Bei einem neuen Chef kann sich ganz schnell einiges ändern. Das haben auch die Spieler des FC Bayern schon gemerkt. Jupp Heynckes ist erst seit Dienstag an der Säbener Straße, doch den Tagesablauf hat er bereits in vielen kleinen Dingen geändert - kein Wunder, denn viel Zeit hat "Don Jupp" nicht, um in der Bundesliga noch das selbst ausgerufene Ziel zu erreichen.

So haben sich für die Bayern-Profis zum Beispiel auch unter der Woche die "Anstoßzeiten" geändert: Statt einer Stunde vor Trainingsbeginn müssen sie nun erst eine halbe Stunde vorher an der Säbener Straße eintreffen. Und als es am vergangenen Dienstag ein gemeinsames Mittagessen gab, war es danach jedem Spieler freigestellt, nach Hause zu fahren oder im Leistungszentrum zu bleiben.

"Aufbruchstimmung" mit den Fans

Zwei Mal trainiert wurde aber trotzdem, und das war auch am Mittwoch so. Außerdem - viele Fans haben das bereits mitbekommen - sind nun bis auf weiteres alle Trainingseinheiten wieder öffentlich zugänglich. Dies soll nach Auffassung des FCB-Vorstands auch zu der von Uli Hoeneß erwähnten "Aufbruchsstimmung" beitragen, denn die Fans seien dabei ganz klar ebenfalls angesprochen.

Auch im taktischen Bereich hat der 63-jährige Trainer bereits einige neue Vorstellungen - wobei einige davon eigentlich gar nicht so neu sind. Gegenüber dem "kicker" sagte Heynckes, schon sehr bald wieder mit zwei Stürmern spielen zu wollen. "Bayern spielt seit Jahrzehnten so, ich versuche das, für Samstag zu ermöglichen."

Offensivere Aufstellung

Im Mittelfeld scheint es ebenfalls Umstellungen zu geben. Zwei zentrale Sechser wird es womöglich schon im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach nicht mehr geben. "Wenn man mit zwei defensiven Mittelfeldspielern antritt, ist das Mittelfeld nach vorne nicht optimal besetzt. Hinter den zwei Spitzen haben wir Möglichkeiten: Schweinsteiger, Sosa, Zé Roberto, Altintop", sagt Heynckes.

Das sind noch lange nicht alle Neuigkeiten. Heynckes will vor den verbleibenden Heimspielen nicht, wie unter Klinsmann üblich, die Mannschaft am Abend vorher in einem Hotel in der Innenstadt zusammen trommeln, sondern lieber in einem ruhigen Münchner Vorort. Außerdem wird Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt für die restlichen fünf Partien der Saison wieder für die medizinische Betreuung der Spieler zuständig sein.

"Er kann die Lage sehr gut einschätzen"

Bei den Spielern kommt das neue Programm gut an. Hamit Altintop, der Heynckes noch aus Schalker Zeiten kennt, meint: "Von seiner Art und Weise ist Heynckes gleich geblieben, aber ansonsten hat er sich bestimmt weiter entwickelt, weil er viel gesehen hat. Und er kann die Lage hier sehr gut einschätzen." Sprich: Die neuen Maßnahmen scheinen zu greifen und werden von den Spielern angenommen.

Doch natürlich gibt es auch einige Dinge, die sich nicht geändert haben - und wohl auch nicht mehr ändern werden. Dazu gehört, dass Mark van Bommel selbstverständlich Kapitän der Mannschaft bleibt. Und das Nahziel ist auch dasselbe geblieben: die "direkte Qualifikation für die Champions League". Wobei, das ist ja eigentlich erst seit der Niederlage gegen Schalke die offizielle Sprachregelung - insofern also trotzdem etwas Neues, wenn auch nicht von Heynckes initiiert.

Christoph Leischwitz