Seit über zehn Jahren gehören sie zu den Heimspielen des 1. FC Köln wie der Geißbock Hennes oder die FC-Hymne. Sie stimmen die Fans im RheinEnergieStadion mit teilweise akrobatischen Tanzeinlagen auf das Spiel ein und stehen Spalier, wenn die Mannschaften einlaufen. Sie sind die "Cheerleader" des 1. FC Köln.

Einmal im Jahr findet das große Casting statt. Rund 500 Bewerberinnen aus Köln und Umgebung träumen davon, in die vielleicht beliebteste Tanzgruppe der Domstadt aufgenommen zu werden. Doch das Auswahlverfahren ist hart.

FC-Profis entscheiden mit

"Von den 500 Bewerberinnen trauen sich etwa 300 zum Training", erzählt Barbara Weinreich, die 1. Vorsitzende des eigenständigen Vereins "Cheerleader des 1. FC Köln": "Davon laden wir wiederum rund 150 Kandidatinnen zum Vortanzen beim Casting ein. Tatsächlich genommen werden am Ende 55 Mädels."

Neben ihren tänzerischen Fähigkeiten und der nötigen Fitness müssen die jungen Frauen im Alter zwischen 17 und 30 Jahren ein gepflegtes, attraktives Aussehen, eine gewisse Ausstrahlung und Spaß an der Musik mitbringen. Wer es dann schließlich in die Tanzgruppe schafft, entscheidet beim Casting eine mehrköpfige Jury, zu der auch schon öfter FC-Profis wie Matthias Scherz oder Carsten Cullmann zählten.

Zweimal in der Woche trainieren die Cheerleader zwei Stunden in den Sporthallen des Boxcamps neben dem alten Marathontor in unmittelbarer Nähe des Stadions. Ihr Repertoire besteht aus mehreren einstudierten Programmen, die bis zu 20 Minuten lang sind.

Sechsfache Gewinner des "Närrischen Oscars"

Sie treten nicht nur bei jedem Wetter bei den Heimspielen des 1. FC Köln auf, sondern auch gerade in der Karnevalszeit bei zahlreichen weiteren Veranstaltungen. Die Mädels sind so gut, dass sie in den vergangenen Jahren sechs Mal den "Närrischen Oscar" für die beste Tanzgruppe im Karneval der Kölner Zeitung "Express" gewonnen haben.

Von den FC-Fans werden die Cheerleader längst akzeptiert und gefeiert. "Bei der letzten Saisoneröffnungsfete hatten wir unseren eigenen Stand", erzählt Nadine Staßen: "Da haben wir 15.000 Cheerleader-Poster an die Fans verteilt." Seit dem Jahr 2000 ist sie bei der Tanzgruppe dabei, vorher tanzte die 23-jährige Verwaltungskauffrau bereits auch vor Spielen der American Footballer "Cologne Crocodiles".

"Die Aufstiege waren am Schönsten"

Auch Jeannine Horres (25) genießt die Auftritte vor der Südkurve. Sie feierte bereits ihr Zehnjähriges als Cheerleader und trainiert inzwischen auch eine Jugendgruppe. Denn neben den "Profis" gibt es auch Tanzgruppen für Kinder (bis 10 Jahre) und Jugendliche (bis 16 Jahre).

Die schönsten Momente waren die Aufstiege des 1. FC Köln in die Bundesliga. "Ansonsten ist bei normalen Spielen die Stimmung in den Derbys gegen Mönchengladbach und Leverkusen am besten", sagt Cathi Haastert. Die 23-jährige BWL-Studentin stieß mit einer Schulfreundin vor sechs Jahren zu den Cheerleadern.

Ganz egal wie lange die Mädels bei den Cheerleadern bereits aktiv sind, alle müssen sich dem jährlichen Casting stellen und ihren Platz "behaupten". Erbhöfe gibt es nicht. Wer die Tänze oder die anspruchsvollen Figuren oder Stunts wie die bekannte Pyramide nicht mehr schafft, hat schlechte Karten.

Kurze Auftritte - lange Vorbereitung

Die Auftritte im Stadion sind relativ kurz. Die Tanzeinlage zu kölschen Liedern dauert zwei bis drei Minuten und findet an normalen Bundesliga-Samstagen meistens gegen 15:10 Uhr statt. Treffpunkt in der eigenen Kabine im Stadion ist aber bereits gegen 12:30 Uhr.

Dann stehen Umziehen, Schminken und Stylen auf dem Programm, die Mädels werden eingeteilt, das Programm wird noch einmal durchgegangen. Ab 14 Uhr sind sie im Stadion-Innenraum und auch bei Sponsorenterminen zugegen. Es folgt die Tanzaufführung, danach stehen sie Spalier beim Einlaufen der Teams. Wenn in der Halbzeit kein weiterer Auftritt geplant ist, haben sie Feierabend.

"Liebe, Stolz und Verbundenheit zur Stadt und zum Verein"

Streng verboten ist den Mädels übrigens der Kontakt zu den Profis des 1. FC Köln. Weder im Stadion noch bei anderen Anlässen dürfen die Cheerleader Kontakte zu den Kickern knüpfen. Bisher haben sich alle daran gehalten.

Schließlich sind sich alle auch ihrer Verantwortung bewusst, offiziell den 1. FC Köln vertreten zu dürfen. Und auch der Ehre, den Namen des Clubs im eigenen Vereinsnamen "Cheerleader des 1. FC Köln e.V." und auch das Kölner Stadtwappen auf ihren Outfits tragen zu dürfen.

Fast schon etwas pathetisch steht auf ihrer Homepage (www.fc-cheerleader.de): "Die Cheerleader verstehen sich als Vertreter beider Institutionen, des 1. FC Köln und der Stadt Köln. Untrennbar zusammengehörend stehen sie für: Liebe, Stolz und Verbundenheit zur Stadt und zum Verein." Und außerdem sind sie eine Bereicherung für die Bundesliga.

Tobias Gonscherowski