Hamburg - Es gibt immer wieder Diskussionen darüber, welche Rolle die Psyche beim Fußball spielt. Die Angaben schwanken meist zwischen 60 und 95 Prozent.

Wenn eine Mannschaft 0:8 verliert, stellt sich die Frage nicht, wo der verantwortliche Trainer bei der Aufarbeitung mit seinen Jungs ansetzen sollte. Acht Gegentore beschäftigen mental. Joe Zinnbauer, Trainer des Hamburger SV, ließ seine Spieler deswegen am Dienstag im Volkspark laufen, "um den Kopf frei zu kriegen."

0:8-Niederlage tiefgehend aufgearbeitet

Geplant war der Lauf zwar schon vor der beim Rekordmeister erlittenen Niederlage, doch in der aktuellen Situation erscheint das Schwitzen im Wald dem Trainer umso sinnvoller. "Wir haben uns natürlich bemüht, in den Stunden danach den entsprechenden Umgang damit zu finden. Für alle HSVer war diese Niederlage enttäuschend und es ist schwierig, einfach so zur Tagesordnung überzugehen."

In Einzelgruppen wurde die Partie mit den Spielern analysiert, Trainerstab und sportliche Leitung arbeiteten die Geschehnisse tiefgehend auf. "Aber jetzt müssen wir so schnell wie möglich die Köpfe heben und den Blick nach vorne richten", fordert Zinnbauer bei HSV total! "Bayern ist jetzt abgehakt. Ab sofort zählt nur noch Borussia Mönchengladbach - und gegen die wollen wir alles besser machen."

"Gladbach ist eine Spitzenmannschaft"

Am Donnerstag spielt die Borussia noch in der Europa League in Spanien beim FC Sevilla. Am Sonntag ist der Tabellendritte der Bundesliga im Volkspark zu Gast. Die von Lucien Favre trainierten Fohlen gehören zweifelsohne zu den besseren Teams des Landes, was die Hamburger bereits bei der 0:1-Niederlage im Hinspiel zu spüren bekamen. "Gladbach ist eine Spitzenmannschaft. Kalkulatorisch sind Punkte gegen solch ein Team nicht eingeplant, aber es geht um Big-Points für uns, deswegen wollen wir alles versuchen, um diese auch zu holen", kündigt Zinnbauer an. 

Am Mittwoch sind zwei Trainingseinheiten angesetzt, von Donnerstag bis Sonnabend folgt je ein Training pro Tag. In Aktionismus will der 44-Jährige jedenfalls nicht verfallen: "Wir haben bereits eine hohe Trainingsintensität und wollen die Belastungssteuerung vernünftig gestalten." Zinnbauer will und wird mit seiner Truppe in Ruhe weiterarbeiten. "Vor der Partie gegen München wurden wir für unsere hohe Laufbereitschaft und den Einsatz gelobt, deswegen wird uns ein Spiel jetzt nicht aus der Bahn werfen."

Personell bessert sich die Lage langsam

Freuen kann sich Zinnbauer über die Rückkehr einiger wichtiger Spieler, zumindest im Trainingsbetrieb. Dennis Diekmeier hat seine Knieprobleme auskuriert und wird neben dem Brasilianer Cléber Reis (Muskelfaserriss ausgeheilt) als Erster wieder eine Alternative für den Kader darstellen. Aber auch Valon Behrami und Pierre-Michel Lasogga werden in dieser Woche wieder ans Mannschaftstraining herangeführt. "Manchmal geht es schneller als man denkt, aber wir wollen natürlich nicht zu viel erwarten", sagt Zinnbauer.

Vorerst verzichten muss er hingegen auf Marcell Jansen, der sich in München einen Muskelfaserriss zugezogen hat. Ivica Olic, der an alter Wirkungsstätte einen Schlag in den Rücken erlitt, setzt Dienstag und Mittwoch mit dem Training aus, will aber Donnerstag wieder mit der Mannschaft trainieren. 

Inwieweit es dann am Sonntag zu Umstellungen in der Mannschaft kommen wird, lässt Joe Zinnbauer auf sich zukommen. "Ich werde alle Trainingseindrücke auf mich wirken lassen." Während er das sagt, schweift sein Blick in Richtung Spielertunnel. Dort werden in fünf Tagen die Rothosen auf das Spielfeld gehen. "Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich drei Minuten vor dem Anpfiff da durchgehe. Für Sonntag sind schon wieder über 50.000 Karten verkauft. Das ist der Wahnsinn." Fußball ist eben nicht ausschließlich Kopfsache.