München - Für Mario Gomez war es eine ungewohnte Situation: Nach einer Sprunggelenks-Operation Anfang August musste der Bayern-Stürmer im ersten Saisondrittel die Füße stillhalten. Statt auf dem Rasen auf Torejagd zu gehen, saß Gomez auf der Tribüne oder im Fernsehsessel. Dabei sah er die imposante Erfolgsserie seiner Teamkameraden, die sich mit zehn Siegen in elf Spielen in die Annalen der Bundesliga ballerten.

Was für alle Bayern-Verantwortliche und -Fans ein Grund zum Jubeln ist, stellt sich für Gomez schon etwas ambivalenter dar. Denn während sich der deutsche Nationalstürmer in der Reha schindete, betrieben Mario Mandzukic und Claudio Pizarro Werbung in eigener Sache. Der Kroate, vor der Saison vom VfL Wolfsburg gekommen, steht mit acht Treffern an der Spitze der Bundesliga-Torschützenliste. Und "Pizza", der aus Bremen zurück an die Isar wechselte, überzeugte zuletzt in der Champions League, als er gegen Lille einen Dreierpack schnürte.

"Am Ende habe immer ich gespielt"



Nun, da das Comeback von Gomez in Reichweite rückt, ist die Position im Sturmzentrum noch umkämpfter - und Gomez meldet erste "Besitzansprüche" an. "Ich werde wieder treffen, wie ich will", kündigt "Super-Mario" forsch an. "Man vergisst oft, dass ich mich auch schon gegen Luca Toni, Miro Klose und Ivica Olic durchgesetzt habe."

Dass er sich einem Konkurrenzkampf angeblich nicht stellen wolle, dementiert Gomez heftig. "Ich habe in der Nationalmannschaft Klose schon seit Jahren als Konkurrenten. Es wird immer so getan, als sei ich nicht konkurrenzfähig - das stimmt aber nicht."

Kritik wie von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der ihn als "gut, aber nicht sehr gut" klassifiziert hatte, sei "nichts Verwerfliches", sagte Gomez. Insgesamt könnten sich Verein und Trainer doch nun, da er zurück sei, über eine "super Situation" freuen. Alle drei Stürmer hätten die Qualität zu spielen, das sei für ihn nichts Neues. "Aber am Ende", wurde Gomez nicht müde zu betonen, "habe ich trotzdem immer gespielt."

Vier Tore im Testspiel



Dass er sich in Form brachte und zurecht mit den Hufen scharrt, bewies Gomez am Dienstagabend, als er beim 6:0-Sieg im Testspiel gegen Landesligist FC Falke Markt Schwaben vier Treffer erzielte. Überbewerten wollte Gomez den "Freizeitkick" allerdings nicht: "Das Spiel war nicht so fordernd. Es ist etwas anderes als eine Trainingseinheit, nichtsdestotrotz war die Intensität nicht unbedingt hoch."

Wie lange es dauern wird, bis er wieder bei 100 Prozent ist, konnte und wollte er nicht sagen. Er habe noch nie eine so lange Zwangspause einlegen müssen, wie nach dem Eingriff am linken Sprunggelenk am 7. August. "Es war die erste Operation in meinem Leben", sagte Gomez und versprach: "Ich werde mich so in die Spur bringen, dass ich wieder wichtig für die Mannschaft bin."

Jupp Heynckes ist zufrieden



Möglicherweise kann er das bereits am Samstag im Derby beim 1. FC Nürnberg unter Beweis stellen. Einem Kurzeinsatz stehe von seiner Seite nichts im Wege, er fühle sich gut, das operierte Sprunggelenk mache keine Probleme. Die Entscheidung liegt bei Trainer Jupp Heynckes, der allerdings schon vor Wochen betont hatte, Gomez werde sich "sicher nicht hinten anstellen" müssen, wenn er wieder da sei. Den ersten Auftritt seines Stürmers lobte er als "prima", Gomez habe "eine Stunde gut gespielt. Wir haben das erreicht, was wir mit dem Test erreichen wollten".

Rücktrittsgedanken hegt Gomez trotz seiner ersten längeren Verletzungspause noch keine - im Gegenteil. "Solange mich meine Füße tragen, werde ich kicken." Dass dies in absehbarer Zeit im Bayern-Sturm passiere, daran lässt Mario Gomez keinen Zweifel - auch wenn dies seine Sturmkollegen vielleicht ein bisschen anders sehen.

Von der Säbener Straße berichtet Johannes Fischer