Pflicht genommen. Fehler hin oder her, bei allem Verständnis für Angst oder Unsicherheit - Klopp erwartet ein anderes Auftreten von vermeintlichen Leistungsträgern: "Man kann Verantwortung immer abgeben. Wir müssen das Ganze mutiger angehen."

Vor allem die mangelnde Torgefahr soll und muss in Freiburg endlich ein Ende haben. In zwei Spielen nach der Winterpause blieb der BVB komplett ohne Treffer. "In der Abschlusskonsequenz haben wir den allermeisten Nachholbedarf. Und das bezieht sich auf alle Offensivspieler", zählte der Trainer auch Marco Reus an, der mit einer lethargischen und fast lustlosen Leistung gegen Augsburg das Negativbeispiel des Tages abgegeben hatte.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte