Lucas Barrios (M.) erzielte in der Hinrunde den 1:0-Fürhungstreffer der Dortmunder - sein Einsatz am Samstag ist fraglich
Lucas Barrios (M.) erzielte in der Hinrunde den 1:0-Fürhungstreffer der Dortmunder - sein Einsatz am Samstag ist fraglich
Bundesliga

Alles eine Frage des Systems

Dass Jürgen Klopp wort- und formulierungsgewaltig ist, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Auch vor dem Topspiel gegen Bayer 04 Leverkusen (Sa., ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) stellte der Trainer von Borussia Dortmund diese Qualitäten angesichts der gestiegenen Temperaturen wieder unter Beweis.

"Wir wollen die Frühlingsgefühle hinüber tragen ins Spiel und das positive Tabellenbild erhalten", sagte Klopp mit Blick auf die Begegnung des Tabellenvierten (Dortmund) mit dem Tabellendritten (Leverkusen).

"Werden ihnen weniger Spaß bereiten"

Mit einem Sieg gegen die "Werkself" könnte der BVB den Rückstand auf den Champions-League-Qualifikationsplatz bis auf fünf Zähler verkürzen. Doch vom Blick nach oben will Klopp erst einmal nichts wissen. "Diese Überlegungen lenken nur zu sehr von den eigenen Aufgaben ab. Wir konzentrieren uns nur auf dieses Spiel und nicht auf die langfristigen Ziele", erklärte er.

Wie schon oft in dieser Saison bereitet die personelle Situation dem BVB-Coach ohnehin mehr Sorgen als die Tabellensituation. Gegen Leverkusen fällt Schlüsselspieler Nuri Sahin wegen seiner fünften Gelben Karte aus. Der Einsatz seines etatmäßigen Ersatzmanns Sven Bender ist aber noch sehr fraglich.

Deshalb macht sich Klopp vor allem über die Systemfrage Gedanken. Das seit vielen Monaten bevorzugte 4-2-3-1-System könnte am Samstag verändert werden. "Wenn wir nicht die perfekte Besetzung für die Doppel-Sechs finden, müssen wir über eine Umstellung nachdenken", spekulierte Klopp, der trotz aller Sorgen offensiv die Marschrichtung vorgibt: "Mit den richtigen Leuten und der richtigen Systematik werden wir ihnen weniger Spaß bereiten als der HSV letzte Woche."

Barrios-Einsatz ungewiss

Da hatte Bayer mit einem 4:2-Erfolg geglänzt - und auch den Dortmunder Trainer ein weiteres Mal überzeugt. "Die Offensivqualität von Leverkusen außer Acht zu lassen, wäre fahrlässig. Wir haben Respekt vor der Stärke Leverkusens", lobte Klopp den Gegner.

Wie stark seine eigene Offensive auflaufen kann, ist für den 42-Jährigen noch ungewiss. Hinter dem Einsatz des besten BVB-Torschützen Lucas Barrios (13 Saisontreffer) steht noch ein dickes Fragezeichen. Nelson Valdez fällt als Alternative aus.

Heynckes hat die Qual der Wahl

Mit Personalsorgen muss sich Klopps Gegenüber Jupp Heynckes ganz und gar nicht herumplagen. Außer dem langzeitverletzten Kapitän Simon Rolfes sind alle Mann fit. Zudem kehren die gegen den HSV gesperrten Toni Kroos und Stefan Reinartz zurück. Heynckes wird also einige unpopuläre Entscheidung treffen müssen. "Das ist mir lieber, als wenn die Decke so dünn ist wie gegen Hamburg. Ich habe zwar schon eine Mannschaft im Kopf, aber habe meine Entscheidung noch nicht vollends getroffen", erklärte der routinierte Bayer-Coach.

Er schwört sein Team vor der entscheidenden Saisonphase auf Geschlossenheit ein, auch wenn mal ein Spieler auf der Bank sitzen muss, der damit vielleicht nicht gerechnet hat. "Im Moment ist auch nur wichtig, dass wir Erfolg haben. Da muss jeder mitmachen und sein Ego zurückstellen", sagte Heynckes, der gar nicht erst versucht, die Bedeutung des Auftritts im Signal Iduna Park kleinzureden: "Wir haben noch acht Endspiele vor uns, da muss man jetzt einfach zulegen. Jetzt muss jeder an seine Leistungsgrenze und sogar darüber hinaus gehen."

"Das ist eine große Chance für uns"

Das wird gegen den BVB dringend nötig sein, denn gegen die Dortmunder wartet Leverkusen seit fünf Spielen auf einen Sieg. "Dortmund hat eine sehr gute Mannschaft und das ist ein unbequemer Gegner, der Ambitionen hat, oben dabei zubleiben", stellte Heynckes fest.

Mit Blick auf die kommenden Aufgaben gegen die Titel-Konkurrenten Schalke und FC Bayern macht er seine Elf aber auch noch einmal heiß - und beweist, dass nicht nur Jürgen Klopp wort- und formulierungsgewaltig sein kann: "Entscheidend ist, dass man an sich glaubt, dass man weiß, dass man Berge versetzen kann und man überzeugt davon ist, dass man bis zum Ende mitspielen kann. Das hat meine Mannschaft verinnerlicht. Das ist eine große Chance für uns, Ziele zu verwirklichen, die vor der Saison undenkbar waren."


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