Köln - Zum ersten Mal seit der Spielzeit 1998/99 heißt Werders Trainer zum Saisonstart nicht Thomas Schaaf. Nach 14 Jahren tritt Robin Dutt das Erbe der Bremer Legende an. Sieben Wochen hatte der ehemalige Sportdirektor des DFB Zeit, seine neue Mannschaft auf den Bundesliga-Start in Braunschweig vorzubereiten. bundesliga.de hat das neue Werder unter die Lupe genommen und erklärt, was Dutt im Vergleich zur vergangenen Saison schon verändert hat.

Gleich zu Beginn der Pflichtspielsaison hat Robin Dutt - allerdings unfreiwillig - mit einer guten Tradition der Ära Schaaf gebrochen. 1999, 2004 und 2009 gewann der SV Werder jeweils den DFB-Pokal. Eigentlich wären die Bremer 2014 wieder an der Reihe, aber nach dem Ausscheiden in Saarbrücken ist klar, dass Robin Dutt diese Serie nicht weiterführen wird. Auch 2012/13 war für Werder in Münster bereits in der ersten Runde Schluss, aber eine Woche später überzeugte das Team beim Saisonauftakt in Dortmund. Das dürfte allen Werder-Fans Mut machen.

Wie zum Start 2012/13 im 4-3-3-System



Samstagabend in Braunschweig wird Bremen höchstwahrscheinlich in einer ähnlichen taktischen Grundformation antreten wie zum Saisonstart 2012/13. Robin Dutt dürfte sein Team ebenfalls in einem 4-3-3-System ins erste Saisonspiel schicken. Wie seine Spieler das System allerdings mit Leben füllen sollen, unterscheidet sich von der Spielweise der vergangenen Saison. Im Spielaufbau rücken die Außenverteidiger weit auf, während die Innenverteidiger nach außen verschieben. Einer der Mittelfeldspieler - zumeist Makiadi - bietet sich im Zentrum an und lenkt den Spielaufbau aus der Tiefe. Bei gegnerischem Ballbesitz sollen Werders Offensivspieler die Angriffe des Gegners schon weit in der Hälfte des Gegners durch konsequentes Pressing unterbinden und durch frühe Balleroberungen eigene Chancen kreieren.

Über weite Strecken der letzten Spielzeit waren die Rollen in der Offensive klar verteilt: Arnautovic rechts, Elia links und Petersen in der Mitte. Elia und Petersen - entsprechende Fitness im Fall Elia vorausgesetzt - dürften auch 2013/14 in den ersten Partien gesetzt sein. Aaron Hunt wird die beiden in vorderster Front unterstützen. Das Trio soll aber weniger positionstreu agieren: "Grundsätzlich verfolgen wir das Ziel, vorne sehr flexibel unsere Positionen einzunehmen, um unberechenbar zu sein und Räume zu schaffen", erklärt Dutt seine Offensivstrategie.

Hunt ist der Schlüsselspieler der Offensive



Ob sein Plan aufgeht, wird davon abhängen, wie Aaron Hunt mit der sehr offensiven Rolle zurechtkommt. Seine Laufwege bestimmen, welche Positionen Petersen und Elia einnehmen. Beim Pokalspiel in Saarbrücken war Hunt häufig im Zentrum, Petersen auf rechts und die für den erkrankten Elia zum Einsatz gekommenen Füllkrug und Arnautovic auf links zu finden. Schon in Braunschweig soll das Angriffsspiel der Hanseaten schwerer auszurechnen sein.

Das Dreiermittelfeld werden aller Voraussicht nach Zlatko Junuzovic, Mehmet Ekici und Cedric Makiadi bilden. Fraglich, wie Werder den durch die Rückkehr von Kevin de Bruyne zum FC Chelsea entstandenen Qualitätsverlust auffangen kann. Die Dynamik und Torgefahr des Belgiers wird den Bremern zweifelsfrei fehlen. Dafür soll Neuzugang Makiadi für Konstanz vor der Abwehr sorgen. In der vergangenen Saison versuchten sich zunächst Clemens Fritz, im weiteren Verlauf Philipp Bargfrede, Aleksandar Ignjovski, Zlatko Junuzovic, Tom Trybull und Felix Kroos auf der "6", aber die Lücken in der Defensive konnten nicht geschlossen werden.

Die Defensive soll gestärkt werden



"66 Gegentore sind zu viel. Die geschossenen Tore hätten für einen Europa League Platz gereicht. Da müssen wir ansetzen", ließ Robin Dutt schon bei seiner Vorstellung keine Zweifel daran, dass er vor allem Werders fast schon traditionellen Defensivprobleme in den Griff bekommen möchte. Makiadi kann der Schlüssel zu weniger Gegentoren sein. In der Vorbereitung zeigte der Neuzugang aus Freiburg vielversprechende Ansätze, ging in Saarbrücken allerdings mit unter und leitete mit einigen Ballverlusten gefährliche Konter ein.

In der Viererkette ist Clemens Fritz wieder die feste Größe auf der rechten Abwehrseite. Der vielseitig einsetzbare Kapitän soll beständig auf seiner besten Position spielen. Einen Schritt, den der seit sieben Jahren in Bremen spielende Fritz ausdrücklich begrüßt. Die vielleicht größte Baustelle im Kader ist nach der Verletzung von Lukas Schmitz die Linksverteidigerposition. Momentan hat dort der gelernte Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie die Nase vorne. In Saarbrücken legte sich der tschechische Nationalspieler den Ball in der Offensive immer wieder auf seinen stärkeren rechten Fuß, wodurch das Angriffsspiel an Tempo verlor. Der junge Florian Hartherz, unter Schaaf 2011/12 teilweise schon in der ersten Elf, scheint noch etwas Zeit zu brauchen.

Caldirola beerbt Sokratis



Im Abwehrzentrum werden Sebastian Prödl und Luca Caldirola verteidigen. Der Italiener tritt damit in die Fußstapfen des nach Dortmund abgewanderten Sokratis, ist aber ein ganz anderer Spielertyp. Groß gewachsen und mit einem guten Aufbauspiel, verriet er in Saarbrücken einige Probleme in eins gegen eins Situation. Dass nach so kurzer Zeit noch nicht alles rund laufen kann, dessen ist sich Robin Dutt bewusst: "Die Mannschaft ist auf einem guten Weg, aber es ist keine Phase, die morgen, übermorgen oder in zwei Wochen abgeschlossen, sondern die sicherlich noch die ganze Saison andauern wird, in der wir aber trotzdem unsere Punkte holen wollen."

Ein erfolgreicher Auftakt würde vieles einfacher machen. Dafür müsste Dutt mit einer weiteren Tradition der Ära Schaaf brechen, denn zuletzt feierte Werder 2006/07 zum Saisonauftakt einen Auswärtssieg. Damals gewannen die Bremer 4:2 in Hannover. Seitdem holten die Hanseaten am 1. Spieltag auswärts in vier Spielen nur zwei Punkte. In Braunschweig soll es endlich wieder mit einem Dreier klappen.

Florian Reinecke