München - Es war eine neue Erfahrung für Thomas Tuchel, eine auf die der Trainer von Borussia Dortmund gerne verzichtet hätte. Im 15. Pflichtspiel auf der BVB-Bank musste Tuchel seine erste Niederlage hinnehmen. Dass diese mit 1:5 beim FC Bayern München sehr deutlich ausfiel, trug er mit Fassung - dennoch ärgerte Tuchel sich über das Zustandekommen.

Ein Lächeln umspielte seine Lippen, als Tuchel seinem Trainerkollegen Pep Guardiola auf der Pressekonferenz die Glückwünsche für den verdienten Sieg übermittelte. Doch er machte keinen Hehl daraus, dass seine Gefühlslage eigentlich eine andere war. "Wir haben uns das anders vorgestellt", sagte Tuchel. "Wir haben uns vorbereitet und sind hierher gefahren, um zu gewinnen. Wir müssen akzeptieren, dass wir es nicht geschafft und hoch verloren haben."

Tuchels taktischer Plan geht zunächst auf

Dabei hatte sich der BVB-Coach einen raffinierten taktischen Plan zurechtgelegt. Mit einer Raute im Mittelfeld sollte das Zentrum verdichtet werden, zugleich sollten die schnellen Umschaltspieler Henrikh Mkhitaryan und vor allem Pierre-Emerick Aubameyang die defensiven Außenbahnen der Bayern beschäftigen. Und dieser Plan ging in den Anfangsminuten auch auf. "Aber schon in unserer guten Phase haben wir es nicht geschafft wirklich torgefährlich zu werden", räumte Tuchel ein. "Entweder war ein Bein dazwischen oder wir haben die falsche Entscheidung getroffen."

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Der geplante Effekt, später mit den Einwechslungen von Marco Reus und Adnan Januzaj auf eine 4-3-3-Grundordnung umzustellen und noch mal offensiver zu werden, verpuffte, da das Spiel zu diesem Zeitpunkt beim Stand von 1:3 bereits entschieden war. Besonders die zwei Gegentore nach langen Bällen von Jerome Boateng schmerzten Tuchel. "Es sind auf jeden Fall Situationen, die doppelt wehtun, weil sie verteidigt werden können", analysierte der 44-Jährige. "Wir müssen uns jetzt schütteln und dann neu aufstellen - und das ist auch bitter nötig."

Arbeit an grundlegenden Dingen

Die Länderspielpause will der Trainer der Schwarz-Gelben daher nutzen, um seiner Mannschaft wieder die grundlegenden Dinge einzuschärfen. Vor allem das Zweikampf- und das Defensivverhalten stehen in den kommenden Tagen ganz oben auf dem Trainingsplan. Am Einsatz mangelte es in München allerdings weniger, schließlich gewannen die Gäste 56,4 Prozent der Zweikämpfe - nur in den entscheidenden Duellen waren sie zu weit weg.

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"Die Bayern sind eine unfassbar gute Mannschaft, die solche Schwächen des Gegners sofort ausnutzt", musste Kapitän Mats Hummels zugeben. Dennoch diente gerade die Leistung des BVB im ersten Durchgang als Lichtblick. "Es ist auch gar nicht verwegen, zu sagen, dass wir da ein gutes Spiel gemacht haben", sagte Hummels, der sich von dem "Nackenschlag" der ersten Saisonniederlage nicht aus der Bahn werfen lassen will.

Klare Zielsetzung für kommende Aufgabe

Im Hinblick auf die Tabellenkonstellation halten sich die Auswirkungen der Pleite ohnehin in Grenzen. Zwar sind die Bayern den Dortmundern vorerst auf sieben Punkte enteilt, aber da auch die anderen Topteams aus Schalke, Wolfsburg und Leverkusen am 8. Spieltag Federn gelassen haben, liegt der BVB nach wie vor auf dem zweiten Platz. "Wir haben drei Spieltage in Folge Federn gelassen", bezeichnete Hummels die Tabelle als schwachen Trost.

Statt den Blick auf die Konkurrenz zu richten, forderte der Innenverteidiger die Fokussierung auf die eigene Leistung. "Wir müssen zusehen, dass wir wieder in die Erfolgsspur kommen", betonte Hummels. "Nachdem wir mit den elf Pflichtspielsiegen einen sehr guten Start hatten und jetzt viermal in Folge nicht gewonnen haben, lautet die Zielsetzung für das Spiel in Mainz, wieder dahin zurückzufinden." Nach der Länderspielpause treten die Dortmunder zum Auftakt des 9. Spieltags an Tuchels ehemaliger Wirkungsstätte an. Gerne würde der BVB-Trainer anschließend wieder ein Lächeln präsentieren, dass auch seiner Gefühlslage entspricht.

Aus München berichtet Maximilian Lotz