Frankfurt - Sven Bender erzählte  nach diesem erneut "ganz bitteren Tag" für Borussia Dortmund, es sei nach dem Abpfiff in der Kabine sehr unangenehm und sehr ruhig gewesen. Man könne ja nach so einem Spiel auch nicht viel sagen, meinte der Dortmunder Mittelfeldspieler.

Mit 0:2 hatte Borussia Dortmund gerade bei Eintracht Frankfurt verloren. Es war die achte Pleite des BVB in dieser Saison, 13 Spiele sind gespielt und Dortmund ist Tabellenletzter der Bundesliga. Mit nur elf Punkten. Das müssen in Dortmund erst einmal alle verdauen.

"Machen es den Fans nicht leicht"

Zum ersten Mal schlug den BVB-Profis nach dem Spiel beim Gang in die Kurve Enttäuschung entgegen. Trainer Jürgen Klopp hatte dafür Verständnis, er sagte: "Wir machen es unseren Fans ja auch nicht leicht. Dass wir uns das Vertrauen wieder zurückarbeiten müssen, ist klar. Aber das Argument, die Mannschaft strengt sich nicht an, zieht nicht."

Es stimmte: Dortmund spielte in Frankfurt nicht schlecht, aber wie schon in den letzten Wochen einfach nicht effektiv genug. Die Eintracht schoss die Tore, schon nach fünf Minuten traf Alexander Meier zur Führung für Eintracht Frankfurt. "Das war die denkbar ungünstigste Spielentwicklung in unserer Situation", haderte Klopp mit dem "frühzeitigen Nackenschlag". Das Tor hat seiner Mannschaft wehgetan, sie brauchte 20 Minuten bis sie wieder Dominanz entwickelte.

Lockerheit kommt einfach nicht wieder

Vor allem in der zweiten Halbzeit drückte Dortmund auf den Ausgleich. Doch zwölf Minuten vor Abpfiff nutzte Haris Seferovic ein Missverständnis zwischen BVB-Innenverteidiger Matthias Ginter und Torwart Roman Weidenfeller zur Entscheidung. Der Gegner müsse nicht viel tun, um Tore gegen seine Mannschaft zu schießen, ärgerte sich Klopp. Doch Klopp wollte nicht komplett den Stab über seine Spieler brechen. Seine Mannschaft habe versucht, sich zu überwinden. Die Spieler gingen zwar weiterhin mit Selbstvertrauen auf den Platz, aber das verlieren sie dann während des Spiels, beobachtet Klopp.

Und diese fehlende Lockerheit merke man dann bei der Chancenverwertung. Es ist zum Verzweifeln für die Borussia: Wieder einmal wollten sie ihre Situation dramatisch verbessern, wie Klopp sagte - doch das sei wieder einmal nicht gelungen, ganz im Gegenteil. Sven Bender sagt: "Wir haben uns wieder einmal viel vorgenommen und sind wieder enttäuscht worden."

Dortmund kommt einfach nicht aus dem Tabellenkeller raus und ist nun sogar mindestens eine Woche lang Tabellenletzter (Tabelle). Doch Aufgeben gibt es nicht für Sven Bender, er stellt klar: "Selbstzweifel sind fehl am Platz. Es ist wichtig, immer noch Selbstvertrauen zu zeigen. Wir können ja alle kicken." Alle müssten nun zusammenstehen und gemeinsam mutig bleiben.

Die Angst vor dem BVB ist weg

Ähnlich denkt Klopp. Die Mannschaft müsse weiter an sich glauben: "Und wenn das keiner mehr tut, dann müssen wir das ganz alleine." Seine Elf habe wieder immer alles versucht, aber in manchen Momenten die falschen Entscheidungen getroffen. Doch die Gegner haben die Angst vor den Dortmunder verloren.

Nun steht der BVB kommenden Freitag im Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim noch mehr unter Druck. Die erhoffte Aufholjagd lässt weiter auf sich warten, die Stürmer treffen nicht, hinten kassieren sie weiter einfache Tore und das Publikum wird langsam ungeduldig. Hoffenheim ist da ein undankbarer Gegner, die Mannschaft kommt mit dem Rückenwind eines Sieges gegen Hannover. Dortmund wird es wieder versuchen. Aber wie sie diese erneute Pleite wegsteckt, ist eine spannende Frage. Ob Dortmund in Frankfurt endgültig seinen Tiefpunkt erlebt
hat?

Tobias Schächter