Wolfsburg - Die Partie VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern München schien eigentlich schon vor dem Anpfiff gelaufen: In 27 Aufeinandertreffen in der Bundesliga verließen die Niedersachsen nur drei Mal als Sieger den Platz, 20 Mal feierten die Bayern.

FCB-Coach Louis van Gaal war in seiner Zeit bei den Süddeutschen gegen Wolfsburg stets siegreich aus diesem Duell hervorgegangen, was ihm sonst nur noch gegen Freiburg und Hannover gelang. Außerdem liegen die Norddeutschen zu Beginn der Rückrunde traditionell noch im Winterschlaf. Nur einmal in den vergangenen acht Jahren gab es im ersten Spiel des neuen Jahres einen Sieg.

Remis-Serie geht weiter

Da klammerte man sich bei den Gastgebern gegen den Rekordmeister, der von seinen letzten acht Partien vor der Winterpause nur eine verloren hatte, an den Strohhalm "Unentschieden". Die letzten sechs Bundesligaspiele hatte Wolfsburg aus jedem Spiel einen Punkt mitgenommen.

Ausgerechnet gegen den FC Bayern, der sich fest vorgenommen hatte, in Wolfsburg eine Siegesserie zu starten, fehlte den "Wölfen" erstmals der zu Manchester City abgewanderte Edin Dzeko. Der 24-Jährige war mit 66 Treffern in 111 Partien seit Sommer 2007 der torgefährlichste Spieler der Bundesliga.

Grafite, der gegen den FC Bayern im Meisterjahr 2009 das "Tor des Jahres" erzielt hatte, lief im 4-2-3-1-System von Trainer Steve McClaren als alleinige Spitze auf.

Friedrich endlich am Ball

Die Hoffnungen der Wolfsburger ruhten auf Arne Friedrich. Der zur Stabilisierung der Abwehr im Sommer aus Berlin verpflichtete Nationalspieler lief nach seiner Bandscheiben-Operation erstmals in der Bundesliga für seinen neuen Verein auf.

Mit Erfolg: Friedrich, mit 89 Prozent gewonnener Duelle mit Abstand zweikampfstärkster Spieler auf dem Feld, war von Beginn an Chef der Abwehr, die er wort- und gestenreich dirigierte.

"Ich spreche immer viel mit meinen Mitspielern. Zur Zeit natürlich noch viel mehr, denn das Zusammenspiel kann ja noch nicht funktionieren", verriet Friedrich bundesliga.de. "Das Verständnis wird von Spiel zu Spiel besser werden."

Als Mannschaft aufgetreten"

"Ich wusste nicht, wo ich stehe", sagte der Innenverteidiger weiter. "Ich freue mich, dass mein Rücken gehalten hat. Ich habe nichts gespürt."

Am Ende erkämpften sich die Wolfsburger ein 1:1, das Sascha Riether in der 87. Minute erzielte. Thomas Müller hatte die Gäste in der 7. Minute früh in Führung gebracht.
"Wir sind als Mannschaft aufgetreten", lautet das Fazit von Friedrich. Eine Einschätzung, die Dieter Hoeneß mit dem Ex-Herthaner teilt.

Wird Waldhof-Rekord eingestellt?

"So wie die Mannschaft gefightet hat, gibt es auch bald wieder einen 'Dreier'", ist der Manager sicher. Wolfsburg zog mit dem Remis mit Nürnberg und Saarbrücken gleich, die 2006/07 bzw. 1992/93 ebenfalls sieben Mal hintereinander mit einer Punkteteilung zufrieden sein mussten.

Sollte es mit dem "Dreier" am Samstag in Mainz nichts werden und es ein erneutes Unentschieden geben, würde der VfL mit Bundesliga-Rekorhalter Mannheim gleichziehen. Die Waldhöfer brachten in der Saison 1984/85 das Kunstück fertig, acht Mal in Folge remis zu spielen.

Jürgen Blöhs