Nürnberg - Sie rissen die Arme hoch, klatschten sich ab und jubelten beinahe so, als hätten sie die Meisterschaft bereits gewonnen. So weit ist es selbstverständlich noch nicht, seit Samstagnachmittag, 17.19 Uhr, aber hat der FC Bayern München sein Schicksal in der Fußball-Bundesliga wieder selbst in der Hand.

Ein Stolperer von Borussia Dortmund beim 4:4 gegen den VfB Stuttgart, ein Treffer von Arjen Robben zum 1:0 (0:0) beim wieder stark abstiegsgefährdeten 1. FC Nürnberg - der Rückstand auf den Tabellenführer beträgt nur noch drei Punkte, und am 11. April geht es zum "Endspiel" beim Deutschen Meister.

"...warum sollten wir?"



"Das Thema Meisterschaft steht und fällt mit dem Spiel in Dortmund", sagte Thomas Müller und stellte außerdem zufrieden fest: "Wir haben es wieder in der eigenen Hand." Doch Kampfansagen, Psychosprüche und dergleichen verkniffen sich die Münchner erstaunlicherweise. "Der Sieg war super wichtig", betonte Robben, der nach einer trägen ersten Halbzeit des Rekordmeisters in der 69. Minute sein elftes Saisontor erzielte, "aber wir müssen über uns reden und weitermachen." Die Zeit der großen Sprüche "ist vorbei", versicherte auch der eingewechselte Bastian Schweinsteiger, "warum sollten wir ...?"

Das DFB-Pokalfinale erreicht, in der Champions League vor dem Einzug ins Halbfinale und in der Meisterschaft wieder nahe dran, Herr des Geschehens zu sein: Der FC Bayern hat festgestellt, dass es für ihn das Beste ist, auf sich selbst zu schauen. "Wir müssen unsere Spiele gewinnen. Wenn wir das tun, können wir viel erreichen. Was die anderen machen, muss uns egal sein. Wir müssen von Spiel zu Spiel sehen", sagte Schweinsteiger. Und nein, betonte er, "es bringt nichts, etwas in Richtung Dortmund zu sagen", nur so viel: "Die spielen seit zwei Jahren fantastischen Fußball. Dortmund ist ein sehr starker Konkurrent."

Rotation zunächst ohne Wirkung



Schweinsteiger hatte im ausverkauften Nürnberger Stadion, wo der FC Bayern zuvor viermal nicht gewonnen hatte, ab der 55. Minute mitwirken dürfen, wenige Augenblicke später wechselte Trainer Jupp Heynckes auch noch Franck Ribery ein (57.). Aus der Mannschaft, die vier Tage zuvor das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Olympique Marseille 2:0 gewonnen hatte, fehlten zudem David Alaba und zunächst auch Luiz Gustavo. Die kleine Rotation verlieh den Bayern zunächst überhaupt keinen Schwung, sie wirkten matt und uninspiriert, erst in der zweiten Halbzeit und mit Schweinsteiger und Ribery wurde es besser.

"Mit den Einwechselungen", sagte Heynckes, "hatten wir ein spielerisches Übergewicht und gute Tormöglichkeiten, deshalb denke ich, dass es in der Summe ein verdienter Sieg des FC Bayern ist." Da wollte ihm sein Kollege Dieter Hecking nicht widersprechen, er wies allerdings darauf hin, dass es seiner Mannschaft trotz einiger guter Torchancen erst nicht gelungen war, in Führung zu gehen, und ihr dann auch Glück fehlte, wenigstens noch den Ausgleich zu erzielen. In der Tat hatten dafür die Bayern viel Dusel, als Torhüter Manuel Neuer einen 30-Meter-Schuss von Almog Cohen ungeschickt an die Latte lenkte (88.).

Nicht zuletzt deshalb war die Erleichterung nach dem 184. Derby zwischen Mittelfranken und Oberbayern groß bei den Münchnern: Sie wissen auch, dass in den kommenden Wochen nun wohl ein Kraftakt nach dem anderen gefragt ist. Dass die Chance auf das Triple intakt ist wie lange nicht mehr, wollte Philipp Lahm deshalb gar nicht wahrnehmen. Drei Titel seien "Wunschdenken", betonte er und wies lieber drauf hin: "Es geht jetzt alle drei, vier Tage weiter. Heute ist es schön, dass wir gewonnen haben, aber schon morgen müssen wir uns wieder auf das Spiel gegen Marseille konzentrieren." Das folgt am Dienstag.