München - Die gute Nachricht für alle Fans des SV Werder Bremen: Inter Mailand ist schlagbar. Das hat der AS Rom am vergangenen Samstag beim 1:0-Sieg gegen den aktuellen Tabellenführer der italienischen Serie A bewiesen.

Doch wenn Bremen am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) gegen Inter sein zweites Gruppenspiel in der "Königsklasse" bestreitet, dann treffen die Hanseaten zweifelsohne auf die "Über"-Mannschaft des Jahres.

Erfolge über Erfolge

Meisterschaft, Pokal und Champions League - Inter Mailand hat in diesem Frühjahr alles abgeräumt, was es zu holen gab. Dazu gewannen im vergangenen Monat nur Inter-Spieler die begehrten UEFA-Trophäen für die besten Spieler der Saison und die Mannschaft triumphierte im italienischen Supercup.

Kein Wunder, dass die Mailänder auch in dieser Champions-League-Saison als Favorit gelten, denn die Mannschaft hat sich kaum verändert. Nur an einer Stelle gab es eine wichtige personelle Neubesetzung.

Neuer Trainer auf der Bank

Trainerstar Jose Mourinho hat Inter im Sommer verlassen und coacht nun Mesut Özil, Sami Khedira und Co. bei Real Madrid. Dafür holten die Mailänder Rafael Benitez nach San Siro.

Aber auch der Spanier gehört zu den Top-Trainern in Europa. 2005 holte er mit dem FC Liverpool den Champions-League-Pokal, mit dem FC Valencia gewann er zwei Mal die spanische Meisterschaft und ein Mal den UEFA-Cup.

Benitez' neuer Führungsstil

So sehr sich die Ansprüche ans Inter-Team, wie eine kompakte Defensive und ein schneller Konterfußball, bei Mourinho und Benitez auch gleichen, der Portugiese und der Spanier sind zwei vollkommen unterschiedliche Trainer-Charaktere.

Mit Mourinho verließen die immer wieder hochkochenden Emotionen die Seitenlinie, mit Benitez setzte sich der schon pedantische Fußballlehrer auf die Bank. Benitez liebt es, Gegner und Spiel auseinander zu nehmen und zu analysieren. Für jeden Gegner hat er gerne gleich mehrere Planspiele im Gepäck.

Der 50-Jährige gilt aber als schwierig im Umgang mit seinen Spielern, denn er möchte gerne alles unter Kontrolle haben. Doch bei Inter stehen fast ausschließlich ältere Spieler unter Vertrag, die schon einige Profi-Jahre hinter sich und Erfolge eingefahren haben. Die werden sich an den neuen Führungsstil erst noch gewöhnen müssen - erst Recht, wenn es bei den "Nerazzurri" mal nicht nach Plan läuft.

Die Erfolgsgaranten sind noch da

Die Mannschaft ist aber auch in diesem Jahr das höchste Gut der Mailänder, denn im Vergleich zur Triple-Saison 2009/10 gab es kaum Veränderungen. Die Erfolgsgaranten sind bis auf eine Ausnahme allesamt geblieben, lediglich Mario Balotelli wechselte in die Premier League zu Manchester City. Doch der Italiener hatte bei den Fans ohnehin einen sehr schweren Stand und spielte in der "Königsklasse" im vergangenen Jahr kein Spiel durch.

Die Prunkstücke der Mailänder sind die zum einen die starke Innenverteidigung mit dem ehemaligen Münchner Lucio und Walter Samuel, zum anderen die "Spieler des Jahres" Rechtsverteidiger Maicon, Mittelfeldwirbler Wesley Sneijder und Stürmer Diego Milito, der die Bayern im Champions-League-Finale quasi im Alleingang abschoss.

Nur ein Remis zum Auftakt

Noch läuft es allerdings nicht beim argentinischen Angreifer. Gegen Bremen droht Milito mit Oberschenkelproblemen auszufallen und unter Benitez schoss er in fünf Liga-Spielen erst zwei Tore, in der Champions League unterlief dem 31-Jährigen sogar ein Eigentor beim 2:2 gegen Twente Enschede.

Das Remis am ersten Spieltag ist aber kein schlechtes Omen für die Italiener. In der vergangenen Saison leistete sich Inter drei Unentschieden zum Auftakt der "Königsklasse".

Bremen kann sich also etwas ausrechnen bei Inter, wenn sie es schaffen, dass die Stars der Mailänder gar nicht erst zur Entfaltung kommen. Vielleicht klappt es ja mit der Taktik des AS Rom vom Samstag: hinten Beton anrühren, um vorne dann in der 90. Minute ein Joker-Tor zu erzielen. Werder-Coach Thomas Schaaf sollte es recht sein.

Jessica Pulter