"Für uns war es tödlich, dass wir so früh in Rückstand geraten sind", lautete die Kernanalyse von Trainer Armin Veh, nachdem der VfB Stuttgart vor eigenem Publikum gegen den Aufsteiger aus Köln mit 3:1 verloren hatte.

Wäre der VfB nicht früh in Rückstand, sondern früh in Führung gegangen, dann hätten die Schwaben nun wohl drei Zähler mehr auf dem Konto.

Stuttgart kommt nicht in die Gänge

Schließlich konnte Vehs Elf in dieser Saison immer gewinnen, wenn sie selbst das 1:0 erzielt hatte. Dies war in den bisherigen elf Meisterschaftsspielen allerdings auch nur vier Mal der Fall.

"Wir werden sicherlich nicht zur Tagesordnung übergehen", betonte Sportdirektor Horst Heldt nach der zweiten Heimniederlage der Saison und schob hinterher: "Irgendwas werden wir verändern müssen und irgendwas werden wir auch verändern."

Es kommen gleich mehrere Dinge in Betracht. Die Kicker aus der Motorstadt scheinen zum Beispiel ähnlich langsam auf Betriebstemperatur zu kommen wie ein betagter Benz 200 Diesel. Das Vorglühen dauert einfach zu lang, die Spieler kommen nicht schnell genug in Fahrt.

Vor der 15. Spielminute haben Aktionen der Stuttgarter "Zündkerzen" Gomez, Marica, Cacau und Co. in dieser Saison noch nie im gegnerischen Tor gefunkt. Eine offensive Auftaktschwäche, die die Schwaben mit der Eintracht aus Hessen exklusiv haben.

Mangelnde Chancenverwertung

"Nach etwa zehn Minuten hatten wir den frühen Rückstand abgeschüttelt und haben dann auch Torchancen gehabt, aber diese leider nicht verwertet", erklärte Veh nach der Pleite gegen Köln.

Auch so ein "Markenzeichen" des VfB in dieser Saison: Die Schwaben gehören nicht gerade zu den "Knipsern" der Liga. Die Chancenverwertung liegt mit 11,5 Prozent deutlich unter dem Ligaschnitt von aktuell 13,9 Prozent. Auch hier wird Veh ansetzen müssen.

Alles oder nichts

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass Stuttgart seit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2007 nur fünf Mal die Punkte teilte. "Alles oder nichts" statt "Besser als nichts" lässt sich daraus vielleicht als Motto ableiten, das der berühmten schwäbischen Pfennigfuchser-Mentalität eigentlich zuwiderläuft.

Über 34 Spieltage gesehen macht unentschiedenes Kleinvieh schließlich auch gehörig Mist. Im UEFA-Pokal hingegen sollte der VfB Stuttgart schon zwingender seine Heimspiele gewinnen. Nach der 0:2-Pleite in Sevilla würde am Donnerstag ein Sieg gegen Partizan Belgrad die Bilanz in Gruppe C deutlich attraktiver gestalten. Ein frühes Tor, eventuell sogar auch einmal in der Anfangsviertelstunde, wäre sicherlich eine gute Basis.

Cool bleiben

Wichtig wird sein, dass man in Stuttgart nach dem Köln-Spiel trotz aller durchlebten Steigerungsstufen der Enttäuschung - "enttäuscht" (Hitzlsperger), "sehr enttäuscht" (Boka), "riesig enttäuscht" (Veh), "total enttäuscht" (Hilbert) - Nerven und Geduld bewahrt.

"Lamentieren hilft nicht. Wir dürfen nicht in Selbstmitleid versinken", sagte Hitzlsperger dem "kicker". Seine Empfehlung: "Wir müssen uns kurzfristige Ziele stecken, wollen die nächsten Spiele gewinnen. Wir müssen dranbleiben und an uns glauben."

Immerhin hält die Statistik nicht ausschließlich demaskierende Gemeinheiten parat: Zum selben Zeitpunkt der Vorsaison hatte Stuttgart sogar noch drei Punkte weniger auf dem Konto, qualifizierte sich am Ende aber dennoch für den UEFA-Pokal.

Insofern: Alles wird gut - wenn einiges besser wird...

Michael Wollny