Eine normale Partie war das Spiel eins nach dem Tod von Robert Enke auch für den FC Schalke nicht. Als Entschuldigung für den zunächst schwachen Auftritt gegen Hannover, aber wollten die Schalker die emotionale Situation nicht gelten lassen.

Der Einmarsch ins Stadion ohne Musik und Show, keine lautstarke Moderation, die Zurückhaltung der Fans, die intensive Gedenkminute für den verstorbenen Robert Enke - all das hatte die Anfangsphase auf Schalke gegen Hannover 96 ausgemacht. Gegen jene Mannschaft, die trotz Trauer zurück in den Bundesliga-Alltag wollte und musste.

"Bewegend" fand Joel Matip die gedämpfte Atmosphäre, Heiko Westermann beschlich nach eigener Aussage "ein mulmiges Gefühl". Keine Frage: Auch für die Schalker war es diesmal ein schwerer Schritt auf das Spielfeld, auf das Robert Enke nie mehr zurückkehren wird.

Westermann: "Die Köpfe waren nicht ganz frei"

Eine Halbzeit lang hätte man meinen können, die Trauer hätte auch die Beine der Heimmannschaft schwer gemacht. Schalke spielte wenig schwungvoll, ließ es an Kreativität, Zielstrebigkeit, Tempo und Präzision fehlen. "Wir haben einfach nicht ins Spiel gefunden", redete Westermann nicht drum herum.

Doch die ungewohnte Situation wollte der Kapitän nicht als Grund für den Auftritt heranziehen. "Wir haben versucht, das auszublenden, auch wenn die Köpfe nicht ganz frei waren. Wir wollten von Beginn an diese drei Punkte."

Weil die Stimmung von außen und entsprechend die Anfeuerung zunächst verhalten war, "haben wir versucht, uns selbst zu pushen und Gas zu geben - aber das hat mal wieder nicht geklappt."

"Knappen" kommt erst in der 2. Hälfte in Schwung

Für den FC Schalke war es an dieser Stelle schon wieder ein kräftiges Stück Normalität. Gerade in den Heimspielen tut sich die Magath-Elf regelmäßig schwer - zumindest in der Anfangsphase. "Wir müssen es endlich mal schaffen, über 90 Minuten und von Beginn an ordentlich zu spielen", forderte Heiko Westermann nicht zum ersten Mal.

Dass Schalke diesmal spielerisch 45 Minuten nicht zum Zuge kam, war für Lewis Holtby ein hausgemachtes Problem: "Wir haben in den entscheidenden Momenten den falschen Pass gespielt." Statt verstärkt über die Außenbahnen zu agieren - wie es Magath der Mannschaft vorher eingeschärft hatte - spielte Schalke den letzten Pass zu oft durch die Mitte.

Hannover aber stand kompakt, so dass Torchancen für die "Königsblauen" zunächst Mangelware blieben. Erst in der zweiten Halbzeit bekam Schalke Spiel und Gegner besser in den Griff und erzielte die beiden Treffer zum 2:0-Enstand.

Am Ende jubelten die Schalker

Dass dabei erneut eine Standardsituation den Bann brach, zählt bei den Schalkern zur Normalität des Spiels. Einen weiteren Schritt zur Normalität nach einer aufwühlenden Woche voller Trauer symbolisierte Torschütze Jefferson Farfan nach seinem Kopfballtor - er jubelte.

Das taten am Ende auch die Fans, die mit Vereinshymne und Spielern den siebten Saisonsieg feierten. In diesem Moment schien den Schalkern das gelungen, was die Hannoveraner noch vor sich haben - die Rückkehr in den Bundesliga-Alltag.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte.