Köln – Dreierkette oder sogar eine Fünferkette? Beim Blick auf den Aufstellungsbogen wurde noch nicht ganz klar, wie Andre Schubert die Bayern stoppen wollte. Die Wahrheit lag beim 3:1-Triumph der Fohlen gegen den Rekordmeister wie so oft in der Mitte.

Drei Innenverteidiger plus zwei Außenverteidiger ergibt in der Schubertschen Arithmetik eine flexible Viererkette. Ist doch logisch, oder?

Zum ersten Mal in dieser Saison ging Borussia Mönchengladbach mit drei Innenverteidigern in ein Spiel. Bemerkenswert dabei: Mit Nico Elvedi schenkte Schubert einem 19-Jährigen das Vertrauen, der ausgerechnet gegen die Bayern sein Startelf-Debüt in der Bundesliga feierte. Und das machte der Schweizer ausgezeichnet. Dazu ließen sich die etatmäßigen Außenverteidiger Oscar Wendt und Julian Korb je nach Spielsituation zurückfallen. Im Fachjargon nennt man das eine wippende Viererkette. Und auf dieser Schaukel fühlten sich die Bayern mit zunehmender Spieldauer immer unwohler.

Schubert auch mit Fortuna im Bunde

© gettyimages / Lars Baron

Grundsätzlich verteidigte die Borussia gegen die Bayern deutlich risikofreudiger als die meisten Gegner in dieser Saison. Oft kam es zu Eins-Gegen-Eins-Situationen – und dort bewährten sich die Defensivspieler mit Bravour. Gerade in der ersten Hälfte benötigte die Borussia auch das nötige Schlachtenglück, um nicht in Rückstand zu geraten. Auf dieses Schlachtenglück scheint Schubert derzeit allerdings ein Abonnement zu haben. 22 Torschüsse münzten die Bayern nur zu einem Treffer um. Bislang war die Elf von Pep Guardiola deutlich effektiver.

Trotz der Schwerstarbeit in der Defensive setzten die Mönchengladbacher Abwehrspieler auch entscheidende Akzente im Spiel nach vorne. Elvedi und Korb legten jeweils einen Treffer auf. Oscar Wendt brachte Gladbach mit dem platzierten Rechtsschuss zum 1:0 in Führung. Auch dank dieses Treffers steht die Borussia in dieser Saison erstmals unter den ersten Drei.

Schubert jagt Guardiola

Dieser Sturm an die Spitze ist eng mit Andre Schubert verbunden. Seit der 44-Jährige bei der Elf vom Niederrhein auf der Bank sitzt, hat die Borussia sogar einen Zähler mehr geholt als der FC Bayern München. Zudem musste Schubert als einziger Trainer der glanzvollen Mönchengladbacher Bundesliga-Geschichte in seinen ersten zehn Partien keine Niederlage hinnehmen (acht Siege, zwei Remis). Seine Siegquote in der Bundesliga wird nur von Pep Guardiola übertroffen. Schubert gewann bislang 80, Guardiola 81 Prozent seiner Partien.

Durch die starke Serie hat die Borussia die fünf Niederlagen zum Saisonstart mehr als wett gemacht. Mittlerweile hat die Truppe von Andre Schubert zwei Punkte mehr geholt als zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison. Und die letzte Spielzeit endete mit dem dritten Rang und der erstmaligen Qualifikation zur Champions League äußerst erfolgreich. Eine Wiederholung scheint derzeit nicht ausgeschlossen. Egal, ob mit wippender oder konventioneller Viererkette.

Florian Reinecke