München - Bayerns Nationalstürmer Thomas Müller brachte es auf den Punkt. "Für jeden Spieler im Kader des FC Bayern ist es das Schlimmste, nicht in der Champions League zu spielen", erklärte er vor dem ersten europäischen Auftritt des FC Bayern in dieser Saison. Und auch sein Kapitän will sich eine Saison ohne rauschende europäische Nächte gegen Top-Vereine wie Real Madrid, den FC Barcelona oder Manchester United gar nicht erst vorstellen.

"Wir alle wissen, wie schön es in der Champions League ist", meinte Philipp Lahm. Damit Bayern, wie in zwölf der vergangenen 13 Saisons, aber auch in diesmal in der "Königsklasse" auflaufen kann, müssen die Münchner erst den Schweizer Vizemeister FC Zürich (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) in die Schranken weisen. Als "Nachsitzen" bezeichnete Trainer Jupp Heynckes die beiden Playoff-Partien.

Zürich rechnet sich Chancen aus

Und die ambitionierten Schweizer rechnen sich gegen den FCB durchaus Chancen aus, zumal sich Bayern auch in der letzten Saison gegen den FC Basel schwer getan hatte - in der Gruppenphase kam Deutschlands Rekordchampion dort beispielsweise nur zu einem knappen 2:1-Erfolg.

"Es ist alles möglich", ließ Trainer Urs Fischer vor Partie bereits hören. Doch die Historie und die personelle Situation - bei Bayern ist nun auch Superstar Arjen Robben fit, während Zürich arge Personalprobleme hat - sprechen eindeutig für die Münchner.

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Statistik:

Noch nie trafen die beiden Clubs auf europäischer Bühne aufeinander. Gegen Schweizer Mannschaften hielt sich der FCB bisher allerdings immer schadlos: Beide Duelle mit eidgenössischen Teams in K.o.-Runden (Neuchatel 1987/88 insgesamt 3:2, FC Basel 2010/11 5:1) entschied der deutsche Rekordmeister für sich.

Bundesligateams sind indes keine gern gesehenen Gegner beim FCZ: Von elf Auseinandersetzungen konnte der Schweizer Vizemeister nur zwei für sich entscheiden und zog acht Mal den Kürzeren. In Deutschland ist Zürich gar noch ohne einen einzigen Sieg (ein Remis und fünf Niederlagen).

Der einzige Erfolg über ein deutsches Team im Gesamtresultat liegt schon sehr weit zurück: 1976/77 bezwang Zürich im Viertelfinale des Pokal der europäischen Meistervereine Dynamo Dresden aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore. Damals war erst im Halbfinale gegen den FC Liverpool (1:6) Endstation.

Form:

Die Bayern haben mit dem 1:0-Arbeitssieg beim VfL Wolfsburg den Fehlstart noch einmal vermeiden können, nachdem sie die Bundesliga-Auftaktpartie gegen Borussia Mönchengladbach (0:1) verpatzt hatten. Erst Luiz Gustavo (90.+1) entschied die enge Partie beim Meister von 2009, in der die Star-Truppe von Trainer Jupp Heynckes erneut nicht vollends überzeugen konnte. Zumindest im DFB-Pokal (3:0 in Braunschweig) hielt sich der Rekordmeister schadlos.

Ähnlich wie der FCB ist auch Zürich schlecht aus den Startlöchern gekommen, scheint aber so langsam die Kurve zu kriegen. Dabei tat sich die Fischer-Elf vor allem zum Ligastart extrem schwer: Zürich startete mit drei Niederlagen in die neue Spielzeit. Nachdem Standard Lüttich in der dritten Qualifikationsrunde niedergerungen wurde, lief es besser beim FCZ: Sie feierten einen Kantersieg im Derby gegen die Grashoppers (6:0) und bezwangen zuletzt Meister FC Basel in einem 2:1-Kampfsieg. Zürich liegt nach fünf Partien in der schweizerischen Liga nun auf Rang 6 (von zehn) und hat fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Thun.

Personal:

Der Erfolg in Basel war teuer erkauft: Mittelfeldspieler Stjapan Kukuruzovic erlitt einen Kreuzbandriss im rechten Knie und wird dem FCZ ein halbes Jahr fehlen. Auch der französische Angreifer Alphonse zog sich gegen Basel einen Muskelfaserriss in der Wade zu - er fällt rund zwei Wochen aus und wird damit auch im Rückspiel am kommenden Mittwoch nicht dabei sein können. Auch Mittelfeldspieler Xavier Margairaz (Bänderverletzung Sprunggelenk) fehlt. Zudem hat Abwehrspieler Florian Stahel den Verein unter der Woche in Richtung FC Luzern verlassen.

Auf Seiten der Münchner sind alle fit - die Fans mussten allerdings lange um Superstar Arjen Robben bangen. Doch rechtzeitig für die wichtige Playoff-Partie meldete sich der Niederländer einsatzbereit. Robben habe "drei Tage sehr gut trainiert" wie Coach Jupp Heynckes anmerkte. Müller rückt von der rechten Seite wohl wieder ins Zentrum, für Toni Kroos bleibt nur die Bank.

Stimmen:

Zürichs Coach Urs Fischer geht trotz der Favoritenstellung des FC Bayern optimistisch in die Begegnung: "Es ist alles möglich. Aber es muss natürlich alles passen", erklärte der Coach. "Mit Mut, Leidenschaft und Willen" wolle sein Team gegen die Münchner bestehen. Wichtig sei laut dem Übungsleiter eine gute Mischung aus Offensive und Defensive. "Wenn du dich hier hinten reinstellst, bekommst du früher oder später die Rechnung", meinte Fischer.

Beim FCB zeigte man, dass man den Schweizer Vizemeister ganz gewiss nicht unterschätzen wird. Kapitän Phillip Lahm sieht seine Mannschaft "top fokussiert. Wir werden wie immer top vorbereitet sein und wollen ein gutes Spiel zeigen." Gegen die Schweizer müsse Bayern "ein vernünftiges Ergebnis erzielen. Ich denke, gegen ein 2:0 hätten wir alle nichts", nannte der DFB-Kapitän auch gleich sein Wunschergebnis.

Bayerns Coach Jupp Heynckes sprach von "einer Situation, die der FC Bayern noch nicht allzu oft erlebt hat. Normalerweise hat man sich vorzeitig für die Gruppenphase qualifiziert, jetzt müssen wir zwei Spiele nachsitzen. Da müssen die Spieler richtig reinhauen", erklärte Heynckes.

In den Playoffs erwarte er "zwei schwierige Spiele". Vor allem vor der "spielfreudigen Offensive" der Züricher zeigte sich Heynckes beeindruckt. Aufgrund der offensiven Spielweise der Schweizer ist sich Heynckes sicher, dass die Begegnung "auf keinen Fall" ein ähnliches Geduldsspiel wie gegen die defensiv eingestellten Gegner Borussia Mönchengladbach oder VfL Wolfsburg werde.


Voraussichtliche Aufstellungen:

FC Bayern: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Luiz Gustavo, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribery - Gomez

FC Zürich: Leoni - Nikici, Beda, Teixeira, Rodriguez - Schönbächler, Aegerter, Buff, Djuric - Mehmedi - Chermiti


Christoph Gschoßmann