München - Er hat es oft gehört. Er, Franz Beckenbauer, habe viel Glück gehabt in seinem Leben. Und er streitet es ja auch nicht ab, er hat es nie getan. "Ja, sicher", sagte Beckenbauer deshalb in der Dokumentation, die am vergangenen Sonntag in der ARD ausgestrahlt wurde, "natürlich" sei er das, ein vom Glück verwöhntes Sonntagskind.

"Alle Sonntage der Welt sind in mir vereint", bestätigte er da, "klar, wenn man so ein Leben hat, in diesen 70 Jahren, angefangen aus dem Nichts kommend."

Wenn Beckenbauer über Glück gesprochen hat, dann meinte er in der Regel, dass er meist zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Doch es ist mitnichten so, dass ihm alles zugeflogen ist, dass aus dem begnadeten Fußballer der "Kaiser", später der erfolgreiche Teamchef, eine "Lichtgestalt", der OK-Chef der WM 2006 und der Vater des "Sommermärchens" wurde. Nur, dass während der WM 2006 fünf Wochen lang die Sonne schien, dafür konnte er trotz gegenteiliger Vermutungen nun wirklich nichts.

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Harte, konsequente Arbeit

Tatsächlich hat Beckenbauer viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen, "es waren immer Schritte, die ich gemacht habe, ohne darüber nachzudenken, ob es mir etwas bringt oder nicht", beteuerte er. Für Außenstehende sah es so aus, als werde alles zu Gold, was der "Kaiser" anfasst, doch in Wahrheit ist Beckenbauer keiner, der einfach sagt: "Schau'n mer mal." Erfolg, betonte er, "ist auch vom Glück abhängig", aber: "Vor allem steckt harte, konsequente Arbeit dahinter. Glück muss man sich erarbeiten."

Sein Leben, das hat Beckenbauer oft gesagt, sei "perfekt" gelaufen, und wenn er wiedergeboren werden sollte, "dann als Beckenbauer". Was häufig untergegangen ist: Dieses Leben ist auch von Brüchen gekennzeichnet. Er hat zwei gescheiterte Ehen hinter sich und ein paar Beziehungen. "Die privaten Trennungen kann man als Scheitern bezeichnen", gab er zu.

"Ein Geschenk für den Fußball"

Dass er für seine Fehltritte nicht groß verurteilt wurde, hat auch mit seiner Art zu tun. Ein Spruch von Beckenbauer, Schmunzeln oder Gelächter, und alles scheint plötzlich halb so wild. "Der Liebe Gott freut sich über jedes Kind", sagte er etwa über die außereheliche Zeugung von Sohn Nummer vier. Außerdem stammt von ihm noch dieser Satz: "Ich hab mal einen Stammbaum machen lassen: Die Wurzeln der Beckenbauers liegen in Franken. Das waren lustige Familien, alles uneheliche Kinder. Wir sind dabei geblieben."

Den Erfolgen vor allem als Spieler des FC Bayern in der Bundesliga und im Europapokal, den Weltmeister- und Europameistertiteln folgten Siege als Teamchef auf der Trainerbank. Neben dem Brasilianer Mario Zagallo ist er der einzige, der dem WM-Titel als Spieler durch den Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 den als Trainer hinzufügte.

"Franz Beckenbauer ist das größte Glück des deutschen Fußballs. Es gab keinen besseren vor ihm und es wird auch kein besserer nachkommen", sagte sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege Günter Netzer über den "Kaiser". "Franz Beckenbauer war und ist ein Geschenk für den Fußball", sagt auch Dr. Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes über Beckenbauer. Zum 70. Geburtstag gratuliert Franz Beckenbauer die ganze Bundesliga.

Mit Material vom SID