Nichts Neues aus der Düsseldorfer LTU arena. Auch im siebten Bundesliga-Heimspiel blieb Bayer Leverkusen in seinem "Ausweichquartier" beim 2:2-Unentschieden gegen Arminia Bielefeld sieglos. In der Tabelle rutschte die "Werkself" damit auf Platz 9 zurück.

Zum Glück wird das Kapitel Düsseldorf bald zugeschlagen. Kein einziges "Heimspiel" konnte Leverkusen dort gewinnen, nicht einmal gegen die Abstiegskandidaten Frankfurt, Bochum, Karlsruhe oder Bielefeld.

Die Mannschaft, die in der Hinrunde noch so begeisternden Fußball zelebriert hatte, konnte in der Rückserie nur noch ganz vereinzelt an die starken Vorstellungen der Hinserie anknüpfen und das auch nur ausnahmslos auswärts: in Hoffenheim (4:1), Köln (2:0) oder auf Schalke (2:1) etwa.

Erst München, dann Mönchengladbach

"Einen Versuch haben wir ja noch", spielte Sportdirektor Rudi Völler in einer Mischung aus Sarkasmus und Erleichterung auf das Dauerthema Heimmisere an. Dann ist es überstanden. Am kommenden Samstag gastiert Borussia Mönchengladbach in der LTU arena und dürfte von der Fanunterstützung dort sicher in der Überzahl sein. Es könnte also wieder ein gefühltes Auswärtsspiel für Bayer Leverkusen werden.

Vorher treten die "Werkskicker" aber erst einmal am Dienstag beim deutschen Rekordmeister Bayern München an. Und in der Fremde muss man die Rheinländer durchaus ernst nehmen, reisen sie doch als das zweitbeste Auswärtsteam der Liga an. 26 Punkte holte Leverkusen auf fremden Terrain, acht Auswärtssiege konnte Bayer bislang verbuchen.

Bayer ist auswärts gefürchtet

"Damit haben wir unseren Vereinsrekord eingestellt", bemüht sich Bayer-Trainer Bruno Labbadia die positiven Aspekte dieser Spielzeit hervorzuheben. "Wir wollen in München ein sehr gutes Spiel machen und versuchen, da etwas mitzunehmen. Wir haben noch drei Spiele und das Pokalendspiel und wollen noch punkten."

Das Spiel gegen Arminia Bielefeld war fast symptomatisch für die bisherige Saison. Nach starkem Beginn und der Führung durch den elften Saisontreffer von Stefan Kießling brachte sich Bayer per Eigentor selbst aus dem Konzept. Dem Ausgleich folgte ein Treffer von Arminen-Youngster Robert Tesche, dem Bayer-Torjäger Patrick Helmes nur noch die erneute Egalisierung entgegen zu setzen hatte. Das 2:2 war wieder nicht Fisch und nicht Fleisch.

Hoher Aufwand, wenig Ertrag

"Unter dem Strich ist das Ergebnis für uns unzureichend", analysiert Bruno Labbadia. "Deswegen sind wir enttäuscht. Aber ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, weil sie gut Fußball gespielt hat." Aber wie so oft stand der hohe Aufwand, den Bayer betrieb, in keinem Verhältnis zum Ertrag.

"Wir werden einfach nicht belohnt", haderte Stefan Kießling. "Das ist keine Kopfsache. Wenn man die Spiele betrachtet, sieht man, dass wir immer auf ein Tor spielen. Und dann spielen wir nur unentschieden." Und das reicht eben nicht für höhere internationale Ansprüche.

Labbadia: "Es ist wie verhext!"

"Es ist wie verhext und schade, dass es so gekommen ist. Wir wussten, dass es nicht einfach wird in Düsseldorf. Aber dass wir so eine Serie haben, ist schon eigenartig", rätselt Bruno Labbadia. "Wir sind über den Ausgang der Rückrunde enttäuscht. Wir hätten nur einen Teil unserer Heimspiele gewinnen müssen. Dann weiß man, wo wir gelandet wären."

So aber versucht Bayer Leverkusen, die Serie so gut es eben geht zu Ende zu bringen und sie dann über das Hintertürchen Pokalendspiel doch noch zu retten. Vielleicht kann Routinier Bernd Schneider dazu noch einen kleinen Beitrag leisten. Nach 390 Tagen verletzungsbedingter Abstinenz feierte der 35-Jährige sein Comeback im Mannschaftskader. Für einen Einsatz gegen Bielefeld reichte es aber noch nicht, obwohl er von den Fans lautstark gefordert wurde.

22 seiner Gastspiele in München verloren

"Es wäre ein undankbares Spiel für ihn gewesen. Kein Spiel, das für ihn einfach gewesen wäre", begründete Labbadia seine Entscheidung, Schneider noch nicht zu bringen. "Der Bernd ist ein Jahr weg gewesen. Das wird ein bisschen unterschätzt. Das Letzte, was ich machen möchte, ist, ihn in so einem Spiel zu verbrennen."

Da gibt es sicher bessere Gelegenheiten. Vielleicht schon in München, wo Bayer Leverkusen 22 seiner 29 Gastspiele verlor und krasser Außenseiter ist. Dort kann Bayer eigentlich nur gewinnen.

Tobias Gonscherowski