München - Der Abstiegskampf in der 50. Bundesliga-Saison geht in die entscheidende Phase. Bremen, Düsseldorf, Augsburg oder Hoffenheim - wen erwischt es? Mit 333 Spielen als Spieler und fünf Trainerstationen in der Bundesliga ist Ewald Lienen ein absoluter Experte in Sachen Abstiegskampf.

Hatte zur Winterpause wohl kaum jemand darauf gewettet, dass der FCA mit der mageren Ausbeute von nur zehn Punkten Rückstand auf Rang 15 den Weg ins Unterhaus noch vermeiden können, so kämpfen jetzt vier Teams gegen den Absturz - eines muss in die Relegation, für eines geht es direkt runter. Lienen analysiert für bundesliga.de die Lage.

bundesliga.de: Herr Lienen, drei Spieltage vor Ende der Saison trennen Werder Bremen auf Rang 14 und 1899 Hoffenheim auf dem direkten Abstiegsrang 17 fünf Punkte. Genügt Bremen der Vorsprung?

Ewald Lienen: Nein, die Bremer täten gut daran, noch den ein oder anderen Punkt zu holen.

bundesliga.de: In der Rückrunde hat Bremen gerade mal zehn Punkte gesammelt - Platz 16 der Rückrundentabelle. Woran liegt es?

Lienen: Die Bremer haben Probleme in der Abwehr, die sie die ganze Saison über nicht in den Griff bekommen haben. Und Werder fehlen offensichtlich absolute Führungsspieler. Und ich vermisse eine klare Hierarchie. Die ist gerade im Abstiegskampf unwahrscheinlich wichtig.

bundesliga.de: Ist Thomas Schaaf eventuell zu lange im Amt, so dass er die Spieler kaum noch überraschen kann?

Lienen: Wie lange ist er jetzt im Amt? 14 Jahre. Und was 13 Jahre gut ist, soll im 14. Jahr auf einmal schlecht sein? Nein, es hat so lange gut funktioniert. Phasen, in denen es nicht so gut läuft, gibt es immer wieder mal. Außerdem hatte Bremen vielleicht nicht das ganz glückliche Händchen, was die Neuverpflichtungen betrifft.

bundesliga.de: Wie wirkt sich das Verhalten und die Suspendierung bis Saisonende von den Leistungsträgern Marko Arnautovic und Eljero Elia auf die Mannschaft aus?

Lienen: Die Entscheidung des Vereins, die beiden zu suspendieren, ist absolut richtig. So was macht man nicht. Das ist absolut kontraproduktiv und völlig daneben. Andererseits bleibt für Bremen nur zu hoffen, dass das die Mannschaft zusammenschweißt und es zu einer Art "Jetzt erst recht"-Gefühl kommt.

bundesliga.de: Werder spielt noch gegen Hoffenheim und Frankfurt, bevor es nach Nürnberg geht. Wie beurteilen Sie das Restprogramm der Bremer?

Lienen: Das wichtigste Spiel steht am Samstag an - mit einem Sieg sind sie durch. Aber sie haben nun neun Spiele in Folge nicht gewonnen. Und Hoffenheim wird voll dagegenhalten.

bundesliga.de: Kommen wir zu Fortuna Düsseldorf: nur neun Punkte in der Rückrunde, genau so wenig wie sonst nur noch Absteiger Fürth. Neun Punkte Abstand zu Relegationsrang 16 waren es zur Winterpause, jetzt ist die Fortuna punktgleich mit Augsburg ...

Lienen: Für Düsseldorf tut es mir leid. Sie leben von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit, aber Norbert Meier musste immer wieder umstellen. Sie hatten viel Verletzungspech.

bundesliga.de: Neuzugänge und Abgänge jeweils im zweistelligen Bereich: War ein so großer Umbruch nach dem Aufstieg ein wenig zu heftig?

Lienen: Mit Sascha Rösler, Assani Lukimya und Maximilian Beister haben wichtige Leistungsträger der Aufstiegssaison den Verein verlassen, da musste man reagieren. Leider hat nicht jeder Neuzugang die Erwartungen erfüllt. Das beste Beispiel ist Andriy Voronin, der leider seine alte Klasse nicht bestätigen konnte.

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Das Gespräch führte Jürgen Blöhs