Sinsheim - Durch den ersten Heimsieg gegen Hannover 96 verließ die TSG Hoffenheim den letzten Tabellenplatz und gewann durch das 1:0 vor 25 531 Zuschauern wieder Hoffnung und Anschluss an die anderen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel. Die Erleichterung war natürlich auch bei Nadiem Amiri groß.

Es war der erste Sieg für Trainer Huub Stevens, seit er vor sechs Spieltagen das Amt von Markus Gisdol übernommen hat. Für den 19-Jährigen Amiri bedeutete der Trainerwechsel eine Wende: Unter Gisdol kam der technisch starke Spielmachertyp nur auf elf Minuten Einsatzzeit.

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Seit Stevens das Sagen hat, aber spielte Nadiem Amiri in allen sechs Partien, zuletzt vier Mal hintereinander von Beginn an. Auch gegen Hannover blieb der in Ludwigshafen geborene deutsche U 20-Nationalspieler mit afghanischen Wurzeln bis zum Abpfiff auf dem Platz und war bei sechs von 14 Torschüssen der TSG beteiligt. Stevens baut auf die Fähigkeiten des schnellen und laufstarken Spielers, der auch in 1:1-Situationen immer wieder Stärke beweist. Amiri erzählte jüngst, Stevens sage ihm immer, er solle frech sein. Er habe nichts zu verlieren, sei jung: "Der Trainer sagt, ich darf Fehler machen, ich soll mir was zutrauen."

"Man muss den Schweinehund überwinden"

Und Amiri scheint schnell zu lernen. Stevens bäffte ihn nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt an, nachdem er den Ball in der eigenen Hälfte verloren hatte - seither ist das Amiri nicht mehr passiert. Sein bisher bestes Spiel absolvierte Amiri beim 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach, in dem er einen Treffer selbst erzielte und die beiden anderen vorbereitete. In dieser Partie hatte er trotz einer Wadenverletzung auch die besten Laufwerte aller Profis: 11, 1 Kilometern. „"Laufen kann ich", erzählte Amiri damals: "Aber ich hatte Probleme in der Wade schon vor dem Spiel, deshalb bin ich in der Halbzeit akupunktiert worden. Man muss halt den inneren Schweinehund überwinden können." Amiri ist ein Spieler, der es in der Bundesliga packen will, er fordert immer den Ball, bietet sich immer an und versteckt sich nicht. Dieser Junge strahlt Selbstvertrauen aus. Bereits in der vergangenen Runde kam Amiri zu sieben Kurz-Einsätzen in der ersten Mannschaft. Sein Talent wird schon lange geschätzt, 2014 schoss er die A-Jugend der TSG mit zwei Treffern gegen Hannover (Endstand: 5:0) zur Deutschen  Meisterschaft. Auch unter den Mitspielern im Profiteam hat sich der lebensfrohe Junge längst Respekt erarbeitet. 

Amiri soll die Lücke auf der "Zehn" schließen

Vor dreieinhalb Jahren lotste der heutige TSG-Sportdirektor Alexander Rosen Amiri vom SV Waldhof Mannheim nach Hoffenheim. Nach dem Weggang von Roberto Firmino im Sommer zum FC Liverpool trauten die Hoffenheimer Verantwortlichen dem auch mit Antreiberqualitäten ausgestatteten Rechtsfuß zu, mittelfristig die Lücke auf der Zehnerposition zu schließen, die der brasilianische Nationalspieler hinterlassen hat. Derzeit deutet Nadiem Amiri in seiner ersten Profisaison an, dass er gewillt ist, diese Erwartungen erfüllen zu wollen.