München - "Ich habe keine Probleme damit, von der Bank zu kommen", sagte Mario Gomez kürzlich in einem Interview. Der Bayern-Angreifer tastet sich einer langwierigen Sprunggelenks-Verletzung immer mehr an seine Topform aus der Vorsaison heran.

Die letzten Monate waren hart für den Nationalspieler, nicht zuletzt weil er Kritik aus den eigenen Reihen erdulden musste und aufgrund seiner Verletzung keine sportliche Antwort geben konnte. Währenddessen spielte sich Konkurrent Mario Mandzukic in den Vordergrund. Doch jetzt ist Gomez wieder fit und bereit für neue Glanztaten - bei aller Bescheidenheit.

In der Bundesliga feierte der 27-Jährige gegen Hannover sein Comeback. 24 Sekunden nach seiner Einwechslung trifft Gomez mit dem ersten Balkontakt zum 5:0-Endstand (Video-Spielbericht), in Augsburg mit dem dritten zum 2:0-Endergebnis. Dass der Bayern-Stürmer auf dem besten Weg zur alten Form ist, überrascht Trainer Jupp Heynckes keineswegs: "Das ist kein Zufall, Gomez hat in der Reha super gearbeitet. Es ist schön, dass wir mit ihm jetzt noch eine zusätzliche Option haben."

Konkurrenz ja, Neid nein



Der Spieler selbst hatte sowieso nie Zweifel an der erfolgreichen Rückkehr. "Ich werde wieder treffen, wie ich will", tönte Gomez nach einem Viererpack im Testspiel gegen Markt Schwaben. Im Münchner Sturmzentrum hat er jedoch nicht mehr die "Monopolstellung" wie in der vergangenen Spielzeit. Die Bayern haben den Kader in der Sommerpause kräftig verstärkt. Für den Angriff holte der FCB mit Mario Mandzukic und Claudio Pizarro zwei gestandene Profis. Besonders Mandzukic ballerte sich gleich zu Saisonbeginn mit fünf Treffern in fünf Spielen in den Fokus.

Neid gibt es unter den Offensiv-Kontrahenten aber nicht. "Ich verstehe mich sehr gut mit den beiden", betonte Gomez zuletzt immer wieder. Er gönne den Kollegen deren Erfolgserlebnisse. Kurios: Seit Gomez' Rückkehr am 20. November beim FC Valencia (1:1) traf der Kroate Mandzukic jedoch nicht mehr, während der Deutsche durch Effektivität glänzt. Für seine beiden Liga-Treffer benötigte der Nationalspieler nur sechs Torschüsse.

Tore verursachen "sauschönes Gefühl"



Längst vergessen sind inzwischen die Kritiken aus dem eigenen Bayern-Lager durch Mehmet Scholl während der EM ("Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wundliegt und mal gewendet werden muss.") und Präsident Uli Hoeneß in Bezug auf das verlorene Champions-League-Finale ("Er ist ein guter Stürmer, aber kein sehr guter.). Für Gomez zählt nur noch das Jetzt. "Ich habe Spaß und bin da, wenn der Trainer mich braucht", konzentriert sich der Mittelstürmer ausschließlich auf seinen Job - das Toreschießen.

"Das ist ein sauschönes Gefühl. Das sind Glückshormone, die da ausgeschüttet werden", erklärte Gomez die emotionale Komponente eines Treffers in der "Bild". Tore sind für "Super-Mario" (129 Bundesliga-Treffer für Bayern und Stuttgart) sogar eine Art Droge: "Ich war schon immer heiß darauf, zu treffen. Egal wann, egal wo, egal wie es steht." Seinen Comeback-Treffer gegen 96 bezeichnete er gar als "Explosion" nach der monatelangen Pause.

"Habe das riesengroße Ziel, Meister zu werden"



Persönliche Glücksgefühle stellt Gomez dieser Tage aber in den Hintergrund. "Wenn ich am Saisonende noch zehn Joker-Einsätze mehr habe und wir Meister sind, dann bin ich auch glücklich. Ich habe einfach das riesengroße Ziel vor Augen, Meister zu werden. Diesem Ziel werde ich alles unterordnen." Mit den Bayern holte er bislang einmal die Schale (2009/2010).

Angesichts von elf Zählern Vorsprung auf den ersten Verfolger (Tabellenrechner) ist er vom ersehnten Titelgewinn schon einigermaßen überzeugt und formuliert weit weniger bescheiden: "Nur wir selbst können uns stoppen."

Christoph Gailer